INNUNGEN: Betriebe freuen sich über die Lockerungen der Corona-Maßnahmen

Entwicklungen machen Mut

Nicht nur die Friseurbetriebe sind froh über die gelockerten Corona-Maßnahmen. Auch den übrigen Branchen tut das positive Signal gut. Archivfoto: dpa

8.06.2021

Vertreter unserer heimischen Innungen berichten über die aktuelle Lage und ihre Hoffnungen für die Zukunft.

So langsam kann die Region wieder Luft holen: Die Inzidenzen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein, Olpe und Altenkirchen sind deutlich gesunken und die damit verknüpften Lockerungen der Corona-Maßnahmen geben Anlass zur Hoffnung auf ein wenig mehr Normalität in unser aller Alltag. Die Siegener Zeitung nahm dies zum Anlass und fragte stellvertretend bei verschiedenen Innungen nach, was die Lockerungen für die Betriebe bedeuten.


Die Stimmung ist positiver geworden.

Georg Sangermann
Obermeister der Bäckerinnung
Westfalen-Süd


- Fleischerinnung Siegen-Wittgenstein/ Olpe: „Wir sind sehr erleichtert, dass die Lage jetzt entspannter ist“, sagt Günter Janson aus Bad Laasphe. Der Obermeister der Fleischerinnung Siegen-Wittgenstein freut sich über zurückgewonnene Freiheiten. Allerdings ändere sich durch die Lockerungen für seinen eigenen Betrieb noch relativ wenig. „Wir dürfen nur zwei Personen in unseren Laden lassen, das ist schon schwierig und wird nicht immer von allen Kunden verstanden.“ Insgesamt hätten sich viele Fleischereien in Siegen-Wittgenstein in den vergangenen Monaten der Pandemie gut geschlagen: „Es ist ruhiger geworden, aber nicht schlechter.“ Es sei mehr gekocht worden, das zeige der gestiegene Ladenumsatz. Aber: Betriebe, die vom Cateringgeschäft oder einer Innengastronomie abhängig seien, sowie Imbisse hätten große Verluste zu verzeichnen. Für den Sommer und darüber hinaus wünscht sich der 69-Jährige mehr Stabilität. „Wir werden wohl mittelfristig nicht ohne das Virus leben können, ist meine Befürchtung. Aber ich hoffe, dass wieder mehr Geselligkeit möglich ist.“

Thomas Weber, Obermeister der Fleischerinnung Olpe, findet die Lockerungen nicht nur für die heimischen Betriebe wichtig, sondern für alle Menschen. Während der vergangenen Monate hätten die Kunden aber großes Verständnis für die unterschiedlichen Auflagen gezeigt und alle Corona-Maßnahmen mitgetragen. „Wir haben viel Zuspruch erfahren“, erinnert sich Weber an die zurückliegende Zeit. Vieles wurde von den Betrieben auch in Eigenregie gestemmt, um den Kunden das Einkaufen zu erleichtern. Der Obermeister der Fleischerinnung Olpe baute zum Beispiel vor seinem Geschäft ein Zelt samt Heizung auf, damit sich das Warten in der kalten Jahreszeit so angenehm wie möglich gestaltete. Ebenso wie Günter Janson weiß Thomas Weber, dass es manche Betriebe nicht leicht hatten oder teils noch haben: „Mit dem Wegfall von Catering-Aufträgen, der geschlossenen Gastronomie, dem Beliefern kleiner Feiern oder beispielsweise von Seminaren fielen große Umsatzträger weg.“ Thomas Weber hofft, dass sich die kommende Zeit nun wieder positiver gestaltet und die Zeiten des Lockdowns der Vergangenheit angehören.

