Herzstück des Pedelecs: Damit Akkus möglichst lange durchhalten, ist richtiger Umgang gefragt

Das Energiezentrum des E-Bikes 

Pflege fürs Pedelec: Wie beim herkömmlichen Fahrrad steigert regelmäßige Wartung auch die Lebensdauer eines E-Bikes. Den Zustand des Akkus können Fachleute auslesen. Foto: dpa

26.08.2022

Auch die Reichweite lässt sich mit Tipps und Tricks positiv beeinflussen.

Kraftspender, Energieriegel, Power Bar oder Strombrikett – wie man ihn auch nennt: Der Akku ist das Herzstück des Pedelecs. Ohne dessen Saft läuft der Motor nicht. Er ist die zugleich teuerste Komponente am Elektrofahrrad. Schon allein deshalb behandelt man ihn besser gut,um die Speicherzellenlange fit zu halten.

Gängig ist mittlerweile, Akkus schwerpunktgünstig im Rahmendreieck oder im Rahmen selbst unterzubringen. Sie sitzen auf dem Rahmenrohr auf oder sind im Rohr entweder teil- oder vollständig integriert.

Verschwindet der Akku komplett im Rahmen, ist er ideal vor Steinschlag, Schmutz und Nässe und auch vor Diebstahl geschützt, sagt Thomas Geisler vom Pressedienst-Fahrrad (pd-f). „Einige integrierte Lösungen haben den Nachteil, dass ein Aufladen meist nur am E-Bike selbst möglich ist.“ So muss oft das ganze Bike zur Steckdose befördert werden, weil der Akku nicht mehr zum alltäglichen Entnehmen gedacht ist.

Die für den Alltag wichtigste Kennziffer misst sich in Wattstunden – abgekürzt Wh. In Wh angegeben wird der Energiegehalt im vollgeladenen Zustand, oft auch Kapazität genannt. Gängig am Markt sind Akkus mit Kapazitäten von 400 Wh bis 750 Wh.

Wie weit kommt man mit einer Akkuladung? Eine Frage, auf die „keine allgemeingültige Antwort gegeben werden kann“, sagt Tamara Winograd als Pressesprecherin bei Bosch E-Bike Systems. Dies hinge von unterschiedlichen Parametern ab.


"Mit einer Akkuladung sind weniger als 20 bis zu deutlich über 100 Kilometer möglich."

Tamara Winograd
Pressesprecherin bei Bosch E-Bike Systems


Das Gewicht von Fahrer oder Fahrerin sowie des Gepäcks oder der Reifendruck beeinflussen den Stromverbrauch, aber auch der gewählte Unterstützungsmodus, häufiges Anfahren und der Motor und der Akku selbst. „Auch Umweltfaktoren wie Temperatur, Windbedingungen, Untergrund und Terrain spielen eine Rolle“, sagt Winograd. Anstiege im groben Gelände sind energieaufwendiger als flache Abschnitte auf asphaltierter Straße. „So sind weniger als 20 bis zu deutlich über 100 Kilometer mit einer Akkuladung möglich.“

E-Bike-Akkus werden an der Haushaltssteckdose geladen. Wie lange eine Komplettladung dauert, hängt von der Kapazität des Akkus und dem verwendeten Ladegerät ab. Demnach kann es zwischen zwei und sechs Stunden dauern, bis der Ladezustand bei 100 Prozent liegt. Der früher gefürchtete Memory-Effekt, bei dem häufige Teilentladungen auf Kosten der Kapazität gingen, tritt bei Lithium-Ionen-Akkus übrigens in der Regel nicht mehr auf, sagt Dekra-Fahrradexperte Jochen Hof. So kann man den Akku anstöpseln, so oft man möchte.

Weil es vereinzelt immer wieder zu Akku-Bränden kommt, raten Experten dazu, den Ladevorgang im Auge zu behalten. Dekra empfiehlt, die Batterie auf einer Fläche mit Steinen oder Fliesen zu laden. Ideal ist ein wettergeschützter Ort außerhalb von Haus oder Wohnung.

