SIEGEN: In der katholischen Kirche St. Michael lässt sich die Kraft der Bilder und Symbole fühlen

Die ersten Zeichen des Christentums leuchten auf

Durch die großen Fenster der Kirche zaubert das Tageslicht Engel an die Wände, darunter erhebt sich ein massiver Altar, der den Grundmauern Jerusalems nachempfunden ist und edlen Schmuck wie Jaspisstein, Kristall und andere Edelsteine und Perlen trägt. Überall erheben sich umher mächtige Torbögen und Säulen mit fantasievollen Gesichtern und Tieren, die auf den Eintretenden hinabblicken. Immer wieder lässt sich in den Nischen und verstohlenen Winkeln des Mittelschiffs mit seinen fünf rechteckigen Jochen und im Langhaus mit der Chorapsis etwas Neues entdecken: Die katholische Kirche St. Michael, Kampenstraße 46, in Siegen hält in der Form einer dreischiffigen romanischen Basilika mit ihren zwei hohen und überaus schlanken Kirchtürmen manche spannenden Besonderheiten bereit.

„So treten uns immer wieder der Sohn Gottes, die Gottesmutter Maria und der Erzengel Michael in unterschiedlichen Formen und Bilder entgegen“, sagt auch Pastor Wolfgang Winkelmann. „Und darauf können die Besucher gerade jetzt, in der Weihnachtszeit einmal gerne ihr Augenmerk richten. Denn jetzt feiern wir schließlich die Geburt des Gottessohnes.“ Pastor Winkelmann zeigt auf eine Konstruktion hinter dem steinernen Altar: „Damit hat alles begonnen seinerzeit“, sagt er und seine Stimme nimmt einen feierlichen Ton an: „Der Tabernakel, in dem der Leib Christi verschlossen liegt, zeigt auf seinen goldenen Türen eine bezeichnende Szene aus dem Neuen Testament: Die Verkündigung nämlich, woraus schließlich das ganze Christentum hervorging: Der Engel sucht Maria auf, um ihr die Botschaft ihrer Schwangerschaft zu überbringen, die Geburt unseres Herrn Jesus Christus.“

„Die Künstler, die damals den Tabernakel schufen, die Gebrüder Winkelmann, legten umher eine eindrucksvolle Gruppe von zwölf Menschen an, die an die späteren Jünger Jesu erinnern“, so Wolfgang Winkelmann. „Sie eilen dem Tabernakel zu, dem Leib Christi, sie folgen ihm nach. Und man kann bei den aus Stein gehauenen Figuren auch manche Charaktere des Neuen Testamets erkennen. Petrus beispielsweise trägt ein großes Fischernetz bei sich, und Jacobus erkennt man an dem Pilgerstab an seiner Seite. Aber es werden unter den Zwölfen auch ganz aktuelle Menschen aus der Gemeinde dargestellt, eine Frau mit Kind oder eine Person im Rollstuhl. Was eben zeigt, dass wir alle, die wir im Hier und Jetzt leben, mit eingebunden sind, in den Glauben und das Wort Gottes.“

Zu den weiteren Schätzen der St.-Michaels-Kirche zählen beispielsweise auch die Reliquien, die im Inneren des Altars untergebracht sind. „Es sind die Gebeine bekannnter Märtyrer aus der frühen Christenzeit“, schildert der Pastor und lenkt daraufhin den Blick zum Ambo, dem erhöhten Ort, von dem aus das Wort Gottes in den Gottesdiensten an die Gemeinde gesprochen wird. „Auf dieser Ambo der Michaelskirche steht das alte Gotteszeichen Israels in hebräischer Schrift ,Jahwe–ich bin da‘ neben dem Symbol des Kreuzes, das Tod und Auferstehung des Herrn Jesu Christi erkennen lässt. Auch das ist eine Besonderheit der Zeichen. Hier vereinen sich Neues und Altes Testament genau dort, wo das Wort Gottes verkündet wird.“

Und natürlich ist auch immer wieder der Erzengel Michael ein bedeutendes Thema im Inneren der Kirche. „Michael ist der Wächter des Himmels, der die Seelen über die Grenze von Leben und Tod geleitet“, so Pastor Wolfgang Winkelmann. „In den Obergadenfenstern zeigt sich gerade das kühle, geistige Blau als Farbe für den Erzegel, der zugleich Herr des Wassers, des Eises und des Winters ist. An besonders hellen Tagen wie im Sommer spiegeln sich diese Eindrükke in wundersamen Farbspielen auf den Innenwänden der Kirche wider. Das hat damals der Künstler Tobias Kammerer aus Rottweil genauso vorgesehen, als er die Neugestaltung der Fenster vornahm.“

