WILNSDORF: Die Mauern der evangelischen Kirche künden von einer atemberaubenden Vergangenheit aus der Ritterzeit / Heute lassen sich hier Ruhe und Besinnung finden

Wo einst Schwerter gekreuzt wurden

Wer heute die lichtdurchfluteten Räume der evangelischen Kirche von Wilsndorf betritt, der ahnt auf den ersten Blick nicht, was für abenteuerliche und atemberaubenden Geschichten dieses Gebäude zu erzählen hat. Denn ursprünglich standen genau hier, wo jetzt der eindrucksvolle Jugendstilbau mit dem 36 Meter hohen Kirchturm thront, die festen Mauern einer Burg der Ritter von Kolbe, den einstigen Herren von Wilnsdorf in der Epoche des Mittelalters. Im Jahr 1233 wurde aber die Festungsanlage zusammen mit einigen Häusern im näheren Umkreis von den Häschern des Inquisitors Konrad von Marburg geschliffen. Noch heute weist ein Bild im Altarbereich der Kirche darauf hin, dass die Burg der Herren von Wilnsdorf einem mächtigen Feuer zum Opfer fiel. Die Flammen lodern hier meterhoch um die Zinnen besetzten Mauern herum in die Höhe und umzingeln dabei einen festen Turm im Zentrum der Anlage, dessen oberes Drittel bereits eingefallen zu sein scheint. Konrad von Marburg versuchte mit dieser Tat, die allgemeine Schwärmerbewegungen, die man die so genannten Ketzer nannte, einzudämmen. Und da die Ritter von Kolbe nach alten Überlieferungen wohl mit diesen Bewegungen sympatisierten, nahm man ihnen Grund und Besitz mit Gewalt. Ausschlaggebend für Vorgänge wie diese war ursprünglich das Konzil von Verona, das mit aller Strenge angeordnet hatte, über jenen Konrad von Marburg möglichst viele Ketzer des Landes ausfindig zu machen und im Anschluss auch zu bestrafen.

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Zwischen den Jahren 1912 und 1913 wurde dann an gleicher Stelle nach den Entwürfen des Kirchenbaumeisters Gustav Mucke ein Neubau errichtet, der bis heute Bestand hat. „Unsere heutige Kirche steht quasi mit ihrer Nordwand auf dem Fundament des einstigen Rittersaals, den man Palas nannte.“ Von jenen wilden und ungestümen Zeiten erinnert in diesem Zusammenhang noch das Schild derer von Kolbe, der mächtige Topfhelm mit dem schwarz-weißen Schmuck-Kranz über der Stirn und dem entsprechenden Wappen darunter, das gut sichtbar auf der linken Seite des Chorraums der evangelischen Kirche als großes Bild eine Wand ziert.

Über die Jahre haben immer wieder Ausgrabungen und Forschungen rund um den Standort der alten Kolbeburg stattgefunden. „So sagte beispielsweise am 28. März 1968 Pastor Giebeler (von 1954–1989 in Wilnsdorf) an, man möchte sich nach dem Gottesdienst an der Westseite der Kirche draußen treffen. Man hätte nämlich zuvor mittels eines Baggers kleine Erdaushübe gemacht. Einige Mauerreste, die während der Erdarbeiten zutage gekommen waren, hatten Anlass zum Nachdenken gegeben“, berichtet ein Text in der Festschrift „100 Jahre Evangelische Kirche Wilnsdorf (1913 bis 2013)“. Man ging also der Vermutung, dass hier noch weitere Überbleibsel der Burg zutage kommen könnten, gemeinsam auf den Grund. Nach dem Gottesdienst gingen zehn Männer an Ort und Stelle zu Werke. „Wir legten die Steine zum Teil frei und stellten eine Mauerstärke von 1,75 Metern fest“, heißt es in einem Bericht. „Nachmittags stießen wir dann bei den Sucharbeiten im anliegenden Garten von Günter Manderbach auf die Umrisse eines Burgfriedes. Dieser hatte einen Außendurchmesser von 7,65 Metern.“ Schließlich wurden noch mehr Funde an Ort und Stelle getätigt. Unter anderem konnte bei den Arbeiten festgestellt werden, dass die Burg der Herren von Kolbe wohl ursprünglich einmal aus sehr viel Holz gebaut war. „Dies ließ sich aus der Brandschicht ablesen.“ Zu herausragenden Funden, die noch heute im Museum Wilnsdorf zu bewundern sind, zählen unter anderem auch der sehr gut erhaltene, schwere Topfhelm eines Ritters, ein alter geschwungener Schlüssel, ein Hufeisen, ein paar Sporen und Pfeilspitzen.


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In der heutigen Kirche finden, da einige Bänke entfernt wurden, bis zu 450 Besucher Platz. Im Altarraum befindet sich der anlässlich zur damaligen Kircheinweihung vorgetragene Vers 8 aus Psalm 26: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt!“ So viele Erinnerungen und Empfindungen verknüpfen viele Wilnsdorfer seit Generationen mit ihrem Gotteshaus. „Diese Kirche ist gefüllt mit Tränen und mit Dank“, sagte auch nicht umsonst Pfarrerin Mirjam Ellermann (von 2005-2015 in Wilnsdorf), „Hier haben Menschen sich segnen lassen – bei unzähligen Hochzeiten, Konfirmationen und Taufen. Hier wurde Menschen Gottes Wort tröstend zugesprochen, als sie ihrer Verstorbenen gedachten. Herzen wurden berührt bei Konzerten, Andachten und Gottesdiensten. So erzählt unsere Kirche eindrucksvoll von der Geschichte Gottes mit den Menschen.“

Die Räume wirken hell und freundlich und sind übersichtlich angelegt. In der urigen Dachkonstruktion aus Holz über dem Kirchenschiff finden heute Falken und Dohlen, Fledermäuse und vorübergehend auch ein Uhu ihr Zuhause. Nicht umsonst trägt die Kirchengemeinde auch mit der NABU-Urkunde „Lebensraum Kirchturm“ zur Sicherung von Nistplätzen bedrohter Arten bei. Im hinteren Bereich des Gotteshauses bieten Tische und Sitzgelegenheiten auch fern von Gottesdiensten Möglichkeiten der Kommunikation.

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„Und es gibt noch eine Besonderheit, die in den Räumen unserer Kirche offenkundig wird“, sagt Oswald Pieck. „In einer evangelisch-reformierten Kirche sind ja generell keine Bilder und Symbole zu finden. Hier bei uns tauchen aber ganz bewusst Bilder auf – und zwar aus dem Leben unserer Partnergemeinde in Tansania.

Ruhe und Einkehr verspricht in diesem Zusammenhang auch der Gebetsweg auf dem Gelände der evangelischen Kirche Wilnsdorf, den die Gemeinde mithilfe großer Wackersteine vor Jahren auf den bewiesten Plätzen angelegt hat.
   

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