BAD LAASPHE: Die katholische Kirche St. Petrus und Anna hält in ihrer Architektur und ihren Symbolen viele spannende Geschichten bereit / Neulich feierte das Baudenkmal 50-jähriges Bestehen

Das Wort Gottes hinaus in die Welt tragen

Licht – von überall her scheint es hernieder und umgibt einen und öffnet den Blick auf die unermessliche Weite der Räume, die sich zugleich zu immensen Höhen ausdehnen. Alles wirkt klar und hell und aufgeräumt, wenn man sich in der katholischen Kirche St. Petrus und Anna umblickt und langsam durch die Sitzreihen geht. Aber man ist nicht allein. Ehe man es sich versieht, haben Menschen zur linken und zur rechten Seite Platz genommen und den Blick nach vorne gerichtet, zum Altar, über dem ein großes Kreuz fast frei in der Luft hängt und das Wort Gottes symbolisch in alle vier Himmelsrichtungen in die Welt hinausträgt.

Letztlich sei diese Kirche immer auch ein Ort, an dem wir uns selbst wiederfinden, machte jetzt Pfarrer Bernhard Lerch im Rahmen der Messe zum 50-jährigen Bestehen des Baudenkmals deutlich, die er gemeinsam mit dem langjährigen Gemeindepfarrer Franz Franz Tiwi und zahlreichen Besuchern im lichtdurchfluteten Gotteshaus feierte. Denn nicht umsonst habe Jesus im Heiligen Evangelium nach Matthäus einem seiner wohl bekanntesten Jünger seinerzeit anvertraut: „Ich aber sage dir: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein (Matthäus Kapitel 16, Verse 13 bis 23).“
   


Dieses katholische Gotteshaus sei ganz aus der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils in Form, Größe und Schönheit heraus erwachsen, betonte Pfarrer Bernhard Lerch, „denn es öffnet sich in jeder Hinsicht der Gemeinde und den Menschen“. Im Jahr 1950 erfolgten dann der Bau und die Weihe einer ersten katholischen Hallenkirche mit Pfarrhaus für die Ortschaft an jetziger Stelle. Als Schutzpatron wählte man den Heiligen Petrus, da das Gebäude seinerzeit vom Bonifatiusverein und mithilfe päpstlicher Gelder finanziert worden war. „Aber die Kirche hat noch eine weitere Schutzpatronin“, so Pfarrer Bernhard Lerch. „Dies geht auf die erste Kirche in Laasphe aus dem Jahr 1230 zurück, die heute noch einen Teil der heutigen evangelischen Stadtkirche in der Mitte der Königsstraße bildet. Diese Kirche hatte nämlich, bevor 1534 die Reformation in der Lahnstadt Einzug hielt, die Heilige Anna als Schutzpatronin. Somit finden sich heute die frühere Patronin der alten Stadtkirche und der Patron der neuen katholischen Kirche gemeinsam im Namen unseres Gotteshaues wieder und verbinden somit die verflossenen Jahrhunderte mit der Gegenwart.“

Aus Platzgründen musste 1968 jedoch der Abbruch der katholischen Hallenkirche erfolgen. Die neue und heutige Kirche wurde schließlich ein Jahr darauf am 14. Dezember 1969 durch Erzbischof Lorenz Kardinal Jäger festlich geweiht. „Und heute bietet unsere Kirche St. Petrus und Anna Platz für etwa 300 Besucher“, so Bernhard Lerch. Auch wurde die Gemeinde 1972 eine eigene Pfarrei. Eines werde den Besuchern des Baudenkmals ganz deutlich, wenn man das Gebäude betrete: „Diese Kirche ist in Bewegung“, so Pfarrer Bernhard Lerch. Denn über die Jahre habe sich die Architektur enorm ausgeweitet – in die Höhe wie in die Breite. „Man kann aus den verglasten Pultdächern herauslesen, wie diese Kirche nahezu aus sich selbst heraus erwachsen ist, so als hätten sich die Wände nach außen und in die Höhe hin verschoben.“ Somit stehe das vor 50 Jahren entstandene Gebäude mit jeder Faser seines Seins für Neuanfang, Wachstum und Lebendigkeit. „Diese Kirche steht aber auch für den Appell, das Wort Gottes hinaus in die Welt zu tragen“, so der Geistliche. „Dieser Gedanke ist fest in dem großen Mittelschiff und den insgesamt sieben angeschlossenen größeren und kleineren Kirchenschiffen vollends verankert.“ Und auch diese Zahl habe ihre genaue Bedeutung. „Der katholische Glaube hat sich schließlich auf über sieben Kontinenten ausgedehnt, und es gibt insgesamt sieben Sakramente, die diesen Glauben untermalen und ausmachen“, so Pfarrer Bernhard Lerch.
   