Immer wieder entdeckt der Besucher der St.-Michaels-Kirche ähnliche christliche Symbole und Figuren. So schimmert der wie eine Zeichnung angedeutete Fisch in geschwungenen Linien auf goldenem Untergrund des Altars und erinnert als Zeichen der Urchristen an deren symbolhafte Zeichnungen und Wandmalerereien und nimmt beispielsweise Bezug auf die Speisung der Fünftausend. Es gibt aber auch ungesicherte Quellen, nach denen der Fisch damals als Erkennungszeichen oder Geheimzeichen der Urchristen verwendet wurde, dergestalt, dass eine Person einen Bogen in den Sand malte und die andere einen Bogen darunter, um seine Zugehörigkeit als Bruder oder Schwester im Namen Christi zu zeigen.

In der Michaelskirche tauchen auch immer wieder Engel in faszinierender Gestalt von Putten, Figuren oder Skulpturen auf, so als würden sie mit den Fratzen des Bösen und Ungewissen, den Tieren und Schattenwesen, den Schlangen und Echsengestalten unter den Sockeln und an den Säulen einen Kampf führen und obsiegen. „Die größte Besonderheit aber ist die steinerne Figur des Erzengels Michael auf dem Dach der Kirche“, so Pastor Winkelmann. „Wer genau hinsieht, weiß, dass ihm der obere Teil des linken Flügels fehlt.“ Diese Tatsache geht auf einen Fliegerangriff auf Siegen im Zweiten Weltkrieg zurück.“An jenem Tag wurde eine Bombe genau über der Kirche abgeworfen, die den Flügel traf und dann hinter dem Altar einschlug“, erinnert sich der Geistliche. „Zu der Zeit verweilte gerade der damalige Pastor mit ein paar Gemeindemitgliedern in der Kryta. Und es gab leider auch ein paar Tote und Verletzte. Zur Erinnerung an diese schlimme und dunkle Zeit wurde der linke Flügel des Engels nicht wieder repariert.“

Immer wieder fällt von den Sitzreihen der Kirche aus auch der Blick auf das große Wandmosaik in der Apsis hinter dem Altar, das einst von Ludwig Baur aus Telgte erschaffen wurde und den verklärten Jesus zeigt, Daneben ist Erzengel Michael, der den Teufel in Gestalt einer Schlange niederringt und auf der anderen Seite die sonnenbekleidete Gottesmutter Maria am Ende der Weltengeschichte, umgeben von den 24 Ältesten. „Hier finden wir das, was in der geheimen Offenbarung des Johannes bilderreich beschrieben wird: der Sieg der himmlischen Heerscharen über das Böse.“ In den steinernen Säulen des Altars unter dem Mosaik schwingt die Offenbarung des Johannes dann erneut mit. „Hier, in unserer Kirche bildet eben alles einen harmonischen Zusammenhang“, so Pastor Wolfgang Winkelmann.

Und immer wieder wird der Besucher der Kirche mit Jesus konfrontiert, ob als menschliche Figut oder in symbolischer Form. „Überall finden wir das Lamm, das Jesus selbst in seinen Gleichnissen verwendet, das Lamm Gottes nämlich“, sagt Wolfgang Winkelmann. Zu Andacht und Ruhe lädt wiederum die Krypta unter den Kirchräumen mit ihren Kreuzgratgewölben, die auf mächtigen Säulen fußen, ein. „und zu den Schätzen unserer Kirche gehören allem voran auch die alten Glocken mit ihren einprägsamen Stimmen“, sagt auch Küster Wolfgang Wagener. „Die schwerste unter diesen imposanten Stahlkolossen hat ein Gewicht von 1888 Kilogramm und ist dem Erzengel Michael geweiht, die zweitschwerste erhebt mit ihren 1430 Kilogramm ihre Stimme weit in die Gemeidne hinaus für Maria Königin, und die dritte wiegt ganze 990 Kilogramm und ist Aloisius zugeschrieben. Aber es gibt auch noch eine bronzene Glocke, die in einem anderen Turm untergebracht ist und seit vielen Jahren schweigt.“
    

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