Das Fab Lab der Uni Siegen steht jedem offen: Technikbegeisterte können hier Projekte (digital) umsetzen

Raum für kreative Ideen

  • Fotos: Fab Lab Siegen

Wer das Fab Lab Siegen in unmittelbarer Nähe des Siegufers besucht, trifft auf jede Menge kreativen Input: Nichts ist gleich, nichts ist von der Stange. Ob aus giftgrünem Plastik, Holz, Stoff oder fester Pappe – die Projekte, die hier entstehen, sind alle Unikate. Manche von ihnen gelingen im ersten Anlauf, für andere wiederum braucht es mehrere Versuche. Alle aber spiegeln sie den großen Einfallsreichtum und die Begeisterung am Ausprobieren ihrer Macher wider. Und das sind inzwischen jede Menge.

Doch was ist ein Fab Lab überhaupt? „Fab Lab“ steht für „Fabrication Laboratory“ (dt. Fabrikationslabor), also einen Raum, in dem mit unterschiedlichen, überwiegend digitalen Fertigungstechniken experimentiert werden kann. In Siegen entstand das innovative Angebot 2013 aus einer studentischen Initiative heraus auf dem Haardter Berg. Hintergrundgedanke war damals–und ist es auch immer noch–ein „offener Ort für das gemeinsame Machen, Schaffen und Experimentieren“ zu sein. Heute wird das Fab Lab Siegen (http://fablab-siegen.de) als Forschungsprojekt der „iSchool“ vom Lehrstuhl für Computerunterstützte Gruppenarbeit und Soziale Medien der Universität Siegen unter Prof. Dr. Volkmar Pipek koordiniert. Gemeinsam wird an Fragen wie: „Werden wir in Zukunft wirklich alle mit Hilfe digitaler Fabrikationsgeräte Bedarfs- und andere Gegenstände direkt vor Ort produzieren?“, „Wie wirken sich diese Entwicklungen gesellschaftlich, politisch und ökonomisch aus?“, „Wie bereiten wir uns im Rahmen des Bildungssystems darauf vor – und wie sorgen wir dafür, dass der Faktor Mensch nicht vergessen wird?“ gearbeitet.
       

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Nicht nur Studierende, Forschende und Lehrende nutzen das Fab Lab Siegen, auch alle technikbegeisterten Heimwerker, experimentierfreudige Bastler,Künstler, Eltern und Kinder nehmen das Angebot gerne wahr. Jeden Freitag in der Zeit von 14 bis 20 Uhr steht das Fab Lab allen interessierten Bürgern offen. Nach einer Sicherheitsunterweisung durch die Mitarbeiter, die in die Regeln einführt und die die Grundlage für das Arbeiten darstellt, dürfen die vorhandenen Geräte eigenständig bedient werden. Denn, erzählt David Amend vom Koordinationsteam, Fabrikationslabore sollen Menschen unabhängig von Expertise, Ausbildung und Hintergrund nützlich sein, um Projekte im gemeinsamen Austausch und in der Zusammenarbeit mit anderen planen und umsetzen zu können. „Manchmal entsteht so etwas völlig anderes, als ursprünglich gedacht. Jeder gibt hier etwas zurück: Sei es, indem er anderen bei ihrer Arbeit hilft oder beispielsweise sein Projekt in einem Blogbeitrag vorstellt.“ Genau diese Möglichkeiten des Austauschens, des Teilens von Wissen sowie die Gemeinschaft seien die mit Abstand wichtigsten Angebote und Ziele eines Labs. Mittlerweile gibt es weltweit Hunderte von ihnen, in denen verschiedenste Projekte umgesetzt werden. Angefangen mit der Arbeit am 3D-Druck von Gebäuden über die Computerisierung alter Strickmaschinen bis hin zum Bau quelloffener und günstiger Do-it-yourself-Prothesen.
        

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Den Siegener Nutzern stehen zur Verwirklichung ihrer Vorhaben zahlreiche Geräte wie verschiedene 3D-Drucker, Lasercutter oder CNC-Fräsen, aber auch Hand-, Elektro- und andere Werkzeuge, Nähmaschinen, Schneidplotter, elektrotechnische Ausrüstung sowie unterschiedliche Materialien, Komponenten und Bauteile zur Verfügung. So entstanden schon die unterschiedlichsten Arbeiten: Ein emeritierter Professor etwa druckte die notwendigen Teile einer Geige aus Plastik aus, achtjährige Grundschüler erschufen mit Hilfe eines Gipsdruckers die Welt des Computerspiels „Minecraft“ zum Anfassen, Teenager entwickelten einen kleinen Roboter oder ein Musiker laserte neue Notenscheiben für seine Spieluhr.

Dass diese und viele weitere kreative Ideen in die Tat umgesetzt werden können, dazu trägt auch die Unterstützung diverser Sponsoren bei. Einige Maschinen beispielsweise wurden von heimischen Industrieunternehmen zur Verfügung gestellt. Ein großer Wunsch für die Zukunft, so David Amend, sei die Anschaffung eines Druckers, der auf Raumhöhe arbeite.

Langfristig muss übrigens ein neuer Standort für das Fab Lab gefunden werden. Denn der Gebäudekomplex am Herrengarten, in dem die Stadt Siegen seit 2018 die Räume eines ehemaligen Optikers mietfrei zur Verfügung stellt, soll abgerissen werden und ein Park auf der Fläche entstehen.Hier sind die Verantwortlichen im Gespräch mit der städtischen Wirtschaftsförderung, die die Suche nach einer Alternative unterstützt. Die Fab-Lab-Gemeinschaft würde gerne im Siegener Stadtgebiet bleiben und ein Domizil finden, das im Idealfall über gleich mehrere Räume verfügt. Mit jeder Menge Platz für kreative Ideen. Katja Wehmeyer

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