Wer die katholische Kirche St. Petrus und Anna betritt, dessen Blick wird unweigerlich in die Höhe gerichtet, hin zu den bemalten Dachfenstern. „Diese kunstvollen Arbeiten repräsentieren in ihrem dunklen Blau den Himmel, in ihrem Grün die Natur, aus der alles Leben erwächst und in den vielen roten Punkten die Lichtblicke, die der Glaube an Gott mit sich bringt“, skizzierte Pfarrer Bernhard Lerch. „So hatte sich das auch der Künstler Professor Ludwig Schaffrath (1924 bis 2011) gedacht, als er die lichtspendenden Konstruktionen für unsere Kirche schuf.“

Alle bildlichen Symbole und Darstellungen des Gotteshauses würden schließlich eine klare, hoffnungsvolle Nachricht für uns bereithalten: „Und diese Botschaft lautet: Es gibt in dieser Welt keinen Zufall“, so Pfarrer Bernhard Lerch. „Daher können wir in unserm Glauben beruhigt sein, denn Gottes Liebe reißt uns mit. Sie will uns in die Vollendung führen. Somit verspricht das helle Licht der Auferstehung Hoffnung und Besänftigung für uns alle.“ Und das sei auch letztlich die Botschaft des Hängekreuzes aus Aluminium über dem Altar der Kirche St. Petrus und Anna. „Denn dieses Kreuz symbolisiert nicht nur die heilige Stadt Jerusalem, wie sie in der Offenbarung des Johannes beschrieben wird, sie hat auch noch eine weitreichendere Bedeutung“, so Pfarrer Bernhard Lerch, „denn wenn man durch das Kreuz, das überall durchlässig ist, hindurchschaut, erblickt man dahinter nur eine weiße Helligkeit, die auf das ewige Leben und die Erlösung schließen lässt.“

Zu den weiteren Schätzen der Kirche zählt dabei unter anderem auch der mächtige Altar, um den sich die Gemeinde auf Bänken in einer Art Halbkreis versammelt und der aus graugrünem Anröchter Sandstein mit einem Marmorrand besteht. „Dieser steinerne Tisch enthält zudem die Reliquien der Heiligen Verecunda und des Heiligen Severinus“, so Pfarrer Bernhard Lerch. „Aber auch der große Taufbrunnen aus spanischem Marmor mit vergoldetem Kupferdeckel, auf dem eine Taube thront, sowie der kupferne Osterleuchter mit dem Motiv des dreifaltigen Gottes und der Sandstein-Ambo, von dem aus das Wort des Herrn verkündet wird, bilden zusammen ein wundervolles Ensemble. Und im Hintergrund schimmert der eindrucksvoll ausgestaltete Tabernakel, in dem die Hostien aufbewahrt und geschützt werden. Darüber hinaus kann man in der katholischen Kirche St. Petrus und Anna auch immer wieder der Gottesmutter und dem Jesuskind sowie Aposteln und Heiligen begegnen, die die Erinnerung an ihre Worte und Taten wachrufen und in ihren Blicken und Gesten zur Einkehr und zum Ruhefinden einladen. Und das ist wohl gerade jetzt, in der Weihnachtszeit, vielen Menschen, die hierher in die besonderen Räume finden, ein wichtiges und bedeutungsvolles Anliegen.
   

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