Möbelhaus Heinrich Bald GmbH & Co. KG

- Bäckerinnung Westfalen-Süd: Georg Sangermann aus Oberveischede machen die aktuellen Entwicklungen Mut. „Die Stimmung ist positiver geworden“, stellt der Obermeister der Bäckerinnung Westfalen-Süd fest. Die Pandemie habe auch den Bäckereibetrieben einiges abverlangt. „Man muss hier aber differenzieren: Betriebe mit Ladengeschäften im ländlichen Raum laufen gut. Betriebe allerdings, die in Innenstädten liegen und hohe Pachtkosten haben, sehr gastronomielastig sind oder die ein Liefergeschäft unterhalten, zum Beispiel Kantinen oder die Gastronomie beliefern, sind stark betroffen“, erklärt Georg Sangermann.

Nach rund sieben Monaten, die die Cafés nun geschlossen waren, sei man froh, wieder öffnen zu dürfen. Auch wenn dies mit manchem Aufwand und der Schulung des Personals verbunden sei. Für die Zukunft hofft der Obermeister nun sehr auf „normale Verhältnisse“. Und: „Es wäre schön, wenn Verkäuferinnen und Verkäufer irgendwann einmal wieder ohne Masken hinter der Theke stehen dürften.“

- Friseurinnung Westfalen-Süd: Die Friseurbetriebe der Region wurden arg gebeutelt, wie Obermeisterin Andrea Simon berichtet. „Der erste Lockdown war schon sehr schlimm, aber durch die finanziellen Hilfen noch irgendwie zu überbrücken. Wer beim zweiten Lockdown keine Rücklagen hatte, für den wurde es sehr schwierig.“ Simon und ihre Kollegen sind froh darüber, dass sie ihre Läden nun wieder öffnen dürfen, dies sogar schon seit etwas Längerem. „Die Kunden freuen sich und wir sind alle froh, dass die Corona-Zahlen gesunken sind.“ Die Kunden hätten die unterschiedlichen Auflagen in der Vergangenheit gerne mitgetragen, wenn auch Mancher bei den Terminbuchungen zögerlicher als sonst gewesen sei. Dies habe vor allem an den geforderten Tests gelegen. Für die Zukunft hofft auch die Obermeisterin nun auf mehr Stabilität für ihre Branche – und darauf, dass kein Betrieb coronabedingt mehr schließen muss. „Persönlich freue ich mich wieder über die einfachen Dinge, wie beispielsweise einfach mal einen Cappuccino im Café zu trinken.“

Josef Heuel GmbH

- Innung des Kfz-Gewerbes Westfalen-Süd: Die Kfz-Betriebe konnten zum Teil das letzte Jahr gut überstehen, berichtet Oliver Klimke, Pressesprecher der Innung. Der Werkstattbetrieb hätte aufrecht erhalten werden können, allerdings seien wesentlich weniger Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs gewesen. „Daraus resultierte für viele Betriebe eine geringere Werkstattauslastung.“ Der Fahrzeugverkauf ging online und telefonisch weiter, im Gebrauchtwagenverkauf keine neue Situation. „Im Neuwagenverkauf ist aber die Beratung am Fahrzeug, die Bedarfsanalyse und vor allem die Probefahrt ein wichtiges Instrument, das wir in halbes Jahr lang nicht spielen konnten. Hinzu kommen Lieferschwierigkeiten gefragter und staatlich geförderter Hybrid- und Elektrofahrzeuge“, erklärt Klimke. Schwierigkeiten gibt es auch bei der Lieferung von Ersatzteilen einiger Hersteller. „Aktuell ist es leider sehr dramatisch geworden, die Halbleiterkrise betrifft nicht nur die Produktion der Fahrzeuge, sondern auch die Ersatzteilversorgung.“

Jede Lockerung wird von den Betrieben uneingeschränkt begrüßt. „Unsere Innung wünscht sich eine Corona-Pandemie, die nicht mehr unser Leben bestimmt und die Hoffnung auf ein ,normales’ Leben“, so Oliver Klimke. Katja Wehmeyer, kano
   

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