WAS TRAUER MIT DEM KÖRPER MACHT: Wenn ein geliebter Mensch stirbt, wirbelt das nicht nur Gefühle durcheinander

Gebrochenes Herz und graue Haare

Trauer findet nicht nur in Gedanken statt – auch der Körper leidet. Foto: dpa

27.10.2021

Auch unser Körper spielt im Trauerfall verrückt. Was dahinter steckt – und was hilft.

Wer einen geliebten Menschen verliert, für den stellt sich alles auf den Kopf. Und auch der Körper funktioniert in einer Trauerphase manchmal nicht mehr wie gewohnt. Etwa, wenn sich der Brustkorb gefühlt so eng zusammenschnürt, dass tiefe Atemzüge kaum möglich sind. Oder wenn beim Kämmen deutlich mehr Haare in der Bürste hängen bleiben als vorher. „Im Verlustfall hängt alles zusammen. Körper und Geist sind kaum zu trennen“, sagt Heidi Müller, Wissenschaftlerin im Bereich der Trauerforschung.

„Jeder Mensch trauert anders“, sagt Susanne Haller, Leiterin der Elisabeth-Kübler-Ross-Akademie am Hospiz Stuttgart. Dementsprechend vielfältig seien körperliche Reaktionen auf einen einschneidenden Verlust. Ob Migräne, Schwindel, Enge in der Brust, Herzrasen, Rückenschmerzen oder Durchfall: Die Bandbreite ist groß.


"Viele Trauernde gehen nicht mehr so aufrecht, der Kopf hängt ein wenig, sie bewegen sich langsamer."

Annette Wagner
Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Trauerbegleitung


Einige Symptome sind für Außenstehende unsichtbar, andere fallen direkt ins Auge. Zum Beispiel die Körperhaltung: „Viele Trauernde gehen nicht mehr so aufrecht, der Kopf hängt ein wenig, sie bewegen sich langsamer“, beschreibt Annette Wagner. Sie ist Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Trauerbegleitung (BVT) und unter anderem auch als Klinikseelsorgerin tätig.

In ihrer Arbeit mit trauernden Menschen fällt ihr immer wieder auf, dass diese – selbst an warmen Tagen – gehörig frösteln. Ein heißer Tee und eine kuschelige Decke sind dann nicht nur für die Seele wichtig, sondern auch für den Körper. Oft wird erzählt, dass das Haar mit der Trauer im Zeitraffer grau werden kann. So wird etwa dem Philosophen Karl Marx nachgesagt, nach dem Tod seines achtjährigen Sohnes über Nacht ergraut zu sein. Allzu häufig kommt dieses Phänomen jedoch nicht vor. Annette Wagner hat es nach eigenen Worten in 20 Jahren Trauerbegleitung nur einmal erlebt, bei einer Witwe: „Ihre Haare sind binnen drei Tagen schlohweiß geworden“, erzählt sie.

Selbst wenn die Haare nicht ergrauen, wirken viele Trauernde für Außenstehende dennoch wie gealtert. „Die Mundwinkel fallen, die Haut ist aschig, unter den Augen sind dunkle Ringe – so sieht ein trauriger Mensch aus“, sagt Wagner.

Das habe auch mit den Lebensumständen in der Trauerphase zu tun, erläutert die Expertin: Nach einem Verlust rattert der Kopf oft so sehr, dass Trauernde schlecht in den Schlaf finden. Dazu kommt häufig Appetitlosigkeit. Wenn dann auch noch die Bewegung im Alltag zu kurz kommt, fehlt dem Körper eine gute Durchblutung – all das sieht man einem trauernden Menschen manchmal an. Die Ursachen für die teils heftigen Reaktionen des Organismus bei Trauerfällen sind nicht vollends ergründet. Belegt ist, dass der Todesfall eines geliebten Menschen das Risiko für bestimmte Herz-Kreislauferkrankungen zeitweise erhöhen kann. Es sei wichtig, sagt Susanne Haller vom Hospiz Stuttgart, dass Trauernde körperliche Beschwerden nicht einfach mit Aussagen wie „Das ist eben die Trauer“ abtun, sondern sich nicht scheuen, damit zum Arzt oder zur Ärztin zu gehen.