Schutz ist auch im Hochsommer gefragt: Dekra-Experte Hof warnt trotz der hohen Sicherheitsstandards für E-Bike-Akkus vor zu großem Hitzeeinfluss – zum Beispiel, wenn das Bike bei Sommerhitze stundenlang vor dem Schwimmbad in der prallen Sonne steht. „Also besser im Schatten parken oder den Akku abnehmen“. Aber auch an nicht so heißen Tagen, selbst im Herbst und Winter, kann direkte Sonneneinstrahlung Akkus aufheizen – und ist daher zu meiden.

Lilly Eckstein vom E-Bike-Komponenten-Hersteller Brose erklärt, was passieren kann: Extreme Hitze könne dazu führen, dass sich der Innenwiderstand des Akkus erhöht. Das bedeutet: An den Akkuzellen wird mehr Energie in Wärme umgewandelt. „Diese Energie fehlt dem Motor und hemmt die Leistung des E-Bikes“, so Eckstein.

Im Sommer kann man den Akku mit passenden Hüllen oder Abdeckungen mit reflektierenden Eigenschaften vor Hitze schützen. Ganz kalt ist aber auch nicht gut. Der Akku arbeitet im Winter laut Dekra effizienter, wenn er etwa mit einem Neoprenüberzug geschützt ist. Minusgrade kosten Reichweitenkilometer. Egal ob Sommer oder Winter: am besten nur bei Zimmertemperatur laden. Zwischen 500 und 1000 Ladezyklen versprechen die Hersteller von E-Bike-Akkus. Dabei entspricht ein Ladezyklus einer Vollladung auf die gesamte Kapazität und kann sich folglich in mehrere Teilladungen aufsplitten. Hersteller-Schätzungen zufolge entspricht das einer Nutzung von drei bis fünf Jahren oder einer Gesamtstrecke von 25 000 bis 100 000 Kilometern.

„Das heißt aber nicht, dass der Akku anschließend defekt ist“, sagt Thomas Geisler. Er hat demnach dann immer noch eine Leistung von circa 70 Prozent im Vergleich zu neuen Modellen. Er baue allerdings schneller ab und muss öfter aufgeladen werden.

Ist der Akku defekt, raten die Hersteller aus Sicherheitsgründen dringend davon ab, ihn in Eigenregie zu öffnen. „Die Inhaltsstoffe von Lithium-Ionen-Batteriezellen sind grundsätzlich unter bestimmten Bedingungen entflammbar“, heißt es in einem Bosch-Leitfaden. Außerdem erlöschen etwaige Gewährleistungs- und Garantieansprüche. Ist der Akku verschlissen, ist Ersatz teuer. Den Zustand auslesen kann der Fachhändler per Diagnosegerät. Je nach Kapazität und Modell kann ein Neuteil bis zu 1200 Euro kosten. dpa

Abschleppen nicht in Eigenregie

Bleiben E-Autos und Hybride bei einer Autopanne liegen, sollten sie nicht in Eigenregie etwa per Seil oder Stange abgeschleppt werden. Das gelte auch für Verbrenner mit Automatikgetriebe, informiert der Auto Club Europa (ACE). Ansonsten könne es sonst zu Schäden am Hochvoltsystem oder am Automatikgetriebe kommen. Der ACE rät, immer die Betriebsanleitung des Autos zurate zu ziehen, ob das Fahrzeug selbst abgeschleppt werden kann.

Das Abschleppen von Autos mit Schaltgetriebe ist in der Regel problemlos. Sie werden im Leerlauf geschleppt, damit Motor und Getriebe getrennt sind. Bei E-Autos und vielen Hybriden sei das aber nicht möglich, so der ACE. Dann drehen die E-Motoren mit und erzeugen Strom. Ist das Auto aber nicht betriebsbereit, könnten die Leistungselektronik oder die Batterie Schaden nehmen. Bei Autos mit Automatik kann ein Schaden entstehen, wenn sie per Rad anstelle vom Motor angetrieben werden.

