ERNDTEBRÜCK: Die evangelische Kirche der Gemeinde Erndtebrück beweist als Treffpunkt eine besondere Wandlungsfähigkeit

Evangelische Kirche Erndtebrück

Und jetzt wird es spannend“, sagt Kerstn Grünert, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Erndtebrück, und öffnet eine alte Holztüre, die zum Glockenturm führt. Nach wenigen Augenblicken ist man in eine andere Zeit abgetaucht. Das Licht schimmert bleiern in den kargen, mit Holzgerüsten und über den knarrenden, spärlich zusammengezimmerten Treppenbalken, die sich in die Höhe winden. Es ist sehr kalt hier und dunkel und mystisch.

Schon erklimmt die Pfarrerin die ersten Stufen. „Gerade die Konfirmanden sind immer sehr begeistert, wenn ich ihnen diesen besonderen Abschnitt unserer evangelischen Kirche von Erndtebrück zeige“, erklärt sie. Und in ihrer Stimme schwingt eine deutliche Begeisterung mit. Es geht indes weiter den engen und uralten Turm hinauf. Umher haben sich Staub und Mörtel der vergangenen Jahrhunderte auf dem grob gezimmerten Verstrebungen und Holzplanken angesammelt. Die Pfarrerin deutet auf eine kleine Öffnung in einer Wand, die den Blick von oben auf die alten Deckengewölbe der Kirche zulässt. „Wenn man sich hier ganz klein macht und etwas in die Nische hineinkrabbelt und in die Gewölbe schaut, kann man noch einen Teil der alten Wandmalerei sehen, die hier vor Jahren freigekegt wurde“, sagt Kerstin Grünert, als spreche sie gerade ein still gehütetes Geheimnis aus. Und tatsächlich, schon erheben sich über einem die geschwungenen Formen des kunstvoll angelegten Wandschmucks auf dem nackten, kargen Untergrund. Dann geht es noch steiler in die Höhe. Das Holz knarrt wundersam unter den Schuhsohlen. Der Blick gleitet an einem alten, riesigen Uhrwerk vorbei, das wie eine Maschine aus einer längst vergessenen Epoche mit unzähligen Zahnrädern und Verstrebungen nahe eines Geländers steht und ebenfalls von den Konfirmanden immer wieder bestaunt wird. Nach der nächsten Wendeltreppe ist es dann geschafft, das oberste Zimmer des alten Glockenturms ist erreicht. „Wir sind da“, sagt die Pfarrerin und holt einmal tief Luft. Direkt über ihr schälen sich nacheinander drei gewaltige Riesen aus dem Dunkel des unwirklichen Zimmers, viele Meter über den Dächern der Gemeinde Erndtebrück. „Den Klang dieser drei Glocken hier kennt in Erndtebrück jedes Kind“, sagt Kerstin Grünert. Dabei blickt die heutige evangelische Kirche zudem auf eine sehr spannende Vergangenheit zurück. „Ursprünglich stand auf dieser Anhöhe hier eine etwa 650 Jahre alte südwestfälische Hallenkirche.
   


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Diese wurde erstmals 1382 urkundlich erwähnt, aber am Tage nach Ostern im Jahr 1910 vollständig abgerissen. Viele alte Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die manchen älteren Erndtebrückern noch bekannt sein dürften, erinnern noch heute an die ursprüngliche äußere Gestalt des damaligen Gotteshauses.“ Die heutige Erndtebrücker Kirche wurde schließlich zwischen 1910 und 1911 auf dieser Anhöhe errichtete, von wo aus der freie Blick ederaufwärts und -abwärts und hinein ins Benfetal reicht.

Seinerzeit weihte der damalige preußische Generalsuperintendent Zöllner das Gotteshaus ein, das zusammen mit dem alten Pfarrhaus von dem Archirekten Ludwig Hofmann aus Herborn erbaut wurde. „Unsere Kirche bietet etwa 500 Personen Platz“, so Kerstin Grünert. Der Bau einer größeren Kirche sei seinerzeit einfach notwenig geworden, da die Gemeinde mit der zunehmenden Industrialisierung und dem damaligen Bau der Eisenbahn stetig gewachsen sei. „Und die ursprüngliche Kirche konnte die vielen Menschen einfach nicht mehr fassen.“ Mit der neuen Kirche entstand auch ein weiteres neues Pfarrhaus, das in unmittelbarer Nähe zur Kirche hochgezogen wurde.
  

