Nachhaltigkeitsfonds können gute Renditeaussichten bieten – und ein gutes Gewissen. Das erfahren immer mehr Anleger.

Gutes Gewissen – Gute Rendite


17.07.2021

Eine Kundin kommt in den Supermarkt. Kaum hat sie sich ihren Einkaufswagen geholt, begrüßt sie schon ein Angestellter mit einem fröhlichen „Hallo, darf es denn auch Bio oder Fairtrade sein?“ Als sie „Ja, gerne“ antwortet, begleitet der Verkäufer die Kundin praktischerweise gleich zu den passenden Regalen. Was für dieses Szenario heute noch Fiktion ist, ist in der Anlageberatung bei Sparkassen bereits seit Mai 2021 Realität. Wenn Kunden sich für Wertpapiere interessieren, fragen schon heute immer mehr Berater: „Möchten Sie nach nachhaltigen Kriterien anlegen?“

Hussam Masri, Leiter Produktmanagement der Deka: „Wir wissen aus Umfragen, dass bis zu drei Viertel aller Sparkassenkunden sehr offen für nachhaltige Geldanlagen sind – viele kennen sich damit nur noch nicht aus“, so Masri. „Das ändert sich derzeit grundlegend, weil immer mehr Sparkassenberater Kunden direkt auf ihre Möglichkeiten ansprechen.“

Masri: „Die Deka hat bereits heute ein gut sortiertes Angebot an unterschiedlichen Nachhaltigkeitsprodukten, das wir in den kommenden Monaten weiter ausbauen werden.“ Was nachhaltig anlegen eigentlich konkret bedeutet, wie es funktioniert und was die Anleger und unser Planet konkret davon haben, wird hier und jetzt erklärt.
     

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ESG – dieses Kürzel begegnet einem automatisch, wenn man sich mit nachhaltiger Geldanlage beschäftigt. Es steht für „environmental“, „social“ und „Governance“ oder zu Deutsch: Ökologie, Soziales und gute Unternehmensführung. Im Bereich der Ökologie betrachtet der nachhaltige Anleger unter anderem, ob sich Unternehmen für den Umwelt- und Klimaschutz einsetzen, wie sie mit natürlichen Ressourcen umgehen oder welche Bedeutung der Artenschutz für sie hat. Im Sektor Soziales spielt die Achtung der Menschen- und Arbeitsrechte eine essenzielle Rolle.

Wichtig ist dabei, wie sich Unternehmen für die Sicherheit und Gesundheit ihrer Mitarbeiter einsetzen oder auch, dass sie hohe Sozialstandards in der Lieferkette gewährleisten. Eine verantwortungsvolle Unternehmensführung zeichnet sich dadurch aus, dass sie langfristige Erträge dem schnellen Gewinn vorzieht, transparent ihre Vergütung und Zukunftspläne kommuniziert und angemessen mit Risiken umgeht.

Alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit sollten gleichermaßen betrachtet werden. „Wenn einer unserer Analysten etwa auf einen Hersteller von Windkraftanlagen mit überlegener Technologie stößt, bringt das Punkte in der Rubrik Ökologie“, so Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka. „Stellt sich dann aber im persönlichen Austausch mit dem Management heraus, dass Defizite in der Führungskultur bestehen, wird der Fonds trotzdem nicht in die Aktie investieren.“ Oder auch die Anleihe. Denn es gibt auch Rentenfonds, die Anleihen danach bewerten, wie nachhaltig die dahinterstehenden Unternehmen und Staaten handeln. „Nachhaltigkeit muss sich aber auch auszahlen“, betont Deka-Experte Speich. Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn verantwortliche Führung und langfristige Rendite sind quasi natürliche Partner: Wenn Unternehmen beispielsweise sparsam mit Ressourcen umgehen, macht sich das positiv bei den Ausgaben bezahlt. Bei der Auswahl von Investments auf ESG-Kriterien zu achten, hat einen weiteren vorteilhaften Effekt: Anleger können potenziellen Gefahren aus dem Weg gehen. So haben Tabakkonzerne hohe Klagerisiken; und Textilkonzerne, die unter schlechten Arbeitsbedingungen in Fernost produzieren lassen, gehen immense Reputationsrisiken ein. Ingo Speich nennt ein weiteres Beispiel: „Beim Betrieb eines Atomkraftwerks ist die Wahrscheinlichkeit eines schweren Unfalls zwar extrem niedrig, wenn er aber doch eintritt, dann sind kolossale Schäden die unvermeidliche Folge. Warum sollten sich Anleger solch ein unkalkulierbares Risiko ins Depot holen.“

