Warum jeder von uns von der Digitalisierung in den Arztpraxen profitieren kann

Ein echter Mehrwert für Patienten

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Der Hausarzt ist in vielen Fällen der erste Ansprechpartner bei gesundheitlichen Fragen und Problemen – nahezu jeder Mensch in Deutschland hat einen Hausarzt bzw. eine Hausärztin.

Oft kennen wir als Hausärzte unsere Patienten schon über viele Jahre, wodurch sich vielfach intensive Arzt-Patienten-Beziehungen entwickelt haben. Wir sehen Patienten nicht nur zu einer Operation, sondern begleiten Menschen, ganze Familien, von Jung bis Alt über Generationen bei allen gesundheitlichen Problemen.


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DR. DR. MED. CHARLES CHRISTIAN ADARKWAH, M.SC

Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin (Hausarzt)
Tel.: 02732-80063
E-Mail: adarkwah@familydocs.de
Internet: www.familydocs.de

Mitinhaber der Praxis „familydocs“ in Kreuztal und derzeit kommissarischer Lehrstuhlinhaber für Versorgungsforschung an der Universität Siegen. In diesem Rahmen betreut er unter anderem das Forschungsprojekt DIPRA, das die Digitalisierung in Hausarztpraxen erforscht


Leider sind Hausärzte gerade im ländlichen Raum eine zunehmende Rarität geworden: Viele Ärztinnen und Ärzte, die das Rentenalter erreicht haben, finden keine Nachfolger mehr für ihre Praxen und müssen schließen. Derzeit sieht es so aus, als würde sich dieser Trend in den kommenden Jahren noch wesentlich verstärken. In letzter Konsequenz müssen weniger Hausärztinnen und Hausärzte deutlich mehr Patienten versorgen. Und das natürlich möglichst ohne Abstriche bei der Behandlungsqualität zu machen. Ohne Digitalisierung wird dies vermutlich nicht gelingen. Sie kann unter anderem dazu beitragen, das geschilderte Problem etwas abzumildern und bietet hierfür interessante Lösungen an.

Oftmals sind jedoch kritische Stimmen zu hören, wenn es um das Thema Digitalisierung geht, gerade in der Medizin. Dabei beruhen die meisten kritischen Annahmen auf völlig falschen Vorstellungen:

• Alles wird unpersönlicher
• Der Arzt soll durch eine Maschine ersetzt werden
• Der Mensch steht nicht mehr im Mittelpunkt

Diese Aussagen sind in der Praxis nicht haltbar–und dass dies so ist, möchte ich in diesem Beitrag kurz erläutern und Ihnen ein bisschen Lust machen, die eine oder andere Neuerung, die vielleicht schon Einzug in die Hausarztpraxis Ihres Vertrauens gehalten hat, zumindest einmal auszuprobieren.

Erster Schritt: Online-Services

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Digitalisierung in Form von Online-Services kann dazu beitragen, wertvolle Ressourcen in den Praxen freizusetzen. Unter Online-Services versteht man beispielsweise:

• Das Angebot einer Praxis-Website mit Informationen zu Behandlungsabläufen
• Die Bestellung von Wiederholungsrezepten via Kontaktformular oder App
• Die Bestellung von Überweisungen und sonstigen Formularen via Kontaktformular oder Praxis-App
• Die Vereinbarung von Terminen über die Praxiswebsite

Diese genannten Dinge schaffen Ressourcen gerade bei den nicht-ärztlichen Mitarbeiterinnen der Praxis. Diese können ihre Energie somit noch intensiver den Patientinnen und Patienten vor Ort widmen und müssen dadurch deutlich weniger Telefonate führen. Bestellungen können zusammenhängend abgearbeitet werden, Gespräche mit Patientinnen und Patienten, die in der Praxis sind, werden nicht durch Telefonate unterbrochen. Man geht davon aus, dass bei konsequenter Nutzung in einer durchschnittlich großen Hausarztpraxis täglich 100 bis 150 Telefonate weniger geführt werden können, wenn die Services von einem Großteil der Patienten aktiv genutzt werden. Das ist eine Menge.

Zweiter Schritt: Online-/ Video-Sprechstunde

Die Erfindung der Online- oder Video-Sprechstunde ist zwar nicht neu, aber derzeit noch nicht so sehr verbreitet, wie sie es verdient hätte. Durch die Corona-Pandemie hat dieses Tool deutlichen Auftrieb erfahren und viele, sowohl Ärzte als auch Patienten, haben diese Kommunikationsmöglichkeit in den vergangenen Wochen schätzen gelernt.

