Bei der Permakultur wird auf chemische Mittel verzichtet

Nachhaltigkeit im Garten

Wie Nachhaltigkeit im Garten funktioniert, weiß der Permakulturdesigner Marc-Robin Lückert ziemlich genau. Foto: privat

30.03.2021

Wenn im Frühling die ersten Baumknospen sichtbar werden, schlagen Gärtnerherzen wieder höher. Neue Ideen für die Gartengestaltung haben sich über den langen Winter angesammelt und können nun endlich umgesetzt werden. Doch wie steht’s dabei um die Nachhaltigkeit im Garten?
      

Wohl nur die Wenigsten haben dabei schon mal etwas von Permakultur gehört. Entwickelt in den 1970er-Jahren vom Australier Bill Mollison, kombiniert sie die Begriffe „permanent“ und „Agrikultur“. Die Idee ist seither auf dem gesamten Globus verbreitet und hat somit auch in vielen nordrhein-westfälischen Gärten Einzug gehalten. Der Grund dafür: Sie bringt mehr Ertrag, bewahrt die Umwelt, fördert die Artenvielfalt, spart Energie und führt letztlich zu einem gesünderen Leben, da auf chemische Mittel verzichtet wird und das angebaute Gemüse besonders viele Nährstoffe hat.

Doch wie funktioniert das? Ganz einfach: Wir lernen von der Natur und lassen ihre Strukturen und Muster in die eigene Gartenplanung, das sogenannte „Design“, einfließen! Denn ganz nach dem Prinzip „Vom Muster zum Detail“ findet die Permakultur Lösungen (Muster) für globale Probleme auch auf kleiner Fläche (Detail), so Marc-Robin Lückert aus Bad Berleburg, Permakultur-Designer und Agraringenieur für ökologischen Landbau. „Beziehen Sie die natürlichen Elemente Boden, Pflanzen, Trockenheit, Schatten, Frost, Wasser, Wind und Tiere in Ihr Design mit ein“, rät er.

Dabei sollte man die Synergieeffekte der Natur nutzen und ihr Design den sich ständig verändernden Bedingungen anpassen. Um den Pflegeaufwand weiter zu erleichtern, kann der Garten, je nach Intensität der Nutzung, in Zonen aufgeteilt werden. Das Design bedarf also einer präzisen Planung und sollte gut durchdacht sein. Dennoch meint der heimische Experte: „Irgendwann ist es an der Zeit, aus der Theorie herauszukommen, nichts zu ,zerdenken‘, einfach mal zu machen und experimentell aus der eigenen Praxis zu lernen.“ Was er meint, verdeutlicht ein simples Beispiel aus der Praxis.

Der Beispielgarten liegt an einem Osthang mit vielen Bäumen, es gibt hauptsächlich Morgensonne, eine kleine Wiese mit einem alten verwilderten Gemüsebeet, aber immerhin einen Kompost. Von der Straße oberhalb des Hauses strömt viel Regenwasser auf das Grundstück und die Schnecken treiben hier schon lange ihr Unwesen. Auf den ersten Blick wohl nicht die vielversprechendsten Voraussetzungen.

Wie kann der Standort nun mit Hilfe der Permakulturprinzipien optimal genutzt werden? Das Regenwasser lässt sich mit einem einfachen Graben- und Rohrsystem in einen Teich leiten. Dieser lädt nicht nur zum Verweilen ein, sondern dient der Bewässerung und bringt durch Reflexion mehr Licht auf das Grundstück.

Er liegt dann praktischerweise in direkter Nähe zum alten Gemüsebeet, das Stück für Stück zu neuem Leben erweckt wird. Die hier bereits wachsenden Erdbeeren sind optimale Bodendecker für jene Pflanzen, die noch gesetzt werden. Das kann alles sein, von Grünkohl über rote Beete, Mais, bis hin zu verschiedenen Kräutern, die am besten mehrjährig wachsen. Hier macht’s auch die richtige Mischkultur, denn ist sie gut abgestimmt, schützen sich Pflanzen gegenseitig vor Schädlingen. Unbedingt einzubauen sind verschiedene Blühpflanzen. Diese sind nicht nur schön anzuschauen und bieten Futter für die Bienen, sondern lassen auch die Nutzpflanzen gedeihen. Das Multitalent Ringelblume lässt sich beispielsweise optimal mit Erdbeeren, Kartoffeln und Salaten kombinieren, erhöht die Vitalität des Bodens und schützt vor Drahtwürmern und Schnecken. Gegen letztere hilft auch ein Band stark duftender Kräuter, da die ätherischen Öle abschrecken.

Im Zentrum des Beets wird ein Obstbaum, z. B. ein kleiner Apfelbaum, gepflanzt. An ihm können Bohnen optimal hochranken und seine Blätter bringen Schatten, Mulch, Nahrung für das Bodenleben, einen gesunden Boden und damit besseres Pflanzenwachstum. Das Beet wird außerdem mit Speisepilzkulturen, z. B. der Braunkappe, angereichert. Diese schmeckt nicht nur gut, sondern trägt zur Vitalität und Gesundheit des Bodens bei. Um mehr Süd-Sonne auf das Grundstück zu bekommen, kann man einige Bäume beschneiden oder durch einen Profi gleich ganz entfernen lassen. Dadurch kann die Sonne ganztägig einstrahlen. Mit einer zusätzlichen Windschutzpflanzung entsteht auf diese Weise eine sogenannte Sonnen- oder Wärmefalle, die ein ganzjähriges warmes und fruchtbares Mikroklima im Garten entstehen lässt. sz
       

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