Unter Pandemie-Druck

Digitalisierung nimmt Fahrt auf

In den Unternehmen ist Schwung in die Digitalisierung gekommen – vor allem unter dem Druck der Corona-Pandemie.Foto: Pixabay

14.10.2021

Das tiefgreifende Ereignis Corona-Pandemie hat die deutsche Wirtschaft auf vielfältige Weise unter Druck gesetzt – auch bei der Digitalisierung. In der Krise wurde der Digitalisierungsgrad von Unternehmen schonungslos offengelegt, der Digitalisierungsdruck spürbar erhöht. Wurde der Nutzen digitaler Technologien vorher in den Etagen der Entscheider oftmals in Zweifel gezogen, hat sich diese Einstellung in den vergangenen Monaten deutlich geändert.

Corona hat den Blick der Unternehmen auf die Digitalisierung stark verändert. Mehr als ein Jahr nach dem ersten Lockdown zweifeln nur noch 12 Prozent aller Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten am wirtschaftlichen Nutzen der Digitalisierung für ihr Unternehmen. Zu Beginn der Pandemie 2020 hatten noch 27 Prozent angegeben, ihnen sei der Nutzen unklar, vor zwei Jahren waren es sogar 34 Prozent. Gleichzeitig sagen aktuell zwei Drittel (64 Prozent), dass digitale Technologien dem Unternehmen helfen, die Pandemie und ihre Folgen zu bewältigen. Und in 95 Prozent der Unternehmen hat durch Corona die Digitalisierung von Geschäftsprozessen an Bedeutung gewonnen. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von mehr als 500 Unternehmen aller Branchen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

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An den Unternehmensspitzen hat die Pandemie zu deutlichen Lerneffekten geführt. So haben laut Bitkom acht von zehn Managerinnen und Manager (80 Prozent) durch Corona neue Technologien ausprobiert. Ebenso viele, nämlich 82 Prozent, räumen ein, dass die Corona-Pandemie ihre persönlichen Vorbehalte gegenüber der Digitalisierung abgebaut habe. Das ergab eine weitere Befragung von Bitkom unter 502 Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern, Vorständen und Digitalisierungsverantwortlichen von Unternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten. Der Verband resümiert: Corona habe zu einem Digitalisierungsschub geführt – jetzt müsse es gelingen, die Digitalisierung auch in der Praxis voranzutreiben. Denn wer sich digital aufstelle, profitiere auch nach der Krise.

Der Druck durch Corona war in der Tat groß: Bei 47 Prozent der von Bitkom befragten Unternehmen hat die Krise längst überfällige Digitalisierungsvorhaben angeschoben, jedoch wurden bei 52 Prozent Digitalisierungsprojekte auf Eis gelegt. Immerhin sind Digital-Office-Lösungen in der Breite der Unternehmen angekommen – auch wenn es laut Bitkom noch viel Potenzial beim Einsatz einzelner Anwendungen gebe. So sagten bei der Bitkom-Befragung 93 Prozent der Unternehmen, dass sie einzelne Lösungen wie CRM, ECM oder ERP nutzen, weitere 4 Prozent planen oder diskutieren nach eigenen Angaben den Einsatz. Allerdings verwenden nur 48 Prozent Lösungen zur Digitalisierung von Dokumenten, 44 Prozent ein Workflow-Management etwa für Freigabeprozesse und 41 Prozent ein elektronisches Archiv und Dokumentenmanagement. Ein Output-Management, etwa zur Generierung von Dokumenten, setzen 35 Prozent ein, 27 Prozent haben digitale Lösungen zur bereichsübergreifenden Recherche von Unternehmensinformationen eingeführt, und 21 Prozent verwenden digitale Signaturen. In den kommenden Jahren könnte die Nutzung von Digital-Office-Lösungen deutlich steigen: Laut Bitkom planen oder diskutieren 39 Prozent der Unternehmen die Einführung von Output-Management-Systemen, 38 Prozent diskutieren über Workflow-Management und 37 Prozent über bereichsübergreifende Recherche von Unternehmensinformationen. Zudem wollen im laufenden Jahr 42 Prozent der befragten Unternehmen in die Digitalisierung ihrer Geschäfts- und Verwaltungsprozesse investieren. Unter den Großunternehmen ab 500 Beschäftigten liegt der Anteil mit 59 Prozent sogar noch deutlich darüber.

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Vor allem die digitale Kommunikation hat in den Unternehmen stark an Bedeutung gewonnen. Besonders der Einsatz von Messengern und Kollaborationstools hat durch die Corona-Pandemie deutlich zugelegt. So nutzen zwei Drittel (66 Prozent) häufig Messenger-Dienste, vor drei Jahren waren es nur 36 Prozent. Auch Videokonferenzen sind Standard geworden. 67 Prozent der befragten Betriebe nutzen sie häufig, vor drei Jahren waren es gerade mal 48 Prozent. Hier habe die Pandemie Veränderungen in der Kommunikation beschleunigt, die in den zurückliegenden Jahren bereits begonnen hätten, so die Bitkom. Zugleich aber werde das Tempo der Digitalisierung derzeit durch eine fehlende Digitalkompetenz in den Unternehmen gebremst. Denn laut Digitalverband verfügen nur noch 56 Prozent über die erforderlichen Mitarbeiter, um die Digitalisierung von Geschäfts- und Verwaltungsprozessen voranzutreiben.Vor einem Jahr standen noch 72 Prozent der Unternehmen digitalkompetente Mitarbeiter in ausreichende Zahl zur Verfügung. Und nur in knapp der Hälfte der Unternehmen (54 Prozent) verfügt das Management über die nötige Digitalkompetenz, um die Digitalisierungsprozesse voranzutreiben. Empfehlung der Bitkom: Wenn es in der Führungsetage an Expertise fehle, sollten unbedingt Digitalisierungsteams aufgestellt werden. Bitkom
   

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