OLPE: In der katholischen St.-Martinus-Kirche lassen sich Ruhe und innere Andacht im Beisein besonderer Geister der Geschichte finden

St.-Martinus-Kirche Olpe

Wer die katholische St.-Martinus-Kirche im Zentrum der Stadt Olpe betritt, der taucht unmittelbar ein in eine eigene wohlbehütete Welt. Groß und prächtig öffnen sich dem Betrachter gewaltige Hallen und der Blick gleitet immer wieder hinauf zu den beiden riesigen Säulenreihen aus rotem Sandstein, während eigene Schritte vielfach in den Höhen der Gewölbedecken verhallen. Erst, wenn man sich ein wenig über eine seitliche Wendeltreppe in die Höhe wagt und bald die große Empore erreicht, an deren Wand sich die riesige Klais-Orgel mit ihren knapp 3000 Pfeifen erhebt, kann man die ungemeine Größe dieses Gotteshauses erst ermessen. Dann nämlich verliert sich der Blick in dem meterweiten Mittelschiff, das von zwei großen Seitenschiffen umflankt wird, sodass der Grundriss aus der Höhe wie ein riesiges Kreuz wirkt. Die Apsis des neugotischen und aus dem Jahr 1909 stammenden Baus ist ganz nach dem mittelalterlichen Vorbild nach Osten ausgerichtet.

„Der Innenraum fasst bis zu 2000 Menschen bei insgesamt 650 Sitzplätzen“, sagt auch Küster Joachim Melcher. „Ursprünglich war diese Kirche dunkler und ausgemalt, und es gab auch im Chorraum einen Hochaltar, an den sich bestimmt die einen oder anderen älteren Olper noch gut erinnern können. Dieser Altar stammte ursprünglich aus dem Jahr 1880 und stand damit bereits in dem Vorgänger-Haus, der alten St.-Martinus-Kirche. Er wurde in der neuen Kirche zwischen den Jahren 1907 und 1909 wieder aufgebaut, fiel aber später der Liturgiereform zum Opfer. Ende der 1950er-Jahre riss man den alten Steinaltar kurzerhand ab, zerlegte ihn in kleine Teile und verwendete diese für die Erhöhung des Chorraums.“

Überall in der St.-Martinus-Kirche treten den Menschen, die hier zur stillen Einkehr, zum Gebet oder zur gemeinsamen Messe finden, bekannte Heilige in unterschiedlichen äußeren Formen entgegen. Manche schauen mit wachen Augen und freundlichen Gesten von hohen Sockeln als lebensgroße Figuren aus den Höhen der Wände herab, wieder andere sind auf modernen großflächigen Bildern zu erahnen oder als detaillierte Porträts. „Es sind gerade fünf besondere Heilige und Schutzpatrone, die hier immer wieder in den Vordergrund gerückt werden: Zum einen ist das der Heilige Martinus, der der Schutzpatron und Namensgeber dieses Gotteshauses ist und der auch das Wappen der Stadt Olpe ziert. Dann finden wir St. Sebastianus, der als Heiliger gerade auch Namensgeber des St.-Sebastianus-Schützenvereins Olpe ist. Aber wir stoßen auch immer wieder auf die heilige Agatha, Schutzpatronin gegen Feuersbrünste und Zerstörung, sowie den heiligen Rochus, Schutzpatron gegen die Pest und weitere Seuchen.“

Überall begegnet man weiteren lebendig wirkenden Figuren aus dem Neuen Testament. So tritt einem beispielsweise eine ganz in Gold gefasste Strahlenmadonna mit dem leuchtenden Jesuskind auf dem Arm würdevoll und königlich entgegen, während zwei Engel ihrem Haupt eine Krone aufsetzen. Jesus taucht ebenfalls immer wieder auf, unter anderem in der eindrucksvollen Kreuzigungsgruppe im Chorraum hinter dem Altar als vom Schmerz gemilderter und vegeistigt wirkender Sohn Gottes, der gemeinsam mit der trauernden Maria und Johannes zu ihrer Seite ganz präsent, ganz offenkundig wirkt.


China-Restaurant Dynasty

„Der Altar ist als Tisch, aber auch als Reliquiengrab gedacht“, sagt Joachim Melcher. „Hier wird am Agatha-Fest das Reliquiar der Schutzheiligen ausgestellt, das sich seit Langem im gut gehüteten Besitz der Gemeinde befindet und dessen Echtheit auch eine Urkunde bestätigt.“ Und noch eine Besonderheit ist mit der St.-Martinus-Kirche verbunden: „Seit der Seligsprechung der Olper Ordensgründerin Maria Theresia Bonzel und der Umbettung ihrer Gebeine von der Kapelle am Olper Mutterhaus auf dem Kimicker Berg in die Kirche, befindet sich hier jetzt, im hinteren südlichen Bereich des Gotteshauses eine Sakramentskapelle. Genau hier, unter dem Grabstein der Ordensgründerin, befindet sich ihre letzte Ruhestätte.“ Immer wieder zieht es viele Menschen hierher, die einfach nur ihre Nähe suchen und ganz für sich alleine beten möchten. Die Kapelle ist immer geöffnet, bietet aber in ihrer Abgeschiedenheit Schutz und Muße mit ihrem Tabernakel an ihrer Stirnseite und einem modernen Bildnis von Maria Theresia Bonzel, neben dem ein einzelnes Kerzenlicht flackert. Einige Bankreihen stehen zudem zum Morgenlob der Franziskanerinnen und für alle übrigen Besucher bereit. „Damit ist eben an Ort und Stelle die Verbindung der St.-Martinus-Kirche zum Orden der Franziskanerinnen hergestellt“, sagt Joachim Melcher. „Zudem befindet sich in dem Besitz unserer Gemeinde eine Reliquie von Maria Theresia Bonzel, die ihr Leben allen denjenigen widmete, die Hilfe und Unterstützung benötigten.“

