STROM TANKEN: Ob Ladevertrag oder Adhoc-Variante: Das sind die Vorteile beim Bezahlen

Die Stunde der Abrechnung

Beim Aufladen von E-Autos kann auch das Smartphone eine wichtige Rolle spielen. Foto: dpa

19.08.2021

Günstiger als an den öffentlichen Ladesäulen ist der Strom übrigens fast immer zuhause.

Rund 24 500 Stromtankstellen mit unterschiedlich vielen Ladepunkten gibt es derzeit in Deutschland. Besonders gut ist die Versorgung in Ballungszentren und entlang der Autobahnen. „War es vor ein paar Jahren aufgrund weniger Lademöglichkeiten noch schwierig, mit dem E-Auto vom Norden in den Süden zu fahren, ist das heute absolut kein Problem mehr“, sagt Guy Weemaes vom Portal GoingElectric.de. Dieses veröffentlicht Statistiken und Neuigkeiten über Stromtankstellen, Ladekartenanbieter und Elektromobilität.

Doch während Autofahrer mit einem Verbrennermotor ihren Sprit einfach bar oder mit Giro- oder Kreditkarte bezahlen können, benötigt der E-Autofahrer einen Zugang zum Ladenetz des Anbieters. Adhoc oder mit Vertrag: „Grundsätzlich gibt es dafür zwei Bezahlmöglichkeiten: entweder über einen Ladevertrag mit dem Anbieter oder mit der Adhoc-Variante“, sagt Matthias Vogt vom ADAC-Technikzentrum. Bei einem Ladevertrag registriert sich der Kunde beim Anbieter und erhält dann eine Karte oder einen Chip, mit dem er die Ladesäule freischalten kann. Auch über die Anbieter-App ist das in der Regel möglich. „Die Abrechnung erfolgt dann meist monatlich über die hinterlegte Zahlungsart, also eine Kreditkarte zum Beispiel“, so Vogt.


"Die großen Anbieter rechnen inzwischen alle rein nach Kilowattstunden ab."

Guy Weemaes
Portal GoingElectric.de


Die Adhoc-Zahlung ist seit 2017 vorgeschrieben. Sie soll es ermöglichen, auch ohne Vertrag Strom zapfen zu können. „Im Grunde soll das der Zahlung mit Bargeld oder Girokarte an der Tankstelle entsprechen“, sagt Vogt. „Meistens müssen die Autofahrer dann einen QR-Code einscannen und kompliziert über eine Webseite oder heruntergeladene App bezahlen.“

Was wie für was abgerechnet wird: Unklar bleibt oft, was tatsächlich für eine Stromladung fällig wird. „Die großen Anbieter rechnen inzwischen alle rein nach Kilowattstunden ab, was fair und nachvollziehbar ist“, sagt Weemaes. Wer sein Fahrzeug besonders lange auflade, bezahle zudem oft einen Zuschlag von beispielsweise zehn Cent pro Minute ab vier Stunden Ladedauer. Nach wie vor aber gebe es auch Ladesäulenbetreiber, die nach Minuten abrechnen würden.

Hat ein Auto nur eine langsame Ladeeinheit, kann das eine teure Geschichte werden“, sagt Weemaes. Aber auch die Abrechnung nach Kilowattstunde kann teuer werden, denn die Preise variieren stark. „Einige Anbieter wie EinfachStromLaden oder Plugsurfing haben Festpreise, bei anderen gibt es keinen einheitlichen Preis für die Kilowattstunde oder Minute. Da sollte der Kunde sich unbedingt vorher informieren, wie viel er an der betreffenden Ladesäule bezahlen muss“, rät Weemaes.

Insgesamt gibt es inzwischen viele Anbieter, die gut vernetzt sind und ihren Kunden mit Ladekarten den Zugang zu Ladesäulen in ganz Deutschland und Europa anbieten. „Man kann den Markt ein bisschen mit dem Mobilfunkmarkt vergleichen: Es gibt Ladesäulenbetreiber und zahlreiche Elektromobilitätsprovider, die auf die Ladesäulen der Betreiber zugreifen und Ladetarife anbieten“, sagt Vogt.

