Mehr Cyberattacken

Deutsche Wirtschaft im Visier

Hacker greifen immer häufiger Firmen an – vor allem deutsche Unternehmen sind stark betroffen und beklagen immense Schäden. Foto: Pixabay

14.10.2021

Die Zahl der Cyberangriffe auf Firmen steigt, deutsche Betriebe sind besonders betroffen. Obwohl sie immer mehr Geld für Sicherheit ausgeben, verzeichnen deutsche Unternehmen im internationale Vergleich immens hohe Schäden, die weit in die Milliarden Euro gehen. Angegriffen werden nahezu alle Wirtschaftszweige. Viele Unternehmen sehen ihre geschäftliche Existenz durch die Attacken bedroht.

Diebstahl, Spionage, Sabotage: Die Cyberattacken nehmen immer mehr zu, die Folgen werden gravierender, ja existenzgefährdend. In einer aktuellen Umfrage für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gaben 39 Prozent der betroffenen mittelständischen Unternehmen an, vier oder mehr Tage für die Wiederherstellung ihrer IT-Systeme gebraucht zu haben. In den Vorjahren hatte der Anteil noch bei rund 20 Prozent gelegen. Insgesamt, so ergab jetzt eine Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (Bitkom), entsteht der deutschen Wirtschaft durch die Angriffe jährlich ein Gesamtschaden von 223 Milliarden Euro – mehr als doppelt soviel wie in den Jahren 2018/2019, als die Schadenssumme noch 103 Milliarden Euro pro Jahr betrug. Neun von zehn Unternehmen waren 2020/2021 von Attacken betroffen, 2018/2019 waren es drei Viertel.

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Haupttreiber des enormen Anstiegs sind Erpressungsvorfälle, verbunden mit dem Ausfall von Informations- und Produktionssystemen sowie der Störung von Betriebsabläufen. Sie sind meist unmittelbare Folge von Ransomware-Angriffen. Durch sie werden Computer und andere Systeme blockiert, anschließend werden die Betreiber erpresst. Die so verursachten Schäden haben sich aktuell laut Bitkom im Vergleich zu 2018/2019 mehr als vervierfacht (plus 358 Prozent). Aktuell sieht laut Umfrage jedes zehnte Unternehmen seine geschäftliche Existenz durch Cyberattacken bedroht.

Die Experten des Digitalverbands bewerten die Wucht, mit der Ransomware-Angriffe der Wirtschaft erschüttern, als besorgniserregend. Systeme würden verschlüsselt, der Geschäftsbetrieb lahmgelegt. Gestohlene Kunden- und Unternehmensdaten erzeugten nicht nur Reputationsschäden, sondern führten auch zum Verlust von Wettbewerbsfähigkeit. Letztlich könne der Diebstahl geistigen Eigentums für die innovationsgetriebene deutsche Wirtschaft schwerwiegende Konsequenzen haben.

Ein Großteil der Angriffe, so die Bitkom-Studie, beginnt mit Social Engineering, der Manipulation von Beschäftigten. Die Kriminellen nutzen den „Faktor Mensch“ als vermeintlich schwächstes Glied der Sicherheitskette aus, um etwa sensible Daten wie Passwörter zu erhalten. Dabei dürfte ihnen die Pandemie und der damit verbundene vielfache Umstieg auf Homeoffice-Lösungen in die Hand spielen.

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Die Infizierung mit Schadsoftware setzt die deutsche Wirtschaft besonders unter Druck: Schadsoftware hat 2020/21 in 31 Prozent der von Bitkom befragten Unternehmen Schäden verursacht. Sogenannte DdoS-Attacken, bei denen Anfgreifer bestimmte Ressourcen gezielt überlasten und zum Beispiel Server mit massenhaften Anfragen in die Knie zwingen, betrafen 27 Prozent. Spoofing, das Vortäuschen einer falschen Identität, und Pishing, das Abfangen persönlicher Daten, haben in 20 beziehungsweise 18 Prozent der Unternehmen Schäden verursacht.

Ein Blick auf die Beteiligten, von denen die schädigenden Handlungen ausgehen, zeigt: In 61 Prozent der von Diebstahl, Spionage und Raub betroffenen Unternehmen wurden laut Befragung Schäden durch Mitarbeiter verursacht, zum Teil nachdem sie aus dem Unternehmen ausgeschieden waren. Dies geschah vielfach unabsichtlich. 28 Prozent der Unternehmen gingen aber davon aus, dass die Schäden vorsätzlich herbeigeführt wurden. Eine unzureichend geschulte oder unaufmerksame Belegschaft und Innentäter bleiben damit ein zentrales Problem der deutschen Wirtschaft. Neben Firewalls, Virenscannern, Passwortsicherheit und Vorkehrungen gegen Ransomeware-Attacken raten Experten daher zu regelmäßigen Mitarbeiterschulungen. Ein wesentliches Problem sieht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft zudem im „laxen Umgang mit Datensicherungen“. Nach der Umfrage des GDV verzichtet jedes fünfte mittelständische Unternehmen auf mindestens wöchentliche Back-ups oder bewahrt diese nicht sicher auf. Ob die Daten aus den Sicherungskopien wirklich wiederhergestellt werden können, überprüfen nur 60 Prozent der Firmen. Dabei halten IT-Experten Sicherungskopien gerade bei Ransomeware-Attacken für ein wirksames Gegenmittel und sollten daher so aktuell und sicher wie möglich sein. GDV/ots/Bitkom
    

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