Doch was genau heißt eigentlich Videosprechstunde? Statt für das Gespräch die Hausarztpraxis aufzusuchen, buchen Sie einen Termin für die Videosprechstunde bei Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin des Vertrauens. Sie erhalten dann in der Regel einen Link per SMS oder E-Mail, auf den Sie dann zum vereinbarten Termin klicken und direkt per Live-Schaltung mit der Praxis verbunden werden. Sie können sich dann gegenseitig sehen und miteinander sprechen – völlig ortsunabhängig, zum Beispiel von Zuhause oder auch vom Arbeitsplatz aus über eine gesicherte Leitung. Wer hätte es vor einigen Jahren für möglich gehalten, dass das Kommunizieren mit dem Hausarzt in Form einer Videosprechstunde zu einer alltäglichen Sache werden könnte? Die Corona-Pandemie zeigt, dass genau das funktioniert. In den vergangenen Wochen konnten wir zunehmend feststellen, dass Patienten nahezu jeden Alters dieses Angebot nutzen und auch zu schätzen wissen. Es sind nicht nur hochtechnisiert junge Menschen, sondern eigentlich alle, die prinzipiell ein Handy bedienen können. Wer zum Beispiel mit seinen Enkeln via WhatsApp in Kontakt ist, für den ist die Durchführung einer Videosprechstunde keine Herausforderung.

Viele Dinge lassen sich schon digital lösen

Es ist wohl klar, dass man durch eine Videosprechstunde nicht alle Praxisbesuche ersetzen kann. Das ist auch überhaupt nicht das Ziel. Aber oftmals stellt sich als Patient die berechtigte Frage: Muss ich wirklich in die Praxis fahren, mich ins Wartezimmer setzen und mit dem Arzt/der Ärztin Dinge besprechen? In der Tat lassen sich viele Fragen und Probleme – in der Praxis „Beratungsanlässe“ genannt – prima mit einer Videosprechstunde klären.

Beispiele hierfür sind:
• Die Besprechung von Untersuchungsergebnissen
• die klinische Verlaufskontrolle im Rahmen einer akuten oder chronischen Erkrankungen
• die optische Verlaufskontrolle einer Wunde
• Verlaufsgespräch bei psychischen Erkrankungen
• Die Durchführung einer Impfberatung im Allgemeinen und vor Urlaubsreisen
• Verlaufsgespräch bei chronischen Erkrankungen

Man könnte sagen: alle Situationen, bei denen ein Anfassen, ein Fühlen und/oder Riechen des Patienten nicht zwingend erforderlich ist. Ich selbst hätte es vor zwei Jahren auch nicht gedacht – es lassen sich weit mehr Dinge auf diesem Wege klären, als ich vermutet hätte. +

EXPERTENTIPP

Probieren Sie es einfach aus, besuchen Sie die Praxis-Website Ihrer Hausarztpraxis und bestellen Sie das nächste Rezept oder buchen den nächsten Termin einfach mal online. Sie werden sehen: es ist ganz einfach und man benötigt dafür nicht mehr als einen Computer oder ein einfaches Smartphone sowie eine Internetverbindung. Eine zunehmende Zahl an Hausarztpraxen bietet mittlerweile auch Videosprechstunden an. Wenn es demnächst um etwas geht, für das man nicht zwingend in die Praxis kommen muss, dann buchen Sie hierfür doch einen Termin in der Videosprechstunde. Die Erfahrung aus der Praxis zeigt: Wer es einmal ausprobiert hat, wird zum Wiederholungstäter.

Unsere Studie DIPRA (=die DIgitale PRAxis) der Universität Siegen zeigt, dass die Zufriedenheit mit diesem Angebot auf der ärztlichen Seite, aber vor allem auch auf der Patientenseite sehr hoch ist. Und all denjenigen, die Angst haben, den persönlichen Kontakt zur Hausarztpraxis zu verlieren, sei gesagt: Für die nächste Blutentnahme, körperliche Untersuchung bei Krankheit oder auch zur Vorsorge müssen Sie ohnehin leibhaftig in der Praxis vorbeischauen. Seien Sie also ruhig mutig bezüglich der „neuen Entwicklungen“ in den Arztpraxen und probieren Sie die digitalen Angebote einfach mal aus. +

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