„Auf der Wiese vor dem Pfarrhaus haben auch einmal eine Scheune und Stallungen gestanden, denn wie in ganz Wittgenstein üblich, mussten die Erndtebrücker Pastoren bis ins 20. Jahrhundert hinein Landwirtschaft betreiben. Eine Luke im alten Kirchturm weist noch heute auf den alten Heu-Aufzug hin, den es hier einmal gegeben hat.“

Im Jahr 1974 konnte das Gotteshaus schließlich aufwendig restauriert werden. „Die Arbeiten hat damals der Künstler Wolfgang Kreutter vorgenommen“, erinnert sich die Pfarrerin. Dabei ersetzte man den großen Steinaltar durch einen Abendmaltisch und die alten Bänke durch Stuhlreihen. „Das ist ohnehin eine Besonderheit unserer Kirche, dass wir hier ganz viele einzelne Stühle haben“, so Kerstin Grünert. „Man kann den Raum also nach Belieben nutzen, und das tun wir auch. Hier haben bereits die unterschiedlichsten Veranstalungen stattfinden können: Ausstellungen, Jugendtreffen, wir haben hier in die Nacht zum Reformationsjubiläum hineingefeiert und ein mittelalterliches Lager aufgeschlagen. Diesbezüglich sind unsere Räume sehr flexibel nutzbar. Und das sollten sie auch sein. Denn gerade in evangelischreformierten Häusern braucht man heilige Symbole nicht. Hier liegt das Heilige in dem, was in den Räumen, in der Gesellschaft, im Zusammenkommen der Menschen im Namen Gottes geschieht.“ Im Zuge der Renovierung entfernte man daraufhin auch den alten Steinboden und baute stattdessen Holzparkett ein. „Die heutige Holzdecke zog man unmittelbar nach dem Krieg ein“, so die Pfarrerin. „Darüber befindet sich noch heute das alte Tonnengewölbe, das man durch die kleine Öffnung im Turm erspähen kann und in dem auch noch die alten Wandbemalungen zu sehen sind.“ Und noch eine Besonderheit der evangelischen Kirche Erndtebrück wird von den Menschen der Gemeinde und den Besuchern sehr geschätzt. „Etwas nicht Alltägliches haben wir dann doch in unserem Gotteshaus vorzuweisen“, sagt Kerstin Grünert und lächelt. „Es ist keine Seltenheit, dass in evangelischen Kirchen die Fenster, die nach Osten zugewandt sind, zumeist eine bunte, meist bläuliche Färbung haben. Bei uns aber taucht der Gottessohn Jesus Christus in großer Gestalt im Fenster im Chorraum auf. Dabei scheint das Licht an hellen Tagen besonders schön durch dieses Glas in die Kirche und zeigt eindrucksvoll die Himmelfahrt des Herrn, der seine Hände ausbreitet und seinen Blick der Gemeinde zugewandt hält.“
  

Und gerade zu Weihnachten hält natürlich auch das Feierliche Einzug in die Räume des Gotteshauses. „Wir haben dann einen prächtigen mit Strohsternen geschmückten Baum hier stehen und bei Tannengeruch, rieselnden Nadeln und schönen Liedern zeigt sich immer wieder, dass die Menschen diese überlieferten Traditionen auch gerne haben. Wenn dann noch die ersten Worte von Lukas aus der Weihnachtsgeschichte gesprochen werden, merkt man, dass sich die Menschen, die zuhören, ganz aufgehoben und beseelt fühlen.“ Natürlich sei es auch für sie als Pfarrrerin immer besondes schön, wenn die Kirche gerade zu Weihnachten mit vielen Menschen angefüllt sei, dann herrsche hier noch einmal eine ganz besondere Atmosphäre. „Und daher wünsche ich mir auch diesmal wieder viele begeisterte Besucher, die zum Weihnachtsgottesdienst zu uns kommen.“
  

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