Prof. Dr. Rüdiger Reer über den Radsport aus medizinischer Sicht

Bewegung wirkt präventiv

Neben einem passend eingestellten Fahrrad – Modell sowie Rahmen- und Sattelhöhe müssen stimmen – ist auch die richtige Outdoor-Kleidung wichtig. Foto: dpa

11.02.2021

Geschlossene Fitnessstudios, gesperrte Schwimmbäder, keine Vereinsaktivitäten – die Pandemie hat auch vor dem Bereich des Sports nicht halt gemacht. Viele Menschen bewegen sich weniger. Dies zeige auch eine Studie von Sportwissenschaftlern der Universität Gießen aus dem ersten Lockdown, berichtet Prof. Dr. med. Rüdiger Reer, Leiter des Arbeitsbereiches Sport- und Bewegungsmedizin der Universität Hamburg sowie Generalsekretär des Deutschen Sportärztebundes (DGSP): „Vor allem die über 30-Jährigen haben sich in dieser Zeit insgesamt weniger bewegt. Von den rund 1000 Befragten gaben 33 Prozent an, trotz der Einschränkungen weiter Sport gemacht zu haben. 31 Prozent aber reduzierten demnach ihr Sportpensum sehr stark oder stellten es sogar ein. 36 Prozent gaben an, weder vor noch nach dem Lockdown Sport gemacht zu haben.“


"Gemeinsam macht Sport mehr Spaß und durch feste Trainingstermine entsteht eine Verbindlichkeit."

Prof. Dr. med. Rüdiger Reer
Generalsekretär des Deutschen Sportärztebundes


Das kann manchmal mit der mangelnden Motivation erklärt werden. Um mehr Sport zu treiben, so Rüdiger Reer, könne ein fester Trainingspartner sinnvoll sein. „Gemeinsam macht Sport mehr Spaß und durch feste Trainingstermine entsteht eine Verbindlichkeit.“ Denn Bewegung ist aus medizinischer Sicht immens wichtig für uns, macht der Mediziner klar. Beim Radfahren beispielsweise, erklärt er weiter, werde der gesamte Körper angesprochen: Das Herz-Kreislauf-System, die Lunge, die einzelnen Stoffwechselorgane sowie der Halte- und Bewegungsapparat mit seinen Muskeln, Knochen, Bändern, Sehnen und Gelenken würden durch den Ganzkörper-Ausdauersport genutzt und die körperliche Fitness so gesteigert.

Nebenbei sorge das Radfahren außerdem für die Stärkung des Immunsystems, über das Sonnenlicht werde der Körper mit Vitamin D versorgt. Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und Krebserkrankungen, Erkrankungen des Halte- und Bewegungsapparates und sogar Erkrankungen wie Alzheimer oder Demenz könne mit Hilfe von Bewegung präventiv entgegen gewirkt werden. „Bewegung steigert zudem die geistige Leistungsfähigkeit und durch die Freissetzung von Glückshormonen kann Stress abgebaut werden“, so der Generalsekretär des Deutschen Sportärztebundes.

Den Vorteil des Radfahrens gegenüber dem Laufen sieht Rüdiger Reer in der geringeren Belastung von Sehnen, Bändern, Gelenken und Knochen. „Das Radfahren kann über einen sehr langen Zeitraum ausgeübt werden und erweitert den Radius: Erkundungs- und Ausflugsfahrten sind möglich.“ Auch lasse sich der Sport gut in den Alltag integrieren: „Zum Beispiel durch die Fahrt mit dem Rad zur Arbeit oder zum Einkaufen.“ Wer einen geringeren Fitnessgrad habe, für den könne sich ein E-Bike eignen. „Das macht längere Touren auch im Alter möglich.“

Generell ist neben einem individuell passend eingestellten Fahrrad – Modell sowie Rahmen- und Sattelhöhe müssen stimmen – die richtige Outdoor-Kleidung wichtig. Als Vorbereitung rät Rüdiger Reer zudem zu Beginn und in höherem Alter zu einer eingehenden sportmedizinischen Vorsorge- und Gesundheitsuntersuchung. kano
   

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