KREISLAUF: Die Deutschen produzieren viel zu viel Müll / Wie unsere Welt ohne Recycling aussehen würde

Und der Letzte macht das Licht aus ...

Die Deutschen haben im Jahr 2020 insgesamt 414 Millionen Tonnen Abfälle produziert. Fotos: AdobeStock

23.06.2022
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Die Zeche zahlen nicht wir, sondern nachfolgende Generationen – also unsere Kinder.

Mülltonne auf, Abfall rein, Deckel zu. Wenn wir unseren Müll entsorgen, geschieht das in der Regel auf genau diese Weise. Ob Plastik, Papier oder Restmüll: Wir trennen fein säuberlich, um die Materialien später möglichst wiederverwenden zu können.

Insgesamt 414 Millionen Tonnen Abfälle sind im Jahr 2020 in Deutschland entsorgt worden, wie der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) auf Anfrage wissen lässt. Das ist zwar etwas weniger als noch in den Jahren zuvor, doch zur ganzen Wahrheit gehört leider auch, dass Deutschland im Pro-Kopf-Vergleich weltweit zu den Ländern mit dem höchsten Abfallaufkommen zählt. Immerhin: 70,1 Prozent aller Abfälle konnten recycelt werden, weitere 11,6 Prozent thermisch verwertet.

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„Es ist ganz klar, dass hochindustrialisierte Länder deutlich mehr Abfälle produzieren als Länder, die keine Industrie haben“, sagt Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des bvse. „Es ist auch so, dass reiche Länder mehr Abfälle produzieren als ärmere Länder.“ Dafür gibt es aus Sicht des Fachmanns einen plausiblen Grund: „Die Ex- und Hopp-Mentalität, zum Beispiel Fast Fashion.“ Die Wegwerfgesellschaft agiere rücksichtlos, viel zu oft verantwortungslos. „Insgesamt müssen die Gesellschaften hochindustrieller und reicher Länder ihre Konsumgewohnheiten ändern. Wir müssen uns bewusst machen, dass Produkte einen Wert haben und sie deshalb auch wertschätzen. Ex und Hopp ist eine Sackgasse, die Zeche zahlen die Umwelt und die nachfolgenden Generationen“, fordert Eric Rehbock ein Umdenken.

Lösungsansätze gibt es. Aus Sicht des Recyclingverbandes wäre es zum Beispiel wichtig, dass künftig nur noch Produkte auf den Markt gebracht werden, die recycelt werden können. „Darüber hinaus sollten die Abfälle getrennt gesammelt werden, denn nur aus sauber getrennten Abfällen können qualitativ gute Sekundärrohstoffe hergestellt werden, die die Grundlage für die industrielle Produktion neuer Waren sind.“

Beim Recycling geht es darum, Abfälle so aufzubereiten, dass die Rohstoffe aus dem Abfall wieder zur Herstellung neuer Produkte verwendet werden können. Das ist ein wichtiger Beitrag zur Kreislaufwirtschaft, denn es muss der Menschheit darum gehen, Rohstoffe nicht zu verbrauchen, sondern sie immer auch weiter zu nutzen. Das schont nicht nur die Rohstoffvorräte, sondern auch Natur und Umwelt.


„Wir müssen uns bewusst machen, dass Produkte einen Wert haben und sie deshalb auch wertschätzen.“

Eric Rehbock
Hauptgeschäftsführer Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung


Außerdem ist es ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz – denn wenn Rohstoffe aus Abfällen verwendet werden, die sogenannten Sekundärrohstoffe, dann wird zur Herstellung neuer Produkte deutlich weniger Energie benötigt. Dadurch wird eine Menge CO2 eingespart. Dinge, die nicht mehr wiederverwertet werden können, weil sie zu sehr verschmutzt sind oder es kein Verwertungsverfahren gibt, müssen so entsorgt werden, dass sie keine Gefahr für Menschen, Tiere, Natur und Klima darstellen. Die Beseitigung erfolgt in der Regel schadlos und in speziellen Anlagen. „Es gibt mittlerweile eine Menge toller Beispiele für Recycling. Nehmen wir nur einmal das Behälterglas. Hier liegt die Recyclingquote bei über 90 Prozent. Ähnlich hohe Recyclingquoten gibt es beim gesammelten Stahl-/Metallschrott oder auch bei Altpapier. Aber auch das Recycling von PET-Getränkeflaschen ist eine Erfolgsstory“, sagt Eric Rehbock.

Wie Wiederverwertung in der Praxis aussieht, erklärt der Experte am Beispiel Altpapier: „Altpapier wird im gewerblichen Bereich, aber natürlich auch bei den privaten Haushalten meist mit der Blauen Altpapiertonne getrennt erfasst und dann von Entsorgungsunternehmen gesammelt“, erklärt der Fachmann.

„Danach wird das gesammelte Altpapier von papierfremden Störstoffen befreit und je nach Einsatzzweck sortiert. Die Sortierung erfolgt manuell oder teilautomatisiert und stellt letztlich die Qualitätssicherung vor Abgabe des gebrauchten Papiers an die Papierfabrik dar. In der Papierfabrik wird aus dem so gewonnenen Sekundärrohstoff wieder neues Papier hergestellt.“

Wie wichtig die Wiederverwertung für Mensch und Umwelt ist, welch hohen Stellenwert sie haben sollte, liegt auf der Hand. Ohne sie wäre der Abbau von Rohstoffen erheblich größer – und damit verbunden auch die Zerstörung der Umwelt. „Wir würden auch erheblich mehr Energie benötigen, um diese Primärrohstoffe zu Produkten zu verarbeiten, als das bei Sekundärrohstoffen aus Abfällen der Fall ist“, weiß Eric Rehbock.

Mehr Energieverbrauch würde eben auch bedeuten, dass mehr CO2 produziert wird. Und das würde die Erderwärmung nicht stoppen oder gar reduzieren, sondern sogar noch verstärken. wette

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