Finanzgruppe

Folgerichtig schneiden Nachhaltigkeitsfonds in Studien immer wieder gut ab. So fand der US-amerikanische Finanzdienstleister MSCI bereits im Jahr 2017 in einer Analyse heraus, dass Unternehmen mit starkem ESG-Rating im Durchschnitt profitabler arbeiten, höhere Dividenden ausschütten und ihre Aktien weniger schwanken als der Gesamtmarkt. Im Jahr 2014 durchleuchtete Professor Christian Klein von der Uni Kassel sogar gleich 35 internationale Studien zur Leistungsfähigkeit von Nachhaltigkeitsfonds: „15 stellten keinen Unterschied in der Performance fest, sechs errechneten schlechtere Ergebnisse für nachhaltige Fonds, aber 14 attestierten ihnen sogar bessere Leistungen als klassische Fonds.“

Interessantes Detail seiner Auswertung: Nachhaltige Fonds bergen im Durchschnitt etwas geringere Risiken. Das soll allerdings nicht heißen, dass sie absolut sicher sind. Natürlich können aber auch verantwortungsvoll handelnde Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, die ihre Aktienkurse in den Sinkflug schicken. Deshalb sind bei schwachen Börsen oder schwankenden Währungen auch bei Nachhaltigkeitsfonds Phasen mit negativer Wertentwicklung denkbar.

Doch auf welche Weise findet man die besten nachhaltigen Unternehmen? Bei Fondsgesellschaften weit verbreitet ist ein zweistufiges Auswahlverfahren, das die Deka noch um ein wichtiges drittes Element ergänzt. Auf der ersten Stufe werden Unternehmen aussortiert, deren Geschäftsmodell der Nachhaltigkeit widerspricht – etwa Rüstungskonzerne, Hersteller gentechnisch veränderten Saatguts oder Unternehmen, die Kinderarbeit dulden. Bei den verbliebenen Kandidaten werden auf der nächsten Stufe die Bewertungen von externen Ratingagenturen herangezogen und die Unternehmen tiefer durchleuchtet. Dabei wird auf den BestIn-Class-Ansatz gesetzt: Man fokussiert sich auf die besten Unternehmen in der jeweiligen Branche.

Seit einiger Zeit wird der dritte, dynamische Check immer wichtiger. „Tauchen bei Unternehmen zum Beispiel plötzlich Probleme, Ungereimtheiten oder Mängel auf, die sich in den Bewertungen von Ratingagenturen noch gar nicht widerspiegeln, dann können wir der Sache sehr schnell mit unseren eigenen Spezialisten nachgehen“, so Speich. Sein mittlerweile neunköpfiges Team für Nachhaltigkeit und Corporate Governance hat jährlich rund 400 Termine mit Vorständen, bei denen es um kontroverse Themen geht. Die Deka-Spezialisten fragen nicht nur nach, sie drängen auch auf Besserung. Ingo Speich: „Stellt sich eine Unternehmensführung taub für unsere Forderungen oder Vorschläge, kann das zum Ausschluss aus nachhaltigen aber auch klassischen Fonds führen.“ Nach dem mehrfachen Aussieben stehen nun die Klassenbesten in Sachen Nachhaltigkeit fest und die Fondsmanager picken sich die Titel mit den überzeugendsten Geschäftsaussichten heraus.

„Als ich 2005 meinen ersten Nachhaltigkeitsfonds gemanagt habe, war das noch eine völlig andere Welt“, erinnert sich Ingo Speich. „Teilweise reagierten Unternehmen ratlos, wenn ich sie nach der Nachhaltigkeit ihrer Geschäftsmodelle fragte. Wir konnten auch in ganze Bereiche der Aktienmärkte nicht investieren, weil keine Informationen zu den ESG-Kriterien vorlagen.“ Heute können sich Aktiengesellschaften dem Thema nicht mehr entziehen, aussagekräftige Nachhaltigkeitsberichte sind gesetzlich vorgeschrieben.

Es sind aber nicht so sehr Gesetze, die für mehr Transparenz sorgen. Die Verantwortung großer Unternehmen bestehe längst nicht mehr in der einseitigen Profitmaximierung, sondern vielmehr in verantwortungsvollem Wirtschaften mit Sinn und Bestimmung. „Nachhaltigkeit bedeutet nun mal nicht, der eine ist gut, der andere schlecht. In großen Unternehmen findet man typischerweise Schwachstellen und starke Bereiche“, sagt Ingo Speich. „Es bleibt in jedem Fall noch viel zu tun bis zu einer durch und durch nachhaltigen Wirtschaft.“ Text: Deka / Quelle: fondsmagazin.de
    

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