Mehr Einkommen im Alter mit der Förderrente

Riestern will gelernt sein


17.07.2021
Ulrich Remmel

Vielleicht schaut und hört manch einer eher bei dem Wort Förderrente hin als bei der landläufigen Bezeichnung Riesterrente. Sie wird teilweise von Leuten abgelehnt, weil der Begriff bei manchem schon negativ besetzt ist, nicht zuletzt durch den Verbraucherschutz. Anfangs waren die Verbraucherschützer gegen die Riesterverträge, dann haben sie sie mit der Zeit beworben und gelobt. Heute stellen sie sich teilweise wieder gegen die Riesterverträge. Zugegebenermaßen sind die Leute vom Verbraucherschutz aber nicht richtig aufgeklärt – und selbst die Wirtschaftsredaktionen der Presse und Fernsehsender geben gerne 1:1 das wieder, was sie gerade so auffangen.

Warum wurde die Förderrente vom damaligen Arbeits- und Sozialminister Walter Riester und seinem Ministerium entwickelt? Die Altersvorsorgezulage sollte den Anreiz geben, privat für das Alter vorzusorgen, weil man das Netto-Rentenniveau des Eckrentners (also eine Person, die 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat) von 70 % auf 67 % des Netto-Einkommens absenken musste, weil durch den Pillenknick die Anzahl der Renten-Einzahler zurückging. Dazu muss man wissen, dass die Beiträge, die heute von der arbeitenden Bevölkerung am Monatsanfang in die Renten-Versicherung eingezahlt werden, am Ende des Monats den heutigen Rentnern ausgezahlt werden.

Riestern dürfen Menschen, die monatlich durch ihr Gehalt oder ihren Lohn in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Wenn ihr Ehepartner nicht rentenversicherungspflichtig arbeitet, kann er über den Ehepartner auch riestern. Wenn ein Ehepartner rentenversicherungspflichtig und sein Ehepartner selbständig ist, kann dieser auch riestern. Beamte, Erwerbsminderungsrentner und Hartz IV-Bezieher, die vorher in die Rentenversicherung gezahlt haben und Partner, die in Elternzeit sind, können riestern. Für den Riestervertrag sollte man das Kind nicht nur über den Antrag 800 bei der Rentenversicherung anmelden, sondern es muss auch immer ein Antrag auf Dauerzulage gestellt werden, damit die Zulagen auch fließen.

Bei einem Riester-Rentenvertrag (und bei weiteren Vertragsmöglichkeiten) bekommt der rentenversicherungspflichtige Einzelverdiener bei einer gewissen monatlichen bzw. umgerechneten jährlichen Einzahlung folgende Zulagen vom Staat im Folgejahr auf seinem Vertrag gutgeschrieben: Sparer erhalten 175 Euro – und für Kinder, für die sie Kindergeld beziehen (das kann also bis zum 25. Lebensjahr sein, für behinderte Kinder bekommt man das Kindergeld auch darüber hinaus), gibt es bei der Geburt des Kindes vor 2008 185 Euro Zulage, bei Geburt ab 2008 300 Euro Zulage. Ein erstmals getätigter Antrag vor Vollendung des 25. Lebensjahres wird mit einer Zusatzzulage von 200 Euro belohnt.

Berechnet wird der zu zahlende Eigenbeitrag folgendermaßen: Vom vor dem Spar-Jahr erhaltenen rentenversicherungspflichtigem Einkommen (siehe Dezember-Abrechnung vor dem Spar-Jahr) werden immer 4 % angesetzt, bei 30.000 Euro wären das also 1200 Euro. Davon zieht der Rentenversicherungspflichtige (RVPF) in der Nettobeitragsvariante seine Zulage von 175 Euro ab und hat dann einen Betrag von 1025 Euro jährlich aufzuwenden, das sind im Monat 85,42 Euro. Zusätzlich kann sich hier noch ein Steuervorteil einstellen, denn der Riester-Beitrag gehört auch immer in die Steuererklärung. Befinden sich im Haushalt noch Kinder, können diese Zulagen dementsprechend auch noch abgezogen werden, so dass rechnerisch bei 2 Kindern, geboren nach 2008 (2 x 300 Euro), monatlich 50 Euro weniger einzuzahlen sind, also 35,42 Euro.

Wenn bei einem Ehepaar nur ein Verdienst vorliegt, wären im obigen Beispiel von den 35,42 Euro auch noch für den nicht RVPF-Ehepartner die Zulage von 175 Euro (das sind monatlich 14,84 Euro) abzuziehen, so dass der Monatsbeitrag nur noch bei 20,58 Euro liegt. Für den Ehepartner muss ein eigener Vertrag mit einer monatlichen Einzahlung von 5 Euro getätigt werden, in den die eigene Zulage und in der Regel auch die der Kinder einfließen wird. Der monatliche Aufwand liegt für dieses Beispiel dann bei 25,58 Euro. Wenn der Ehepartner auch arbeitet, müsste auch er von seinem Einkommen die 4 % aufwenden. Die Rente aus den Riesterverträgen wird in der Ansparphase steuerlich gefördert, die Rente daraus wird später aber versteuert, je nach Höhe der späteren Rente und den dann gültigen Steuergesetzen.

