NIEDERFISCHBACH: Der Siegerländer Dom schwingt sich in Symbolen und Bauweise zu wahren Höhen auf und erzählt dabei manche interessante Geschichte aus der Heiligen Schrift

Ein süßer Lobgesang aus massivem Stein

Mancher Besucher Niederfischbachs ist bereits von Weitem vom Anblick dieses monumentalen Bauwerks ganz eingenommen, wenn er zum Hang des Rothenbergs hinauf schaut und die hohen Mauern und die vier mächtigen Türme des Siegerländer Doms erblickt. Nicht umsonst heißt es auch zu der imposanten Pfarrkirche mit dem Namen „St. Mauritius und Gefährten“ in einer Schrift zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 1998: „Welchen Mut und welche Kraft und welchen Glauben hatten unsere Vorfahren, als sie einst dieses eindrucksvolle, Haus‘ zur Ehre Gottes erbauten.“

Geschichtliche Quellen gehen davon aus, dass Niederfischbach schon im 12. oder 13. Jahrhundert eine selbstständige Pfarrei geworden war. „In Niederfischbach muss in dieser Zeit auch die erste Pfarrkirche gebaut worden sein“, so die Kirchengemeinde. „Zeugen dafür sind der Turm der jetzigen evangelischen Kirche, dessen Baustil auf das 11. oder 12. Jahrhundert hinweist, und eine im Pfarrarchiv aufbewahrte Zeichnung.“ Doch mit der Einführung der Gedanken der Reformation wurde diese wohl auch bereits dem Heiligen Mauritius zugeordnete Kirche evangelisch, später, unter der Herrschaft der Trierer Erzbischöfe auf der Freusburg, setzte sich wieder der katholische Glaube durch. Bis 1898 dann bestand ein Simultaneum, in dem beide Glaubensrichtungen das Gotteshaus abwechselnd nutzten. Nach dessen Aufgabe wurde dann der Grundstein zum heutigen Dom am 25. Juli 1897 am Hang zum Rothenberg gelegt.

Heute erstrahlt das besondere Gotteshaus ganz im romanischen Baustil geformt, der vom 11. bis 13. Jahrhundert in Deutschland seine Blütezeit hatte. Am 13. November 1898 konnte dann die feierliche Kirchweihe erfolgen: „Wie wuchtig und mächtig ragen die Steinmassen in die Lüfte“, schwärmte auch Pfarrer Prion seinerzeit, „wie zart wusste des Künstlers Sinn die starren Formen zu gliedern und ihnen Leben und Geist einzuhauchen, ja, sie zu einem steinernen Lobgesang auf den Dreieinigen zu gestalten!“ Mit seinem einnehmenden Äußeren, seinen starken Mauern, den eindrucksvollen Türmen, den vielen Bögen und Kanten und kunstvoll angelegten Sandsteinsimsen und -konsolen lädt dieses Haus jeden Ankömmling dazu ein, sich ein wenig Zeit zu gönnen und durch die großen Tore hindurch in sein Innerstes zu gelangen.

Hat der Eintretende die Flügeltüren dann hinter sich gelassen, empfangen ihn unmittelbar sagenhafte, lichtdurchflutete Säle mit hohen Gewölben und mächtigen Säulen mit verzierten Kapitellen. Alles leuchtet in dem wohligen Ton roter, edler Sandsteine. Diese Farbtöne wurden von den Kirchenkünstlern bei der letzte Renovierung auf den Säulenputz naturgetreu aufgetragen.

Und überall, wo man auch hinblickt, sieht man sich von Heiligen und weiteren vertrauten Charakteren des Alten und Neuen Testaments umgeben, die uns ihre Geschichte erzählen möchten. Überall treten aus den Pflanzen- und Bänderornamenten geflügelte Geschöpfe hervor und lächeln uns milde zu. Auch die vier Evangelisten tauchen auf, in der Gestalt von Mensch, Löwe, Stier und Adler und halten die Erinnerungen an Jesu Worte und Taten wach. Und alles erstrahlt in goldenem Glanz und kupferroter Harmonie.

Ein ganz besonderer Schatz des Siegerländer Doms aber entfaltet sich dem Betrachter schon gleich zu Beginn. Denn wer das Kirchenschiff passiert, dem öffnen sich im Mittelgang auf den Fliesen großflächige, bildliche Darstellungen, die sich zu einer wundersamen Erzählung in Farben und Formen den gesamten Gang entlang bis vorne zum Altar fortsetzen. „Erzählt wird hierbei die Menschwerdung Gottes von der Wurzel Jesse angefangen über die Vorfahren Christi aus dem Alten Testament bis hin zu unserem Herrn Jesus Christus“, beschreibt auch Andreas Hof von der Touristinformation der Verbandsgemeinde Kirchen (Sieg), der sich intensiv mit der Geschichte des Siegerländer Doms beschäftigt, den ausgestalteten Boden „und das Bodenmosaik, das unter anderem auch König David, Szenen aus dem Leben Salomons, König Ahas, König Hiskija sowie die Könige Joschija und Jojachin zeigt, ist wirklich etwas ganz Besonderes.“ Die Geschichte gipfelt schließlich beim Altar im Chorraum in der Bodeninschrift: „Es ist ein Ros‘ entsprungen aus einer Wurzel zart“. „Auch sind in den steinernen Altar eingravierte Hinweise auf Jesus Christus und seinen Tod am Kreuz zu finden, so auch unter anderem die Dornenkrone, die Würfel der Soldaten, die um Jesu‘ Kleidung spielten, der Hammer und die Nägel, aber auch das Schweißtuch, das das Gesicht des leidenden Herrn zeigt.“

Überaus lebendig treten immer wieder aufs Neue dem Besucher des Siegerländer Doms die beispielgebenden Geschichten der Heiligen Schrift entgegen, sei es in der goldenen Strahlenkranzmadonna, in der mit kunstvollen Personengruppen umspielten Kanzel, dem Zelebrationsaltar mit der Reliquie des Heiligen Maurizius, den beiden Nebenältären, die Maria und Joseph geweiht sind, oder den vergoldeten Figuren am Ambo, die beispielsweise auch die Taufe Jesu durch Johannes bildlich nacherzählen. Auch weitere Bilder wie die großflächige Darstellung über dem mächtigen und mit Säulen umkränzten Taufstein huldigen dem Wort Gottes, wenn sich hier die Sintflut gefährlich ausdehnt, der Geist Gottes über dem Wasser auftaucht oder das Volk Israels sichtbar wird, wie es andächtig durch das Rote Meer hindurch zieht.

„Der Siegerländer Dom spricht einfach zu uns“, sagt Andreas Hof. „Und er gibt den Menschen so viel, wenn er immer wieder dazu einlädt, hierherzukommen, um Ruhe zu finden, sich zum stillen Gebet zurückzuziehen und über das Leben fernab des Alltagstrubels nachzudenken.“ Und so strömen immer wieder aufs Neue von nah und fern Menschen hierher, lassen sich von der besonderen Architektur locken und begeistern, entzünden vielleicht eine Kerze und erfahren in Gedanken und Gebeten mehr von diesen wundersamen Momenten der Achtsamkeit.
    

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