ANBAU AUF DEM BALKON: Für gutes Wachstum brauchen die Gewächse vor allem drei Dinge: Wasser, Dünger und Sonne

Gemüsepflanzen sind Sonnenkinder

  • Tomaten sind sehr wärmeliebend. Damit sie im Topf auch reifen, sollten sie auf einem sonnigen Balkon wachsen. Foto: dpa

dpa. Den eigenen Salat anbauen, die Tomaten fürs Abendessen selbst ernten – im Garten kein Problem. Aber auch nicht auf einem Balkon. Das Urban Gardening ist nur ein wenig anders.

Tatsächlich bietet der Balkon sogar Vorteile für den Gemüseanbau. „Der Balkon ist grundsätzlich gut geeignet für Gemüse, weil die meisten Gemüsearten wärmeliebend sind“, erklärt Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde. Durch die Nähe zur Wand, die reflektierende Sonnenwärme, die schützende Brüstung und die Überdachung ist es hier generell ein paar Grad wärmer als in der Umgebung. Falls es im Hochsommer sogar mal zu warm werden sollte, lässt sich leicht Abhilfe schaffen: Ein Sonnenschirm schützt auch die Pflanzen.

Um die Pflanzen optimal mit Licht zu versorgen, gibt es allerdings ein Ausschlusskriterium für den Gemüseanbau an dieser Stelle: Ein Nordbalkon eignet sich nicht. Auf allen anderen aber können nicht nur Kästen an der Brüstung stehen, sondern größere Pflanzen auch auf dem Boden. Denn die Lichtmenge auf dem Balkon ist eigentlich ausreichend, erläutert Wagner.

Unverzichtbar ist Dünger. „Handelsübliche Erde ist vorgedüngt, aber gerade bei Starkzehrern ist dieser Dünger nach circa sechs Wochen verbraucht“, erläutert der Gartenexperte. „Hier muss man mit Flüssigdünger nachdüngen.“ Noch besser sei es, vor dem Einpflanzen Hornspäne unter die Erde zu mischen. Davon profitieren die Pflanzen langfristig, denn der enthaltene Stickstoff wird erst nach und nach freigegeben. Die Früchte konventionell gedüngter Pflanzen seien natürlich bedenkenlos essbar.


Auch auf einem Balkon kann ausreichend und den ganzen Sommer über Gemüse gedeihen.


Allerdings gibt Wagner zu bedenken: „Wer in Bio-Qualität ernten möchte, braucht auch Bio-Dünger.“ Ebenfalls entscheidend für die Nährstoffversorgung einer Pflanze ist die Größe ihres Topfes, sagt Gottfried Röll von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. „Je größer ein Topf, desto mehr Wasser und Nährstoffe können dort gespeichert werden. Und eine gleichmäßige Versorgung ist für das Wachstum enorm wichtig.“ Er rät für Tomaten, Zucchini und Paprika zu 20 Litern pro Pflanze. „Bei Peperoni reichen auch mal 15 Liter.“

Das wichtigste Thema für Balkongärtner ist: das Gießen. Hier gibt es keine Ausreden – gerade bei den begrenzten Speichermöglichkeiten der Töpfe ist besonders regelmäßiges Engagement gefragt. Alternativen sind kleine Bewässerungsanlagen. Die Pflanzauswahl ist wie auch im Garten abhängig vom Standort – also in diesem Fall der Ausrichtung des Balkons, sagt Wagner. „Tomate, Aubergine, Zucchini und Gurken sind sehr wärmeliebend; für Pflücksalate, Mangold, Kohlrabi, Möhren oder Radieschen tut es auch der West- oder Ostbalkon.“ Ansonsten ist beinahe jede Aufzucht möglich, und von vielen Gemüsearten gibt es auch balkongerechte Züchtungen, die kompakter und kleiner wachsen.

Cornelia Lehmann vom Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg (VERN) gibt allerdings zu bedenken, dass für manches einfach nicht der Raum auf dem Balkon da ist.

„Ein einzelnes Radieschen gibt nicht so viel her. Radieschen sind schnell, aber man braucht sehr viel Platz, bis man einen Bund zusammen hat.“ Dagegen rät sie zum Beispiel zu Tomaten und zu Sala ten. Letzterer kann sogar dekorativen Wert haben: „Es gibt auch spezielle Sorten wie etwa Forellensalate, die gesprenkelt sind. Da hat man auch noch einmal einen optischen Reiz“, sagt Lehmann.

Um mehr Raum aus dem Balkon herauszuholen, kann man Gurken und Melonen auf einem sonnigen Balkon am Rankgitter in die Höhe ziehen, erklärt Lehmann. „Dafür muss man nur ein stabiles Rankgerüst bieten und schauen, dass auch die Früchte gestützt sind, damit sie nicht abbrechen.“ Wagner empfiehlt Stangen- oder Kletterbohnen als „attraktiven Sichtschutz“. Der Fachhandel hält fertige Pflanzen vor. Wer den Pflanzen beim Wachsen zuschauen möchte, sollte selber Samen aussetzen.


Samen Schneider

Welche Pflanzen nicht erlaubt sind

dpa. Die Bepflanzung des Balkons gehört grundsätzlich zum vertragsmäßigen Gebrauch der Mietwohnung. Welche Pflanzen Mieter in die Kästen setzen, bleibt ihnen weitgehend selbst überlassen. Allerdings gibt es bei der Auswahl durchaus Grenzen, erklärt der „Eigentümerverband Haus & Grund“ Deutschland.

Ein Ahornbaum beispielsweise darf nach einem Beschluss des Landgerichts München I (Az.: 31 S 12371716) nicht auf einem Balkon gepflanzt werden. Wenn eine Bepflanzung aufgrund ihres Umfangs einer baulichen Veränderung gleichkommt oder das Erscheinungsbild der Hausfassade optisch beeinträchtigt, ist sie nicht mehr vom üblichen Mietgebrauch gedeckt. Entscheidend dafür, wann dies der Fall ist, sind stets die konkreten Umstände des Einzelfalls.

Weniger spektakulär, aber genauso problematisch, können Rankpflanzen sein. Zwar dürfen Mieter grundsätzlich ein Rankgitter anbringen. Sie müssen jedoch darauf achten, dass die Pflanzen das Mauerwerk nicht beschädigen, befand das Amtsgericht Berlin-Schöneberg (Az.: 6 C 360/85). Efeu oder Wilder Wein sind damit eher ungeeignet zur Balkonbegrünung. Mieter sollten deshalb die Zustimmung des Vermieters einholen, bevor sie Efeu oder Wilden Wein auf dem Balkon pflanzen.
     


Petersilie erst ab Ende April aussäen

dpa. Sie gehört zu den bekanntesten Kräutern der deutschen Küche: Die Petersilie. Ziehen Hobbyköche das Kraut im Garten selbst aus Samen auf, kann es zu Problemen kommen. Die Petersilie keimt nicht. Oder sie wird gleich nach dem Treiben gelb und stirbt ab. Wenn Petersilie nicht richtig wächst, stecken oft schlechte Wachstumsbedingungen dahinter. Das können kalte Temperaturen und zu viel Feuchtigkeit sein, erläutert die Bayerische Gartenakademie. Die beste Zeit, um Petersilie im Garten auszusäen, sei frühestens ab Ende April, so die Experten. Dann hat sich der Boden schon erwärmt, und die Samen keimen zügiger. Damit sich die Petersilie wohl fühlt, sollte der Boden locker, humusreich und nicht zu trocken sein. In der Keimphase ist es besser, auf Dünger zu verzichten, da dieser jungen Pflanzen eher schadet.
   

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