SIEGEN/OLPE: Die Industrie- und Handelskammer vermeldet eine nicht zufriedenstellende Lehrstellenbilanz

Es fehlen die Bewerber

2020 schlossen die IHK-zugehörigen Unternehmen insgesamt 415 Lehrverträge weniger ab als im Vorjahr. Foto: pixabay

31.05.2021

Die Rückgänge im Lehrstellenvolumen vollzogen sich in beiden Kreisen nahezu gleichgewichtig.

Die IHK-zugehörigen Unternehmen in Siegen-Wittgenstein und Olpe schlossen im Jahr 2020 insgesamt 1821 Lehrverträge ab – 415 weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Rückgang beträgt 18,6 Prozent. „Seit über 31 Jahren befasse ich mich mit dem regionalen Lehrstellenmarkt. Ich kann mich nicht erinnern, dass wir in dieser Zeit einmal einen derartigen Einbruch an Verträgen hinnehmen mussten“, kommentierte IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener die nicht zufriedenstellende Lehrstellenbilanz 2020. Diese Einbrüche setzen sich laut einem Pressetext bislang für 2021 fort, auch wenn es noch deutlich zu früh für eine abschließende Bewertung ist. Wichtig zu wissen: Das liegt vor allem am Rückgang bei den Bewerbungen. Die Corona-Pandemie habe sich dabei deutlich negativer auf der Nachfrageseite als beim betrieblichen Angebot von Ausbildungsplätzen bemerkbar gemacht. 

Die Rückgänge im Lehrstellenvolumen vollzogen sich in beiden Kreisen nahezu gleichgewichtig. Die IHK-zugehörigen Unternehmen im Kreis Olpe schlossen 2020 insgesamt 611 Lehrverträge ab. Dort fiel das Minus mit 21,6 Prozent nur unwesentlich stärker aus als im Kreis Siegen-Wittgenstein, wo der Rückgang mit 1210 eingetragenen Lehrverträgen „lediglich“ bei 17 Prozent lag. Naturgemäß war eine erhebliche Spreizung in den unterschiedlichen Berufen zu beobachten. IHK-Geschäftsführerin Sabine Bechheim: „In den industriellen Metallberufen fiel mehr als jeder fünfte Ausbildungsplatz weg. Bei den Industriekaufleuten war es sogar jede vierte Lehrstelle. Hier betrug das Minus 25,6 Prozent. Das ist schon sehr heftig ausgefallen.“

Doch es habe durchaus auch Lichtblicke gegeben. So sei die Zahl der Lehrverträge im gesamten Handel lediglich um 8,9 Prozent gefallen, in den Lagerberufen habe der Rückgang sogar nur bei 4,2 Prozent gelegen. Sorgen bereitet der IHK, dass sich die schwachen Eintragungszahlen mittelfristig auf die ortsnahe Beschulung in den Berufskollegs auswirken könnten.


"Wir sollten dennoch mit Zuversicht ins neue Ausbildungsjahr starten."

Klaus Gräbener, IHK-Hauptgeschäftsführer


„Zu den Rückgängen haben neben der fehlenden Berufsorientierung sicher die Hiobsbotschaften zu Kurzarbeit und Auftragsrückgängen beigetragen. Doch das Blatt wendet sich. Die Konjunkturdaten gehen zumindest teilweise wieder aufwärts, so dass es sich lohnt, jetzt aktiv auf Betriebe zuzugehen,“ ist sich Sabine Bechheim sicher.

Erhebliche Unterschiede verzeichnete die IHK vergangenes Jahr zwischen den einzelnen Städten und Gemeinden. In keiner einzigen der 18 Kommunen gelang es den Unternehmen auch nur annähernd, die im Jahr 2019 erzielte Anzahl der Lehrverträge zu erreichen.

Im Kreis Olpe waren die „niedrigsten“ Rückgänge in Attendorn (-15,9 Prozent) und Wenden (-16,5 Prozent) zu verzeichnen. Am schlechtesten sah es in Kirchhundem (-28,2 Prozent) und Lennestadt (-27,5 Prozent) aus. Im Altkreis Siegen sanken die Lehrverträge in Netphen (-7,4 Prozent), Freudenberg (-9,9 Prozent) und Hilchenbach (-11,6 Prozent) noch halbwegs moderat. Am deutlichsten waren hier die Rückgänge in Neunkirchen (-30 Prozent) und Wilnsdorf (-26,8 Prozent).

In den drei Wittgensteiner Kommunen schlossen die Unternehmen 141 Ausbildungsverträge, 2019 waren es noch 186. „Spitzenreiter“ bei den Rückgängen war hier Erndtebrück mit einem Minus von 34,2 Prozent. Nur wenig besser sah es in Bad Laasphe (-25 Prozent) und in Bad Berleburg (-20 Prozent) aus. Wie sich dies in den Kommunen für 2021 entwickeln wird, ist noch offen. Klaus Gräbener: „Wir bewegen uns momentan zwar in schwierigem Fahrwasser, sollten aber dennoch mit Zuversicht ins neue Ausbildungsjahr starten. Angst ist schließlich immer ein schlechter Ratgeber.“ sz
   

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