Nicht jeder kann die Festtage im Kreise seiner Liebsten verbringen. Viele Menschen in der Region müssen an Heiligabend und den Feiertagen arbeiten.

Weihnachten im Dienst

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Stefan Kober, 59 Jahre, Küster der Ev. Nikolai Kirchengemeinde Siegen

Seit sechs Jahren ist Stefan Kober als Küster für die Nikolaikirchengemeinde in Siegen tätig. Die Weihnachtszeit beginnt für ihn bereits im Hochsommer, wenn das Thermometer draußen satte 30 Grad anzeigt. „Dann besprechen wir bereits die Details für die zentralen Veranstaltungen im Dezember“, berichtet der 59-Jährige. Der Weihnachtsmonat ist für ihn angefüllt mit Veranstaltungen jeglicher Form: Hier müssen beispielsweise Räume umgebaut und die Kirche für die verschiedenen Andachten vorbereitet werden. Auch an Heiligabend und einem von beiden Feiertagen ist Stefan Kober regelmäßig im Dienst. Für eine Adventsandacht vor zwei Jahren musste das Team der Kirchengemeinde vollen Einsatz zeigen. „Die Waldgenossenschaft hatte es sehr gut mit dem Weihnachtsbaum gemeint und Baum und Ständer wollten nicht recht zueinander finden“, erinnert sich Stefan Kober schmunzelnd. „Da es nur ein kleines Zeitfenster gab, um den Baum zu schmücken, musste kurzerhand die Motorsäge zum Einsatz kommen.“ So durchströmte noch zu Beginn der Christmette der aromatische Duft von Sägespänen das Gotteshaus. Ein schönes Ritual vor den Weihnachtsgottesdiensten ist für Stefan Kober das Zusammenkommen zu einem gemeinsamen Gebet und zu einem Moment der Ruhe in der Sakristei. „Das ist ein toller Augenblick, an dem man teilhaben darf.“ Wenn dann Heiligabend um 23 Uhr die ersten Töne des Weihnachtsoratoriums erklingen und Stefan Kober seinen Platz in der Kirche eingenommen hat, „ist das ein ganz bewegender Moment“.
    

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Ute und Georg Emmerink, Betreiber-Ehepaar zweier ARAL-Tankstellen in Siegen

Allerletzte Besorgungen tätigen, wenn die Geschäfte schon längst geschlossen haben? Ja, das geht, wenngleich das sicherlich nicht auf alle Lebensmittel zutrifft. Zugegeben: Eine Tankstelle ist zwar eher zum Tanken da, doch Klopapier, Pizza und Sprudelwasser können auch hier im Fall der Fälle erworben werden. Zwei Betreiber, die ein solches Angebot auch an Sonn- und Feiertagen bereithalten, sind Ute und Georg Emmerink. Das Ehepaar führt seit vielen Jahren zwei ARAL-Tankstellen im Siegener Stadtgebiet: seit 1982 die an der Koblenzer Straße und seit 2007 eine an der Marienborner Straße. Mitarbeiter zu finden, die Heiligabend beziehungsweise an den beiden Weihnachtsfeiertagen freiwillig den Dienst übernehmen, sei tatsächlich gar nicht so schwierig, wie man vielleicht denken mag, sagt Ute Emmerink. „Gerade an solchen Tagen finden sich immer wieder Leute, die sagen, dass sie gerne arbeiten und den Dienst übernehmen.“ In diesem Jahr seien das glücklicherweise wieder einige studentische Aushilfskräfte, aber auch Festangestellte seien im Einsatz. Schließlich ist die „Tanke“ an der Koblenzer Straße auch diesmal wieder über die Weihnachtstage geöffnet – und das 24 Stunden am Tag. Wenn Kunden an den Feiertagen die Tankstelle betreten, „dann wünscht man sich schöne Feiertage, das war es aber dann eigentlich auch schon“, sagt Ute Emmerink. Weihnachtliche Stimmung? Nicht unbedingt. Das sei früher noch anders gewesen, erinnert sich die Inhaberin: „Vor 20 oder 30 Jahren hat es Nachbarn gegeben, die leider heute nicht mehr unter uns sind, die sind mit Kuchen und Keksen gekommen und auch längere Zeit bei uns geblieben. Man hat gesprochen und gelacht. Heute ist leider alles schnelllebiger geworden. Aber das ist eben der Gang der Dinge.“
    

