SIEGEN: Daniel Achenbach vom DAV Sektion Siegerland über seine Faszination für die Berge

Nur der Mensch ist gefragt

Bergsteigen, Klettern und Skitouren zählen zu den großen Leidenschaften von Daniel Achenbach. Der Hochtourenleiter des DAV Sektion Siegerland hat zahlreiche Berge aus eigener Kraft erklommen. Fotos: privat

9.10.2020

„Als ob der Kopf in eine Schneekugel hineingesteckt wird.“

Ob Kilimandscharo, Mont Blanc oder diverse Sechstausender – Berge, die viele Menschen nur aus Büchern, Dia-Vorträgen oder von Fotos kennen, erlebte Daniel Achenbach aus nächster Nähe. Der Leiter der Hochtourengruppe des Deutschen Alpenvereins (DAV) Sektion Siegerland hat ihre Gipfel aus eigener Kraft erklommen.

Und nicht nur sie: Erst im Frühjahr dieses Jahres bestieg der 41-Jährige beispielsweise den Pitz Palü, einen 3900 Meter hohen Berg in den Schweizer Alpen. „Ein unbeschreibliches Erlebnis“, erzählt er begeistert im Gespräch mit der SZ. Auf seiner Tour nutzten der gebürtige Hesse und seine Begleiter keine Hütten, sondern kochten ihr Essen selbst auf rund 3000 Metern Höhe: „Da bin ich Purist.“ Nachts wurde der Schlafsack unter dem freien Himmel ausgebreitet. „Den Sternenhimmel so zu erleben, war ein absolutes Highlight. Es fühlte sich an, als ob der Kopf in eine Schneekugel hineingesteckt wird.“


"Ich durfte viele Gäste mit Hilfe von einheimischen Guides auf Fünf- oder Sechstausender führen."

Daniel Achenbach
Extremsportler


Schon seit frühester Kindheit sind die Berge Daniel Achenbachs Steckenpferd. Ein altes Buch aus den 30er-Jahren über die Besteigung des Nanga Parbat begeisterte ihn derart, dass er im Alter von 14 Jahren kurzerhand die Hälfte seines Konfirmationsgeldes investierte, um an einer geführten Gletscherbegehung im Ötztal teilnehmen zu können. Klettererfahrungen sammelte er in den bis zu 14 Meter hohen Felsen in der Nähe seines Geburtsortes Niedereisenhausen, wo er auch zahlreiche Freunde für zukünftige Bergtouren fand. „Wochenendausflüge und Sommerurlaube in den Bergen wurden zum festen Bestandteil meiner wilden Jahre“, erinnert er sich.

2006 bot sich die Gelegenheit, das Hobby zum Beruf zu machen. Ein Kölner Unternehmen wollte Achenbach, der ursprünglich eine Ausbildung zum Schreiner sowie ein Studium mit der Fachrichtung „Holzingenieurwesen“, Richtung Möbelbau, absolviert hatte, als Leiter für seine Trekkingtouren.

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Von nun an führte ihn die Arbeit rund um den Globus: Afrika, Südamerika und vor allem Nepal wurden Schwerpunkte von Daniel Achenbachs Reisen. „Ich durfte viele Gäste mit Hilfe von einheimischen Guides auf Fünf- oder Sechstausender führen.“ Der Ausgangspunkt für diese anspruchsvollen Touren, berichtet er, habe manchmal mitten im Dschungel gelegen.

Seine Expeditionen in die unterschiedlichsten Länder dieser Erde sind inzwischen seltener geworden. Daniel Achenbach arbeitet heute als Ingenieur für ein bekanntes Unternehmen in Haiger und seine Familie ist für ihn zum Mittelpunkt seines Lebens geworden. Die Leidenschaft für die Bergwelt aber ist dennoch geblieben. Als Ehrenamtler im Deutschen Alpenverein gibt er sie gerne weiter. Neben der Leitung der Hochtourengruppe organisiert er hier seit 2018 auch die Aus- und Fortbildung der Trainer im Verein, kümmert sich um den sektionseigenen Ausrüstungsverleih und bietet Kurse und Führungen für die Mitglieder an.

In seiner Freizeit hält er sich in diversen Steinbrüchen im Sauerland sowie im DAV-Kletterzentrum in Siegen fit. „Hier kann jeder, der Lust hat, einsteigen.“ Einmal im Jahr bricht er mit den Mitgliedern des DAV zu einer Bergtour auf. Zuletzt ging es gemeinsam zum alpinen Klettern in die Ötztaler Alpen – bis zu 300 Meter hohe Wände wurden bei dieser Tour bezwungen.

Was treibt den Extremsportler an? Daniel Achenbach muss nicht lange überlegen: „Die Schönheit der Natur fasziniert mich und natürlich tut auch die Bewegung gut sowie das Erreichen eines Ziels. In den Bergen lässt es sich gut abschalten, es ist kein Platz für andere Gedanken. Nur der Mensch ist gefragt und die Technik bleibt außen vor.“

Welche Gipfel Daniel Achenbach noch ersteigen möchte, verrät er nicht. Nur so viel: „Am Wilden Kaiser in den Ostalpen gilt es noch eine Rechnung zu begleichen. Da waren wir mit 17,18 Jahren zu unerfahren und langsam, so dass wir die Tour damals abbrechen mussten. Da müsste ich eigentlich noch mal hin“, lacht er. kano
   

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