Insgesamt listet GoningElectric.de über 250 Ladekartenanbieter an, 34 mit je mehr als 50 000 Ladepunkten. Die Tarifstrukturen der Anbieter sind höchst unterschiedlich. Daneben haben einige Anbieter auch Tarife für Vielfahrer, die dann eine monatliche Grundgebühr beinhalten, jedoch günstigere Preise für die Kilowattstunde. „Höher sind die Preise grundsätzlich für die Schnellladesysteme mit Gleichstrom, die liegen meist zehn Cent über den Wechselstrom-Preisen“, sagt Weemaes. Und wie finde ich den günstigsten Anbieter? Welcher Anbieter der günstigste ist, kann nicht pauschal beantwortet werden. „Das hängt auch vom Lade- und Nutzungsverhalten ab. Vielfahrer aber haben immer gleich die Ladekarten von mehreren Anbietern in der Tasche“, weiß Vogt.

Zumal es auch passieren könne, dass der Strom an einer Ladesäule bei dem einen Anbieter 50 Cent pro Kilowattstunde koste und bei einem anderen 70 Cent. Grundsätzlich teurer sei aber meist das Adhoc-Laden ohne Vertrag, auch wenn es dafür keine nachvollziehbaren technischen Gründe gebe.

Günstiger als an den öffentlichen Ladesäulen ist der Strom übrigens fast immer zuhause. „Der normale Hausstrom liegt bei rund 30 Cent pro Kilowattstunde“, so Vogt. „Noch günstiger und vor allem nach haltiger ist natürlich der Strom von der eigenen Solaranlage, der kostet den E-Autofahrer nur noch rund zehn Cent pro Kilowattstunde.“

Aber es geht noch preiswerter. „Zwar ist der Anteil an kostenlosen Stromtankstellen geringer geworden, speziell aber einige Supermarktketten wie Aldi, Kaufland und Lidl bauen ihre Ladenetze nach wie vor weiter aus“, sagt Weemaes. dpa

Autogalerie Köhler GmbH

Strom sparen mit dem Stromer

Wer ein Elektroauto fährt, kann Strom sparen, wenn er sich an ein paar grundsätzliche Tipps hält. Wichtig ist zum Beispiel eine vorausschauende Fahrweise: Abstand zum Vorausfahrenden einhalten und speziell in der Stadt im Stop-and-go-Verkehr nur sanft beschleunigen. Das schone Verbrauch und Batterie, erläutert der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC).

Beim Bremsen kann man die Rekuperation nutzen: Geht der E-Auto-Fahrer vom Gas, wandelt sich der Motor zum Generator und speist Bremsenergie zurück in die Batterie. Wer das gut beherrscht, kann in der Stadt allein dadurch 20 Prozent mehr Reichweite rausholen, so der Autoclub.

Manchmal reicht dann auch ein Pedal aus, um zu beschleunigen und zu verzögern. Dann spricht man vom sogenannten One-Pedal-Driving. Oft lassen sich die Stufen der Rückgewinnung einstellen. Das kann die Bremswirkung erhöhen oder abschwächen. Bei freier Strecke ist das freie Rollen optimal – also wenn die Rekuperation ausgeschaltet ist und der Schwung das Auto ohne Gas zu geben „segeln“ lässt.

Wer weiß, dass er vor allem auf kürzeren Strecken unterwegs ist, kann sich vor dem Kauf des E-Autos auch für eine kleinere, leichtere Batterie entscheiden. Denn je schwerer das Auto ist, desto mehr Strom verbraucht es. Aus diesem Grund sollte man auch bei E-Autos kein unnötiges Gepäck im Kofferraum oder auf dem Dach spazieren fahren.

Wichtig ist außerdem, den korrekten Luftdruck im Blick zu haben, wie die Experten des ADAC abschließend mitteilen. Diesen kann man aber auch um bis zu 0,2 bar im Vergleich zur Empfehlung des Herstellers erhöhen, um den Energiebedarf zu senken. Und wer dann noch die Stromverbraucher wie eine Innenraum-, Sitz- und Lenkradheizung oder eine Klimaanlage nur ganz bewusst nutzt und anschließend sofort wieder abschaltet, spart ebenfalls. dpa
   

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