Siegen: Sportfreunde Siegen: Ein „Patient“ zwischen Normal- und Intensivstation

Hoffnung auf bessere Zeiten

Die Sportfr. Siegen hoffen, im Gegensatz zu Till Hilchenbach (stehend) hier beim Zweikampf mit Salchendorfs Alexander Völkel, dass sie in dieser Spielzeit nicht ins Straucheln geraten, sondern eine Saison in ruhigem Fahrwasser verbringen. Foto: carlo

15.08.2022

„Wir müssen uns kontinuierlich weiterentwickeln“, sagt der Sportliche Leiter Ottmar Griffel.

„Wenn alles passt, dann können wir vielleicht vorne reinstochern. Unser Anspruch ist auf jeden Fall, unter die ersten Zehn zu kommen.“ Sagte Trainer Tobias Cramer vor der letzten Saison und im Leimbachtal glimmte ein ganz leichtes Fünkchen Hoffnung, dass alles besser wird. Ein Jahr später muss konstatiert werden: Ist es nicht! Cramer musste Ende März frühzeitig seine Koffer packen und hatte auch aufgrund der spielerisch wenig berauschenden Ansätze beim Siegener Publikum jeglichen Kredit verloren. Am Ende wurde es Platz neun – im Übrigen die beste Platzierung in den letzten fünf Jahren in der Oberliga.

Doch die Stimmung im Umfeld der Sportfreunde Siegen tendiert – mal wieder – Richtung Nullpunkt. Die Geduld scheint zu Ende, die Zuschauerzahlen fallen seit Jahren stetig, die Sportfreunde wirken wie ein Patient, der zwischen Normal- und Intensivstation pendelt. Und das Schlimme daran ist: Ohne Aussicht darauf, als gesund entlassen zu werden. Gleichwohl malen dieses ganz düstere Bild in erster Linie diejenigen, die allein die 1. Mannschaft im Blick haben. Dem Vorstand um den Vorsitzenden Roland Schöler darf im Hinblick auf den Gesamtverein, insbesondere nach der schweren Situation im Zuge der zweiten Insolvenz, zu Gute gehalten werden, dass die Siegener finanziell in besseren Fahrwassern schwimmen als in der Vergangenheit nach der Ära Manfred Utsch.


"Natürlich ist es das Ziel aller, mittelfristig den Aufstieg in die Regionalliga zu realisieren."

Roland Schöler
1. Vorsitzender Sportfreunde Siegen


Und auch im Juniorenbereich läuft es erfolgreich, die B- Jugend spielt beispielsweise in der kommenden Saison Bundesliga. Aber, und das wird halt auch immer wieder deutlich: Oberliga-Mittelmaß beim Flaggschiff der Sportfreunde reicht großen Teilen der Anhängerschaft einfach nicht aus. Indes schwingt auch jedes Jahr die Hoffnung mit, dass die Sportfreunde endlich wieder, zumindest ansatzweise, an alte Zeiten anknüpfen können und der Regionalliga zumindest wieder etwas näher kommen.

Doch auch in diesem Jahr sind die Möglichkeiten begrenzt. Zwar konnte der neue Sportliche Leiter Ottmar Griffel in seiner bisher kurzen Amtszeit den Kader auf 23 Spieler (siehe Wechselbörse) auffüllen, doch ob das für mehr als in den letzten Jahren reicht? „Wir haben uns in der Breite sehr gut verstärkt, ich sehe in Aykut Soyak und Ji-on Jeon auch zwei Spieler, die aufgrund ihrer höherklassigen Erfahrung mit voran gehen werden. Und ich bin mir sicher, dass durch unseren Trainer auch noch einige Prozente aus den anderen Akteuren herausgekitzelt werden“, bemüht sich Griffel um eine positive Sichtweise, ohne aber die Ziele genauer zu definieren. „Wir müssen uns kontinuierlich weiterentwickeln, auf eine Platzierung lege ich mich daher auch nicht fest. Wenn wir keine extreme Verletztensituation haben, ist eine ordentliche Saison möglich.“

Zurückhaltende Aussagen, die verständlich sind nach nur anderthalb Monaten im neuen Amt, wo andere Sportliche Leiter schon viel früher ihrem Trainer einen Kader gebastelt haben und vor allen Dingen aus einem viel größeren Sammelbecken ihre Auswahl treffen konnten. Dass in der Phase zwischen Sommer des letzten Jahres und dem Ausstieg von Andreas Krämer im Juni etwas schief gelaufen sein muss, liegt auf der Hand beim Blick auf die ersten Vorbereitungswochen und einem viel zu kleinen Kader. Das ist für den „Neuen“ aber kein Thema, der auch nicht nachkarten will.

Für Coach Lirian Gerguri ist es natürlich keine optimale Situation gewesen in den ersten Wochen. Der hatte im Endspurt der letzten Saison der völlig verunsicherten Mannschaft neues Leben eingehaucht und kommt auch gut an, allerdings muss er sich natürlich nun auch den sportlichen Tatsachen stellen. Richtig weh tun werden die Abgänge von Joshua Walther und zweifellos von Björn Jost, der zwar unter dem „Hoch-Und-Weit-Stil“ Cramers merklich litt, aber das Potenzial besessen hätte, die Sportfreunde wieder mehr in Richtung Oberligaspitze zu führen, was zumindest das dauerhafte Ziel des Traditionsvereins ist. „Wir haben uns in den letzten drei Jahren in der Oberliga stabilisiert und im größeren Maßstab Jugendspieler aus dem eigenen Verein integriert und weiterentwickelt. Dementsprechend stehen die nächsten sportlichen Ziele in der Reifung des Kaders und in der Etablierung in dem oberen Tabellenregion. Natürlich ist es das Ziel aller, mittelfristig den Aufstieg in die Regionalliga zu realisieren“, erklärt Vorstandsvorsitzender Roland Schöler.

Das kleine Fünkchen Hoffnung glimmt also immer noch im Leimbachtal. Und wer weiß: Mit viel Glück kann der Patient ja irgendwann doch noch entlassen werden in sein „altes Zuhause Regionalliga“. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt... sta


WECHSELBÖRSE OBERLIGA

Sportfreunde Siegen
- Zugänge: Aykut Soyak (FC Wiedenbrück), Marcel Bona (Ujpest FC), Yu Sato (FC Remscheid), Marcel Becker (zurück nach Auslandsaufenthalt), Ji-on Jeon (TuS Koblenz), Malik Hodroj, Benit Dinaj, Umut Özogul, Nils Schmidt (alle eigene Jugend).
- Abgänge: Björn Jost (FC Deisenhofen), Patrick Jöcks (SV Baumberg), Oliver Schnitzer (Torwarttrainer), Joshua Walther (Ziel unbekannt).

TuS Erndtebrück
- Zugänge: Yutaro Ichimura (FC Remscheid), Rikuhei Nabesaka und Shusuke Araki (beide Osaka Kyoiku Sport-Universität), Jan-Michael Moses (TSV Weißtal), Elvin Tricic (VfB Wissen), Are Wolzenburg (Sportfr. Birkelbach), Marc Uvira (VfL Bad Berleburg), Jakob Schlemmer, Louis Menke, Daniel Gorbacev (alle eigene Jugend).
- Abgänge: Robin Entrup (SV Attendorn), Benedikt Brusch (VfL Biedenkopf), Okay Yildirim (FC Ederbergland), Keleb Nwubani (Preußen Münster 2.), Louis Ngalia, Paolo Okoye (beide Ziel unbekannt).
    

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