Untersuchung zeigt: Vielen Verbraucher fehlen wesentliche Grundlagen, um Finanzprodukte wirklich zu verstehen

Wissenslücken sind oft gross

Geldanlage ist gut – und wichtig. Aber fehlendes Wissen kann schnell zu handfesten praktischen finanziellen Problemen führen. Foto: dpa

15.11.2021
LVM Versicherung - Patrick Lang

Hand aufs Herz: Wissen Sie, was passiert, wenn ihr Konto ins Minus rutscht? Oder welche Versicherung wirklich wichtig ist? Nein? Damit sind Sie nicht allein. Studien zeigen: Geht es um praktisches Finanzwissen, haben Verbraucherinnen und Verbraucher große Lücken. „Wir haben genau solches Finanzwissen erfragt, das nötig ist, um ganz alltägliche Finanzprodukte richtig zu beurteilen“, erklärt Hermann-Josef Tenhagen zu einer Studie der Finanztip-Stiftung. Das Ergebnis ist ernüchternd: Bei einem großen Teil der über 3000 befragten Verbraucherinnen und Verbraucher fehlen wesentliche Grundlagen, um Finanzprodukte wirklich zu verstehen.

So weiß der Studie zufolge zum Beispiel jeder Zweite nicht, dass Dispozinsen sofort anfallen, wenn das Girokonto ins Minus rutscht. Insgesamt zwölf solcher Fragen mussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beantworten. Nur etwa knapp die Hälfte (48,4 Prozent) lag bei mehr als sechs davon richtig.

Auch eine Jugendstudie des Bundesverbandes deutscher Banken zeigt: Jugendlichen und jungen Erwachsenen fehlt oft Wissen über Wirtschaft. 86 Prozent der Teilnehmenden wusste demnach nicht, wie hoch die derzeitige Inflationsrate in Deutschland ist. 83 Prozent konnten die Aufgabe der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht benennen. „Es ist schon erschreckend, welche Bildungslücken es gibt“, sagt Sally Peters, Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) in Hamburg. Das betreffe alle Altersgruppen. Das Problem: Fehlendes Wissen kann schnell zu handfesten praktischen finanziellen Problemen führen.

Viele Deutsche möchten sparen. Die Frage ist nur, wie das am besten gelingt. Foto: dpa
Viele Deutsche möchten sparen. Die Frage ist nur, wie das am besten gelingt. Foto: dpa
„Finanzwissen kann man sich erarbeiten, wenn man es braucht“, sagt Prof. Hartmut Walz von der Hochschule Ludwigshafen am Rhein. Foto: dpa
„Finanzwissen kann man sich erarbeiten, wenn man es braucht“, sagt Prof. Hartmut Walz von der Hochschule Ludwigshafen am Rhein. Foto: dpa

So zeigt der Überschuldungsreport des iff: Oft hätten Betroffene ihre finanziellen Probleme vermeiden können. Auslöser waren in fast 19 Prozent der Fälle vermeidbare Fehler, unter anderem das Konsumverhalten oder eine unwirtschaftliche Haushaltsführung. Die Defizite werden den meisten von uns bereits in die Wiege gelegt. „Wie wir mit Geld umgehen, lernen wir in der Regel von unseren Eltern“, sagt Susanne Krehl. In vielen Haushalten werde ein traditioneller Umgang mit Geld gepflegt. „Offen geredet wird darüber aber selten“, sagt die Organisatorin des Fintech-Stammtisches und Mitgründerin der Budgetplaner-App „Fabit“.

Oft hätten Eltern selbst nur wenig Wissen über Finanzen und könnten ihren Kindern daher kaum etwas beibringen. Oder sie setzen auf traditionelle Produkte wie ein Sparbuch, was schon lange keine Rendite mehr bringt. „Finanzbildung muss deshalb so früh wie möglich ansetzen“, findet Philipp Blomeyer, Vorstand der Stiftung „Deutschland im Plus“. „Am besten schon im Kindergartenalter.“ 
   

Bis es entsprechende Angebote in den Schulen gibt, ist allerdings jeder erst einmal selbst gefragt. „Finanzwissen kann man sich erarbeiten, wenn man es braucht“, sagt Prof. Hartmut Walz von der Hochschule Ludwigshafen am Rhein. Wichtig dabei: Seriöse Quellen anzapfen. Nicht immer sind Bildungsangebote nämlich so gut, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Eine Untersuchung von Prof. Walz zeigt: An vielen Volkshochschulen geben Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter von Finanzvertrieben Kurse zu Themen rund um Finanzwissen.

„Solche Dozenten haben in der Regel auch ein Interesse daran, in ihren Kursen neue Kunden zu gewinnen“, sagt Prof. Walz. Vermeintliche Bildungsangebote werden damit zu Verkaufsveranstaltungen. Wer Informationen sucht, sollte das Angebot immer hinterfragen, rät Sally Peters. „Sie müssen sich immer fragen: Warum gibt es das Angebot und welches Interesse steckt dahinter?“ Auch wenn ein Anbieter vermeintlich objektive Informationen anbietet, stehe dahinter womöglich auch das Interesse, Kunden zu gewinnen.

Weiterer wichtiger Punkt: den Überblick über seine Finanzen behalten. Hierzu bieten sich Haushaltsbücher oder digitale Budgetplaner an. Wer aufschreibt, wie viel Geld er für was ausgibt, läuft seltener Gefahr, Schulden zu machen. 
 

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