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Jennifer Kral, 34 Jahre, Polizeioberkommissarin bei der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein

Die Polizei, unser Freund und Helfer, wird immer gebraucht – und das natürlich auch an den Weihnachtsfeiertagen. Für Jennifer Kral, die in Kierspe lebt und in Siegen in der Leitstelle der Kreispolizeibehörde arbeitet, ist das nicht schlimm. „Den Weihnachtsdienst machen wir eigentlich alle ganz gerne, es ist ein besonderer Dienst“, sagt die Mutter eines zweijährigen Sohnes. Nicht nur draußen im Dienst auf der Straße sei am Heiligen Abend eine besondere Stimmung, sondern auch unter den Kollegen in den jeweiligen Polizeiwachen: „Jeder bringt etwas zu essen mit und dann wird gemeinsam gegessen.“ Der Weihnachtsbaum darf dabei natürlich nicht fehlen, er wird schon im Vorfeld in der Dienststelle aufgestellt. Der Dienst erfolgt reihum, jeder ist mal an der Reihe. Insgesamt geht es an den Feiertagen schon etwas ruhiger zu – überflüssig sind die Ordnungshüter aber trotzdem nicht. Das bestätigt Michael Zell, der bei der Kreispolizeihörde zuständig ist für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. So gebe es gerade an Weihnachten vermehrt Einsätze wegen verschiedener Konflikte in der Familie. „Viele Menschen hocken dann zu lange aufeinander, andere vertragen den Alkohol nicht“, weiß er. Jennifer Kral, die junge Polizisten, die selbst in einer Polizeifamilie aufgewachsen ist, verbindet – beruflich gesehen – aber auch positive Einsätze mit dem Weihnachtsfest. An das Jahr 2013, als sie während eines Auslandseinsatzes im Kosovo weilte und dort die Festtage verbringen musste, erinnere sie sich zum Beispiel sehr gerne. „Wir waren relativ alleine auf weiter Flur. Dann haben uns die Bewohner um uns herum zu sich nach Hause eingeladen und waren einfach unglaublich herzlich zu uns. Aus einem Weihnachtsfest ohne Familie wurde ein Weihnachtsfest mit Freunden.“ Und – auch wenn sie selber nicht dabei war – noch einen Einsatz verbinde sie mit dem Weihnachtsfest. Es war 1978, als ihr Großvater sowie dessen Kollege zu einem Verkehrsunfall auf einer Steigungsstrecke gerufen wurden. „Die beiden sind mit ihrem Einsatzwagen, die früher natürlich noch nicht so schnell und gut waren wie heute, dorthin gefahren. Der etwas korpulentere Beifahrer meines Opas musste sich dann vorne auf die Motorhaube setzen, so dass man bei der schlechten Witterung überhaupt die Steigungsstrecke hinaufkam. Dort trafen sie dann auf den Weihnachtsmann, also einen verkleideten Mann, der Geschenke im Krankenhaus verteilen wollte. Da sein Auto nicht mehr fahrbereit war, übernahmen mein Opa und sein Kollege den Dienst und brachten den Weihnachtsmann höchstpersönlich ins Krankenhaus.“
     

