Eine dynamische Zukunftsbranche

Rohstoffe sind endlich: Daher soll die Kreislaufwirtschaft den Nutzungsprozess für Produkte verlängern und für eine weitgehende Wiederverwertung sorgen. Foto: Pixabay

8.04.2021

Angesichts knapper Ressourcen und eines fortschreitenden Klimawandels stößt die bisherige Linearwirtschaft – Produzieren, Nutzen, Wegwerfen – an ihre Grenzen. Die Deponien sind voll, Rohstoffe werden knapper. Zur langfristigen Sicherung des immer weiter steigenden Ressourcenbedarfs sowie für den Klimaschutz gewinnt das Konzept der Kreislaufwirtschaft immer mehr an Bedeutung. In Deutschland entwickelt sich die Kreislaufwirtschaft zunehmend zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Sowohl Umsatz als auch Beschäftigtenzahl legen in der Branche weiter deutlich zu.

Das globale Müllaufkommen steigt, Ressourcen schwinden, die Klimabilanz ist ein Alarmsignal. Deshalb gewinnt das Konzept der Kreislaufwirtschaft, der Circular Economy, immer mehr an Bedeutung – sowohl für Gesellschaft und Politik als auch für Unternehmen aller Industrien. Abgeschaut von den Stoffströmen in der Natur, wird bei diesem Konzept der Nutzungsprozess für Produkte verlängert und für eine weitgehende Wiederverwertung gesorgt. Grundidee ist es, Ressourcen so lange wie möglich im Einsatz zu halten, indem der gesamten Lebenszyklus einer Ressource – von der Gewinnung über die Produktgestaltung und den Verbrauch bis hin zur Abfallwirtschaft – berücksichtigt wird. Ziel ist es, sowohl den Materialeinsatz als auch die Abfallentstehung durch ressourcenschonendes Produktdesign sowie durch Recycling und Wiederverwendung von Produkten und Materialien zu minimieren.

Doch inwieweit ist die Kreislaufwirtschaft schon heute Realität? Wie hat sie sich zuletzt entwickelt, und wie sehen zukünftige Perspektiven aus? Diese und weitere Aspekte rund um die Kreislaufwirtschaft in Deutschland behandelt der aktuelle Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2020, der coronabedingt erst mit einiger Verzögerung veröffentlicht wurde. Er gibt einen Überblick über alle Facetten der Kreislaufwirtschaft quer durch die deutschen Industriezweige und Wertschöpfungsketten.

Sein Ergebnis: Seit der Veröffentlichung des ersten Statusberichts 2018 hat eine ganze Reihe wichtiger Entwicklungen ihren Anfang genommen. Die Voraussetzungen für die Kreislaufwirtschaft seien erheblich besser geworden, schreiben die Autoren. Hierzu trugen hohe Investitionen in Personal und Technik bei, die sich auch in einer gestiegenen wirtschaftlichen Bedeutung der Kreislaufwirtschaft widerspiegele: Sie erzielte im Jahr 2017 einen Umsatz von etwa 84,1 Milliarden Euro (plus 18 Prozent im Vergleich zu 2010) und beschäftigte 2019 über 310.000 Erwerbstätige (plus 12 Prozent im Vergleich zu 2010). Und mit einer Bruttowertschöpfung von rund 28,1 Milliarden Euro im Jahr 2017 (plus 31 Prozent im Vergleich zu 2010) ist die Branche ein bedeutender Wirtschaftsfaktor Deutschlands mit weiterhin dynamischer Entwicklung.

Die Kreislaufwirtschaft umfasst heute weit mehr als das Sammeln, Transportieren und Entsorgen von Abfällen – die Analysen zeigen, welche wirtschaftliche Bedeutung auch die vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen der Technik und des Handels für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft haben. Von den rund 10.700 Unternehmen mit ihren rund 310.000 Beschäftigten gehören zirka 6100 Betriebe mit einem Umsatz von rund 57,6 Milliarden Euro zu den „klassischen“ Marktsegmenten „Abfallsammlung, Abfalltransport und Straßenreinigung“ und „Abfallbehandlung und -verwertung“. Knapp 1300 Unternehmen mit einem Umsatz von rund 12,15 Milliarden Euro zählen zu dem Marktsegment „Technik für die Abfallwirtschaft“, weitere 3300 Unternehmen mit einem Umsatz von rund 14,34 Milliarden Euro sorgen im Bereich „Großhandel mit Altmaterialien“ für den wichtigen Kreislauf der erfassten und recycelten Wertstoffe aus der Abfallwirtschaft.

Die deutsche Kreislaufwirtschaft ist seit vielen Jahren ein wichtiger Akteur im weltweiten Handel mit Anlagen, Maschinen und Sekundärrohstoffen: Auf der einen Seite besteht in vielen Ländern der Welt ein großer Bedarf an modernen Technologien, um eigene Entsorgungsstrukturen aufbauen zu können. Auf der anderen Seite werden zur Entwicklung der Volkswirtschaften insbesondere in den Schwellenländern zunehmend mehr Sekundärrohstoffe benötigt, nicht zuletzt auch wieder für die Herstellung und den Export von Produkten nach Europa.

Allein das Marktsegment „Technik für die Abfallwirtschaft“ hatte laut Statusbericht im Jahr 2018 ein Exportvolumen von 5,1 Milliarden Euro. Die wichtigsten Zielmärkte in diesem Bereich sind nach wie vor die Vereinigten Staaten, China und Frankreich. Wichtige Sekundärrohstoffe wie beispielsweise Kupfer-, Eisen- und Aluminiumschrotte gehen hingegen mit einem Gesamtvolumen von 9,5 Milliarden Euro in erster Linie nach Belgien, Italien und in die Niederlande.

Das Recycling von Abfällen ist einer der zentralen Wirkungsbereiche der Circular Economy, die darauf abzielt, über veränderte Konsum- und Gebrauchsgewohnheiten eine nachhaltige Produktionsweise von Gütern auf der einen und die Kreislaufführung von Ressourcen auf der anderen Seite das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Wichtige Voraussetzung dafür ist zunächst das intelligente Design von Produkten, um die Reparatur- und spätere Recyclingfähigkeit zu gewährleisten.

Eines macht der Statusbericht aber auch deutlich: Das Recycling hat technische, ökologische und wirtschaftliche Grenzen, die es zu beachten gilt. Eine 100-prozentige Verwertung von getrennt erfassten Wertstoffen ist für viele Materialien weder möglich noch wirtschaftlich sinnvoll. Zudem gilt es auch, Schadstoffe aus den Produkt- bzw. Stoffkreisläufen auszuschleusen. Ohne ein hochwertiges Recycling, so heißt es im Bericht, könnten die Ziele der Circular Economy nicht erreicht werden. Dafür müsse allerdings sichergestellt werden, dass der steigenden Menge an Rezyklaten auch ein gleichermaßen wachsender Absatzmarkt bzw. Einsatz bei der Herstellung neuer Produkte gegenüberstehe. ots/ifat
     

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