Professionelle Abschleppdienste würden bei E-Autos, Hybriden und Pkw mit Automatik zum Abschleppen die Räder anheben und hätten entsprechende technische Vorrichtungen dafür. Allerdings blieben E-Autos im Vergleich zum Verbrenner seltener liegen, so der ACE. So ist deren Bestand aktuell noch neuer und sie hätten generell weniger Komponenten – ergo weniger Fehlerquellen. dpa


Apps finden die Ladesäulen 

E-Auto-Fahrer müssen von Zeit zu Zeit eine Ladesäule suchen, um den Akku wieder vollständig aufzuladen. Häufig ist es aber schwierig, freie Ladesäulen zu finden. Davon gibt es viel weniger als von den Zapfsäulen an der Tankstelle. Apps können dabei helfen, die freie, passende Ladesäule zu finden. Sie starten den Tankvorgang und haben eine Bezahlfunktion. Doch nicht alle Apps zeigen den Standort und die Verfügbarkeit zuverlässig an, zeigt eine Untersuchung der Zeitschrift „test“. Von zehn getesteten Apps – jeweils für Android und iOS – bekamen nur sechs die Note „gut“. Am hilfreichsten war nach Angaben der Stiftung Warentest EnBW mobility+ gefolgt von Nextcharge und eCharge+. Kritisch bewerteten die Tester hingegen, dass einige Apps beim Datenschutz schlecht abschnitten und sie mit manchen Apps das E-Auto nicht direkt laden konnten. dpa


Alleskönner mit Motor? 

Sie wollen gerne ein E-Bike? Fein, damit sind Sie nicht allein, die Elektrofahrräder boomen. Neben aktuell langen Wartezeiten müssen Sie sich aber auch auf die Frage nach dem richtigen Modell einstellen.

Lieber ein komfortables City-Rad, ein sportliches Mountainbike oder doch lieber ein Trekkingrad für die Langstrecke? Wem die Auswahl zwischen den vielen E-Bike-Gattungen schwer fällt, kann zu sogenannten Allroad-, Crossover- oder SUV-Bikes greifen. Solche E-Bikes wollen ein bisschen von allem bieten: Komfort, Sport und mit gröberen Reifen auch für Schotter, Stock und Stein gerüstet sein. Zumeist mit Gepäckträger, Schutzblechen und Lichtanlage ausgestattet, sind sie zugleich alltags- und voll verkehrstauglich – anders als etwa so manches sportliche Mountainbike.

Alleskönner sind diese teuren E-Bikes aber nicht wirklich. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest nach einem Test von neun Modellen mit Preisen zwischen 3300 bis 5350 Euro. Sie mussten sich in fünf Kategorien messen. Zwar schneiden fast alle im Test „gut“ ab, ausgenommen von zwei Modellen mit der Gesamtnote „befriedigend“. Auch zeigen alle gute Fahreigenschaften und größere Probleme mit der Sicherheit gab es nicht. Doch die Räder setzen verschiedene Schwerpunkte – mal eher sportlicher, mal komfortabler. Aber Mountainbikes sind sie eben auch nicht. Für Sprünge etwa seien die Rahmen nicht ausgelegt, so die Warentester. Dagegen spricht auch das recht hohe Gewicht aller Modelle, das zwischen 26 bis 29 Kilogramm liegt. Tragen lassen sie sich damit kaum mehr. Und wenn der Akku leer ist, dürfte das am Berg bedeuten: absteigen und schieben.

Der Rat der Tester: „Unbedingt darauf achten, dass das mitgelieferte Ladegerät mit vier oder mehr Ampere lädt. Weniger ist nicht zeitgemäß.“ Apropos Akku: Sollte hier Ersatz nötig werden, können für die Modelle im Test zwischen 760 bis 1180 Euro fällig werden. dpa
   

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