Wichtig für alle Riester-Sparer ist es, sich die jährliche Mitteilung des Institutes, die ab März schon kommen kann, genau anzusehen – notfalls sollten Betroffene mit der Dezemberabrechnung zu ihrem Berater gehen und abgleichen, ob der Beitrag für die volle Riester-Zulage erhöht werden muss oder eine Einmal-Nachzahlung für das Jahr in Frage kommt, die dann bis Anfang Dezember überwiesen sein muss.

Es gibt eine Höchstgrenze bei dem 4 %-Berechnungsbetrag von 2100 Euro, zur sozialen Ausgewogenheit, da ein einzelner Arbeitnehmer mit den 175-Euro-Zulage und dem zusätzlichen Steuervorteil sozial betrachtet viel zu gut gestellt wäre.

Riestern macht also Sinn: Man kann, wie am Anfang aller Tage, in einer privaten Rentenversicherung sparen, die ihre Konditionen für Beginner nach den neuesten Sterbetafeln (welcher Jahrgang wird im Durchschnitt wie alt) festlegt. Das heißt, die Menschen werden immer älter und die Versicherungs-Gesellschaft muss kalkulieren, wie viel Geld sie dann von einem Kunden benötigt, wenn der ab dem 67. Lebensjahr eine lebenslange Rente in Höhe von 300 Euro haben möchte und womöglich, wenn er stirbt, seine Rente dann auch noch X Jahre für einen Angehörigen weiterlaufen soll. Hier gilt die Mindestlaufzeit der Rentengarantiezeit, die unterschiedlich lang bei den Versicherungen sein kann. Zumindest bei guten Anbietern kann sie bis zu 34 Jahre dauern, je nach Alter des Kunden. Da die Lebenserwartung aber immer länger wird, ist es ratsam, so früh wie möglich eine Rentenversicherung abzuschließen. Das macht man dann ja auch mit einer Riester-Rentenversicherung sofort zu Beginn.

Von den anderen Riester-Produkten – Riester-Fondssparverträge, Banksparplan und Bausparverträge – wird aber erst am Ende des Arbeitslebens ein großer Anteil in die Rentenversicherung überführt, weil das Geld lebenslang reichen soll. Also fast alle Verträge münden in eine Rentenversicherung.

Die Verbraucher schauen heute zu, dass sie alles am günstigsten bekommen. Wo ist aber der Kunde, der ohne den Fachmann alles rausfinden kann – und wo lässt man sich beraten? Einige Anbieter haben in diesem Markt jetzt schon die Flügel gestreckt. Investmentgesellschaften können teilweise die Vorgaben des Staates nicht erfüllen, Versicherungsgesellschaften, die nur mit konventionellen Kapitalanlagen arbeiten, bieten das Riester-Produkt meist schon nicht mehr an, und auch manche Bausparkasse hat sich schon von Riester zurückgezogen.

Die Bank, die vor Jahren von der Stiftung Warentest mit dem 1. Platz ausgezeichnet wurde, hat ihren Riester-Banksparplan mittlerweile eingestampft und das lediglich in einer Zeile im Jahresbericht der Öffentlichkeit mitgeteilt. Das zeigt: Der Kunde muss also Erklärungen vom Berater einfordern – insbesondere bei den Riester-Rentenverträgen, bei denen es darauf ankommt, dass man sich eine solvente Versicherungs-Gesellschaft erfragt, die einem eine gute Rente zusichert. Doch auch hier benötigen Fachleute eine entsprechende Vergleichssoftware.

Aus der vom Autor favorisierten Rentenversicherung können zu Rentenbeginn 30 % des Guthabens entnommen werden, wenn dann noch genug Geld verbleibt für die Zahlung der Rente. So kann z.B. ein Hausbesitzer mit dem Geld seinen noch bestehenden Baukredit ganz oder teilweise entschulden. Bei Entnahme muss diese versteuert werden, genau wie alle staatlich geförderten Renten. Zumindest sollte der Entnahmezeitpunkt und damit der Beginn der Rentenzahlung so gewählt werden, dass man nicht noch Arbeitslohn von einem ganzen Jahr zu versteuern hat.

Also besser ins nächste Jahr verschieben, auch bei der betrieblichen Altersversorgung, die man als Einmalzahlung nimmt. Text: Ulrich Remmel
   

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