VIER WOHNTRENDS IM CORONA-JAHR 2021: Trends spiegeln Bedürfnisse, aber auch Sehnsüchte der Menschen wider

Das brauchen wir jetzt

Eiche ist aktuell ein sehr beliebtes Holz für Möbel. Auch Fritz Hansen greift für ein neues Produkt unter anderem dazu: für den Beistelltisch Stub (dänisch: Stumpf) von der Architektin Mette Schelde. Foto: dpa

6.03.2021

Was wir jetzt zu Hause brauchen, ist Geborgenheit, ein Stück Natur und einen Schreibtisch. Das sind die Einrichtungstrends 2021.

Das Zuhause war selten so sehr wie jetzt der Mittelpunkt unseres Lebens. In Zeiten, in denen vieles draußen nicht mehr möglich ist, in denen Restaurants, Bars, Theater, Fußballstadien, ja sogar Büros zu sind. Das verändert den Blick auf die Einrichtung.

„Wohnen ist im Moment nicht mehr Repräsentanz“, erklärt die Trendexpertin Gabriela Kaiser. Es kommen ja (fast) keine Gäste mehr. „Die Wohnung ist nun nur noch der Ort des Lebens.“ Damit ist gemeint: Wer neue Möbel kauft, will damit eigentlich immer auch anderen etwas über sich selbst sagen. Aber das ist jetzt nicht wichtig. Stattdessen rücken die eigenen Bedürfnisse stärker in den Fokus. Was braucht man fürs Homeoffice? Was fürs Homeschooling? Wie kann man zu dritt, zu viert, zu fünft wochenlang – besser! – aufeinanderhocken?

Die Antwort sind vier Wohntrends, die erstaunlicherweise gar nicht so neu mit Corona in unser Leben gekommen sind – die aber 2021 einen Höhepunkt erleben können. Da ist zum einen der über Jahre langsam anwachsende Trend zum flexiblen Arbeitsplatz im Wohnraum.

1. Ein echter Schreibtisch: Lange brauchte man keinen großen Schreibtisch mehr zu Hause, denn die kleinen Notebooks und Tablets machten die große Arbeitsplatte überflüssig. Zumal man damit auch gut am Esstisch und auf der Couch Schreibarbeiten erledigen konnte.

Nun aber, wo viele Arbeitnehmer erst mal nur noch von zuhause aus arbeiten dürfen und die Möglichkeit im Raum steht, dass Firmen auch langfristig das Homeoffice anbieten werden, fehlt dieser feste Arbeitsort dann doch wieder.

Der größte Trend 2021 könnte also der Arbeitsplatz zu Hause werden. Auffallend schicke und filigrane Schreibtische und Sekretäre, die hinter oder oberhalb der Arbeitsplatte noch Fächer bieten, finden sich vermehrt bei den Einrichtern im Programm.


"Wohnen ist im Moment nicht mehr Repräsentanz. Die Wohnung ist nun nur noch der Ort des Lebens."

Gabriela Kaiser
Trendexpertin


2. Möbel, die mehr können: Trend Nummer zwei ist die Multifunktionalität – und geht ein bisschen einher mit dem flexiblen Schreibtisch. Man findet ihn nun zum Ausklappen an Regalen oder zum Verstecken integriert im Kleiderschrank. Wo Platzmangel herrscht, müssen Möbel eben mehrere Funktionen erfüllen können. Außerdem ist man dankbar, wenn der Arbeitsplatz sich mit Feierabend wieder verstecken lässt und man mental besser abschalten kann.

3. Ein Stück Natur zu Hause: Trend Nummer drei ist ebenfalls ein alter Bekannter für die Einrichtungsbranche, der aber mehr denn je das aktuelle Bedürfnis der Menschen anspricht. Es ist die Natur. Wir wollen natürlich raus aus der Wohnung – und wir wollen zumindest in einem Garten oder im Grünen spazieren gehen.

Daher holt man sich mehr Pflanzen ins Haus, macht aus dem Balkon ein grünes Paradies – oder setzt auf grüne Motive. Bei den Tapeten zum Beispiel sind Dschungelmotive – in Kombination mit geometrischen Mustern – gefragt, teilt das Deutsche Tapeten-Institut mit. „Großformative Blumen werden von Rauten, Kreisen oder Strichen aufgebrochen und neu zusammengesetzt. Linien kreuzen oder lassen das Muster wie ein Puzzle in Kachel-Form erscheinen“, heißt es im Tapeten-Trendbericht für 2021. Selbst die Möbel haben Naturbezug, auch wenn man oft erst mal die Idee der Designer kennen muss, um das zu sehen: Sie lassen sich zum Beispiel von Landschaften inspirieren wie die Kreativen der japanischen Marke Karimoku Case Study von der skandinavischen Küste.

Und nach wie vor bleibt unter den Hölzern für Möbel die gute alte Eiche die Trendigste, berichtet Ursula Geismann von der Initiative Furnier+Natur. Insgesamt werden Hölzer in hellen, natürlichen Tönen verwendet, also weniger dunkel gebeizt oder lackiert.

4. Einrichtung zum Einkuscheln und Einigeln: Trend Nummer vier ist die Gemütlichkeit. Wir brauchen nun ein Gefühl von Wärme, Geborgenheit und Sicherheit im Zuhause. Das lässt sich auch über Einrichtung, vor allem über Dekoration gewinnen.

„Das Gefühl erzeugen nicht die glatten Satin-Kissen, sondern eher flauschige Nicki- und Teddy-Stoffe – also Stoffe zum Kuscheln“, erklärt Trendexpertin Kaiser. Viele Hersteller arbeiten auch daran, ihren Stoffen etwa für Vorhänge oder Raumtrennung einen stärker haptischen Eindruck zu geben – sie haben Strukturen, die zum Anfassen und Erkunden animieren.

Der Hersteller Kinnasand (Kvadrat) spricht zum Beispiel seiner neuen Textilkollektion namens Monotypes eine „sinnliche Wirkung“ zu. Das wird erreicht durch eine Mischung: Die Stoffe der Kollektion setzen sich aus den Kontrasten wärmender Wolle, der Textur von Hanf, der Weichheit von Lyocell und der Kühle von recyceltem Polyester zusammen.

Daneben finden Teppiche, Dekorationen und Möbel mit weichen, runden Formen gerade besonders Anklang. Eben alles, was eine gemütliche Höhle schafft.

5. Homing 2.0: In den vergangenen Jahren sprach man gerne von einer „neuen Gemütlichkeit“ fürs Zuhause, oder auch vom „Cocooning“ – was im Grunde ein bewusstes Sich-Einigeln bedeutet. Danach kam der Trend zum „Homing“, der Wunsch nach einem schönen Haus, in dem viel Zeit auch zum Beispiel mit Gästen verbracht wird.

Die Trendexperten der – wegen Corona ausgefallenen – Messe IMM haben nun für das besondere Jahr 2021 eine Steigerung dessen ausgerufen: das „Homing 2.0“. Dazu heißt es in dem Trendbericht: „Das Zuhause wird zum Schutzraum und spendet Geborgenheit.“ Weil wir nun mal gerade meistens daheim sind. Und weil wir Geborgenheit gerade so sehr brauchen. dpa
    

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