Halten die körperlichen Beschwerden eine Weile lang an, schleicht sich rasch ein quälender Gedanke an: „Mache ich etwas falsch?“ Viele Trauernde verspüren Druck, am Arbeitsplatz und abseits davon schnell wieder volle Leistung erbringen zu müssen. Wenn Körper und Psyche das nicht mitmachen, sorgt das für Frust. Trauerforscherin Heidi Müller nimmt dabei auch die Anforderungen der Gesellschaft kritisch in den Blick: „Früher kam die Welt nach einem Todesfall für einen Menschen zum Stillstand. Heutzutage – in einer dynamischen Zeit mit einem hohen Tempo – ist das nicht mehr so.“

Auch wenn es nicht immer leicht ist, sich den gesellschaftlichen Erwartungen zu entziehen: Laut Müller ist es wichtig, dass sich Trauernde Pausen erlauben und Zeit für Dinge nehmen, die ihnen guttun. Trauer kostet den Körper viel Energie.

„Aber: Sie ist ein ganz natürlicher Ausdruck. Trauer ist nicht das Problem, sondern die Lösung“, so Trauerbegleiterin Annette Wagner. Können Trauernde anerkennen, dass an ihren (körperlichen) Reaktionen auf den Verlust nichts falsch ist, kann das für Erleichterung sorgen. dpa

Hinterbliebenenrente: Wann Anspruch besteht

Wenn ein Ehepartner verstirbt, besteht in der Regel Anspruch auf eine Witwen- oder Witwerrente. Jedoch muss das Paar mindestens ein Jahr verheiratet gewesen sein, erklärt die Deutsche Rentenversicherung Bund in Berlin. Bei einer kürzeren Ehedauer geht die Rentenversicherung von einer „Versorgungsehe“ aus und nimmt an, dass die Ehe geschlossen wurde, um dem überlebenden Ehegatten einen Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente zu ermöglichen. Dann besteht kein Anspruch auf Witwen- oder Witwerrente.

Stirbt der Ehepartner beispielsweise bei einem Unfall, durch eine plötzliche Erkrankung oder gibt es ein gemeinsames minderjähriges Kind, besteht auch bei kürzerer Ehedauer ein Rentenanspruch. Neben der Ehedauer prüft die Rentenversicherung, ob der oder die Verstorbene vor dem Tod die Mindestversicherungszeit von fünf Jahren erfüllt oder bereits eine Rente bezogen hat. Ist dies der Fall und hat der oder die Hinterbliebene nicht wieder geheiratet, besteht ein Anspruch auf Witwen- oder Witwerrente.

Geschiedene haben generell keinen Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente. In bestimmten Ausnahmefällen können Versicherte aber trotz Scheidung eine Hinterbliebenenrente bekommen. Beantragt werden kann sie nur, wenn die Ehe vor dem 1. Juli 1977 geschieden wurde und die Betroffenen nach der Scheidung zu Lebzeiten des früheren Ehepartners nicht wieder geheiratet haben.

Zusätzlich müssen sie im letzten Jahr vor dem Tod des früheren Ehepartners oder Ihrer Ehepartnerin Unterhalt von ihm oder ihr erhalten haben. Wurde kein Unterhalt bezogen, muss zumindest ein Anspruch darauf bestanden haben. dpa


Bedingungen dürfen nicht sittenwidrig sein

Wer bestimmte Bedingungen in seinem Testament aufstellen will, muss darauf achten, dass die Regelungen weder sittenwidrig sind noch das sogenannte Pflichtteilsrecht verletzen. Denn sonst besteht die Gefahr, dass ein Gericht sie für ungültig erklärt. Darauf macht die Notarkammer Celle aufmerksam. Eine sittenwidrige letztwillige Verfügung liegt vor, wenn das zu vererbende Vermögen als Druckmittel eingesetzt wird, damit sich die Erben wie vom Erblasser gewünscht verhalten. Wann genau ein solcher unzulässiger Druck vorliegt, hängt vom konkreten Einzelfall ab. dpa
    

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