Während man weiter durch die großen Torbögen geht, die vielen Säulengänge und versteckten Nischen passiert, meint man, das Gebäude flüstere einem immer wieder neue Geschichten aus dem Heiligen Schrift zu, sei es in den bilderreichen Szenen der hohen Fenster umher, die jedes für sich ein eigenes Thema haben und ein farbliches Eigenleben führen, sei es in dem Ambo am Altar, in dem drei Kirchenväter eingelassen sind, die sich der Gemeinde offen zuwenden oder sei es in den vielen steinernen und hölzernen Figuren, die aus den Schatten auftauchen und im flackernden Kerzenlicht lebendig herüberschauen oder in den Kreuzwegstationen. Überall gibt es hier Neues zu entdecken und zu bestaunen.

Einen Ausflug in eine ganz eigene Welt verspricht wiederum der Aufstieg in den Glockenturm. Hat man die ersten steinernen Stufen der engen Wendeltreppe hinter sich gelassen, findet man sich schon bald in über 50 Metern Höhe in einer alten Holzkonstruktion wieder, wandelt hier über urige Bohlen an den Seiten des Turminneren weiter in die Höhe und nähert sich mit jedem weiteren Aufstieg allmählich den vier riesigen Glocken des Gotteshauses. Doch vorher öffnet sich plötzlich eine Art Turmzimmer, wie aus einer anderen Zeit: die alte Uhrenstube. Und wenn man sich hier umblickt, entdeckt man überall in den verstohlenen Fensternischen und an den Wänden zahlreiche Christuskreuze aus Holz und Metall und auch Rosenkränze, Marienbildnisse und Jesus-Figuren aus unterschiedlichsten Kontinenten und Jahrzehnten dieser Erde. „Das ist unsere Kreuzpension“, sagt Küster Joachim Melcher. „Die Idee dazu rief einst Wolfgang Hesse ins Leben, und das Ganze wird von den Menschen sehr gut angenommen.“ Wer sein eigenes Kreuz oder seinen Rosenkranz für eine Spende abgeben möchte, kann dies gerne jederzeit tun. Der Schmuck findet dann in der Kreuz-Pension einen sicheren Platz. Und Besucher, die auf der Suche nach einem solchen Utensil sind, können sich ebenfalls für eine Spende dann an Ort und Stelle eines dieser Kreuze aussuchen und mit nach Hause nehmen.

Jeder in Olpe kennt die einprägsamen Klänge der vier Stahlglocken der St.-Martinus-Kirche, die immer wieder die Stunden verkünden und zu Gottesdiensten und feierlichen Veranstaltungen mit ihren besonderen Stimmen einladen. „Ursprünglich besaß die Kirchengemeinde vier Bronzeglocken. Aber auch sie ereilte leider wie so viele andere Gotteshäuser 1942 das gleiche traurige Schicksal: Sie wurden beschlagnahmt und eingeschmolzen. In Drolshagen wiederum gelang es der dortigen Gemeinde glücklicherweise, ihre Glokken rechtzeitig zu vergraben und somit vor der NS-Herrschaft zu verbergen“, so Joachim Melcher.

Die vier neuen Glocken der St.-Martinus-Kirche sind auf die Namen St. Maria, St. Martinus, St. Agatha und St. Rochus getauft. Damit greift ihr Läuten wieder den Gedanken der Schutzheiligen auf, deren Geist die Räume und Säle des Gotteshauses ganz durchdringt. Ihr Wirken und ihre Philosophie werden somit in den melodischen Klängen der mächtigen Stahlkörper sinnbildlich hinaus in die Welt getragen – in den Schlagtönen d, e, fis und a.

Gerade zu Weihnachten lohnt sich ein Besuch der St.-Martinus-Kirche sehr. „Unsere Kirche gilt nicht zuletzt als größte Kirche in der Region. Und in unserer 17-Uhr-Messe am Heiligen Abend kommt es schon einmal vor, dass hier bis zu 1000 Menschen zu Gast sind. Das ist ein unglaubliches Erlebnis.“ Wer ebenfalls einmal die Ruhe und Muße innerhalb dieser besonderen Mauern erleben möchte, kann sich gerne auf den Weg hierher machen.
    

- Anzeige -
Pickhan
WGH - Wohnungsgenossenschaft Hüttental eG
Büschges, Inh. Karin Tillner
Beerdigungsinstitut Edith Kellner
Wohnungsgenossenschaft Südwestfalen e.G.
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.