Die Energiebranche wird digital

Die Energieversorgung wird digital: Im Mittelpunkt steht die Frage, wie große Datenströme aus Einspeisung, Smart Metering oder dem Netzbetrieb gemanagt werden können. Grafik: Pixabay

8.04.2021

Die Digitalisierung macht auch vor traditionellen Energieversorgungsunternehmen nicht halt: Unter der Bezeichnung Utility 4.0 wird inzwischen auch die Energiebranche digital. Der Einsatz von neuen Technologien soll den Energiemarkt intelligenter und nachhaltiger gestalten und sorgt für neue Produkte.

In der Energiewirtschaft vollzieht sich seit einiger Zeit der größte Veränderungsprozess seit der Elektrifizierung. Klassische Energieversorger werden vor dem Hintergrund der Anforderungen durch die Energiewende zu digitalen Dienstleistungsunternehmen und damit zur sogenannten Utility 4.0. Der Ausbau von Netzen und die Entwicklung innovativer digitaler Lösungen zur Verteilung der dezentral erzeugten erneuerbaren Energien schreiten voran. Immer mehr Energieversorger nutzen diesen Trend und bündeln ihre Ideen in Digitalisierungsstrategien. Dabei geht es um nicht weniger als die Frage, wer sich wie und mit welchen Geschäftsmodellen am Energiemarkt der Zukunft behaupten wird.

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Somit ist das Zahlenkürzel „4.0“ auch in der Energieindustrie angekommen. Dabei fand die Entwicklung der Energiebranche tatsächlich über vier Stufen statt. Ging es in der ersten Stufe hauptsächlich um die Energieverteilung, spielte bei Utility 2.0 die Energieversorgung eine wichtige Rolle. In der dritten Stufe wurden die Versorger zu Energiedienstleistern. In der aktuellen Stufe, bei Utility 4.0, geht es nun um die Digitalisierung der Energiedienstleistungsunternehmen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie große Datenströme aus Einspeisung, Smart Metering oder auch dem Netzbetrieb gemanagt werden können. Das Ziel sind effiziente, schnelle und automatisierte Prozesse. Energieunternehmen müssen zu Datenspezialisten werden, um mehr über die Bedürfnisse der Kunden zu erfahren und entsprechende Produkte und Services anzubieten. Die Digitalisierung führt zugleich dazu, dass Unternehmen ihre internen Prozesse optimieren. Dadurch können Kosten und Zeit gespart werden, die Produktivität steigert sich. Automatisierte Prozesse erhöhen die Agilität, wodurch schneller auf den Markt eingegangen werden kann.

Mittels der gesammelten großen Datenmengen aus Netzbetrieb, Smart Metering und Abrechnungssystemen, aus Services für E-Mobilität und Partnerschaften mit externen Einspeisern können die Versorger mehr über die Bedürfnisse der Kunden erfahren und so innovative neue Geschäftsmodelle entwickeln. Auf der Basis eines umfassenden Data Minings können sie kundenspezifische Produkte und Services anbieten. Neben Smart-Home-Ausstattungen bieten etwa Photovoltaikanlagen, Blockheizkraftwerke, stationäre Windkraftanlagen, Speicher und Wallboxen den Kunden einen Mehrwert. Optional werden die Produkte mit Dienstleistungen und Services ergänzt.

Beispiel E-Mobilität: Diese wird immer weiter ausgebaut, E-Tankstellen müssen für eine flächendeckende Ladeinfrastruktur errichtet werden. Die Zahl der Besitzer von Elektrofahrzeugen nimmt zu. In deutschen Innenstädten gibt es kostenfreie Parkplätze mit der Möglichkeit, ein Elektrofahrzeug zu laden – die Abrechnung des Ladestroms erfolgt über die Stromrechnung des Kunden. Zusätzlich zur Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum können Produkte im Kundenumfeld vertrieben werden. Hier kann etwa ein regionales Stadtwerk einem Kunden mit E-Fahrzeug, der ein Haus besitzt, eine Wallbox mit einem vergünstigten und umweltfreundlichen Tarif beim Laden des Fahrzeuges anbieten. Als Zusatzleistung erfolgt die Installation der Wallbox durch einen Elektroinstallateur – und der schließt einen Wartungsvertrag über mehrere Jahre ab.

Von besonderem Interesse für mittelständische Unternehmen dürften digitale Serviceangebote sein, bei denen Energiekosten durch den Einsatz von Energiemanagementplattformen oder -systemen direkt eingespart werden können. Wichtige datenbasierte Angebote können zudem unter anderem auch Verfahren zur Energiebedarfssteuerung (Demand Site Management) oder ein Energiemonitoring mit automatischen Verbrauchsanalysen für kleine Betriebe sein. Auch spezielle Dienstleistungen für Unternehmen werden zum Teil schon angeboten, etwa Lösungen im Bereich der Gebäudeautomation oder gewerbliches Gebäudemanagement. BDEW/aro
     

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