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Stefan Biehl, 59 Jahre, Notfallsanitäter, Praxisanleiter und Desinfektor der Rettungswache Kreuztal

des DRK-Kreisverbands Siegen-Wittgenstein Der Dienstplan für die Weihnachtstage auf der Rettungswache Kreuztal steht fest: Stefan Biehl wird einen der beiden Feiertage übernehmen und im Rahmen seiner 24 Stunden andauernden Schicht für die Menschen in der Region da sein, wenn sie Hilfe benötigen. Der Notfallsanitäter, Praxisanleiter und Desinfektor des DRK-Kreisverbands Siegen-Wittgenstein ist seit fast 30 Jahren hauptamtlich im Rettungsdienst tätig. Das Arbeiten an Weihnachten gehört zu seinem Berufsalltag dazu. Um die Besonderheit dieser Tage auch auf der Rettungswache einzufangen, stellen Stefan Biehl und seine Kollegen regelmäßig einen Christbaum auf und kochen gemeinsam ein festliches Menü. Das darf auch ruhig schon mal aus mehreren Gängen bestehen. „Sie können sich allerdings über Stunden hinziehen, wenn wir zu einem Einsatz gerufen werden“, erzählt er. Die Notrufe, die an Heiligabend und den Feiertagen eingingen, seien ganz unterschiedlich. Oftmals spiele hier auch die soziale Komponente eine Rolle, wenn an Weihnachten die Einsamkeit nur schwer alleine auszuhalten sei. Dann versuchen die Mitarbeiter im Rettungsdienst neben der praktischen Hilfe, die sie leisten, auch etwas Trost zu spenden. Der enorme Einsatz der Rettungsteams das ganze Jahr über wird auch von der DRK-Leitung entsprechend gewürdigt. Sie stattet an den Weihnachtstagen allen acht DRK-Rettungswachen im Kreisgebiet einen Besuch ab und spricht den Mitarbeitern ihren Dank aus.


Birkenhof-Brennerei GmbH

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Jan Chaloupek, 32 Jahre, Leitstellendisponent bei der Kreisleitstelle Siegen-Wittgenstein

Ob Adventskranz, Teelicht oder Weihnachtsbaum: In den kommenden Wochen werden zuhause wieder viele Kerzen angezündet. Umso größer ist naturgemäß auch die Brandgefahr. Da tut es gut zu wissen, dass es überall im Kreisgebiet Männer und Frauen gibt, die im Fall der Fälle Brände schnell und erfolgreich löschen können. Eine Vielzahl von ihnen leistet seinen Dienst ehrenamtlich, andere tun das hauptberuflich. Jan Chaloupek zum Beispiel, der in der Kreisleitstelle Siegen-Wittgenstein als Leitstellendisponent arbeitet. Er nimmt die Notrufe entgegen, die unter der 112 eingehen, und alarmiert die jeweils zuständige Löschgruppe. Wie in den vergangenen Jahren wird der 32-Jährige auch in diesem Jahr wieder an Heiligabend arbeiten. Von 7 Uhr morgens bis zum ersten Weihnachtsfeiertag, insgesamt 24 Stunden lang. Der Weihnachtsdienst sei für ihn eine Selbstverständlichkeit. „Wir sprechen uns in der Dienstgruppe ab“, sagt Jan Chaloupek. „Im Gegensatz zu anderen habe ich noch keine Kinder und deshalb ist es doch ganz klar, dass ich dann auch Weihnachten den Dienst übernehme.“ Was den Brandmeister, der in Plettenberg wohnt und seit Mai 2018 in Siegen arbeitet, am 24. Dezember erwartet? Auf jeden Fall schon mal ein weihnachtlich geschmückter Dienstsitz. „Wir haben bei uns im Leitstellenraum eine Lichtergirlande und ein Bäumchen. Weihnachtliche Stimmung ist also da“, weiß Jan Chaloupek. Und wenn auch diesmal wieder alles so läuft wie in den vergangenen Jahren, dann dürfte es tatsächlich auch ein eher ruhiger Dienst für den 32-Jährigen und seine diensthabenden Kollegen werden: „Man merkt schon, dass es Weihnachten insgesamt weniger Einsätze sind als sonst. Wenn jemand anruft und es brennt, dann brennt meistens der Adventskranz auf dem Tisch oder es ist ein Schornsteinbrand.“
     

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