Vier Sonntage – vier Kerzen. Übermorgen beginnt die Adventzeit und wir dürfen endlich die erste Kerze anzünden. Viele Lichter gehören dazu, Süßigkeiten auch, ebenso die zahlreichen Weihnachtsmärkte in der Region.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt... 

Viele Menschen aber nutzen die gemütliche Vorweihnachtszeit tatsächlich auch als Zeit zur Besinnung. Warum aber feiern wir eigentlich den Advent–und was bedeutet er? Antworten gibt Wolfgang Winkelmann, Pfarrer in der Katholischen Kirchengemeinde St. Michael Siegen.

WAS GENAU IST EIGENTLICH ADVENT UND WARUM FEIERN WIR IHN GLEICH VIER SONNTAGE LANG?

Der Name Advent geht zurück auf das lateinische Wort “Advenire” (ankommen). Wir erwarten in dieser Zeit das Kommen unseres Herrn Jesus Christus in unsere Welt. Dieses Fest feiern wir bekanntlich am 25. Dezember (übrigens nicht am 24. Dezember); früher begannen die sogenannten „Christmetter“ immer erst um 24 Uhr, so feierte man in den Weihnachtstag hinein.

Advent ist eine Vorbereitungszeit. Im 6. Jahrhundert hat Papst Gregor der Große die Zahl der Adventssonntage auf vier Sonntage festgelegt. Wie die Fastenzeit soll diese Zeit eigentlich eine Bußzeit sein, aber dies ist in der heutigen Zeit verloren gegangen.

UND WARUM IST DIE ADVENTSZEIT FÜR UNS CHRISTEN SO WICHTIG?

Wir Christen feiern im Kirchenjahr große Feste, unter anderem auch das Weihnachtsfest. Es ist sinnvoll, sich auf die Ankunft des Gottessohnes in unsere Welt vorzubereiten. Leider wird jedoch die Weihnachtszeit - die ja wie erwähnt erst am 25. Dezember beginnt - schon im Advent vorweggenommen. Bedauerlicherweise beginnt heute schon nach Allerheiligen für viele die sogenannte Vorweihnachtszeit. Etwas mehr Besinnung würde uns jedoch gut tun. Schade, dass diese Zeit so hektisch geworden ist.

WAS IST IHNEN PERSÖNLICH DENN WICHTIG IN DER ADVENTSZEIT?
    

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Für mich ist die Adventzeit auch eine Zeit der Ruhe und der Besinnung. Besonders freue ich mich auf die besinnlichen Gottesdienste in dieser Zeit. Die sogenannten Roratemessen (Lichtgottesdienste) weisen auf das kommende Fest hin. Sie sollen möglichst am frühen Morgen gefeiert werden. Bei uns in der St. Michaelskirche feiern wir sie zum Beispiel jeden Freitag um 6 Uhr. So wird deutlich: Das Licht will zu uns kommen in unsere oft dunkle Zeit.

ALSO SOLLTE DAS WEIHNACHTSFEST FÜR UNS ALLE MEHR SEIN ALS NUR „GESCHENKEAUSPACKEN“ UND „GUTES ESSEN“?

Wir beschenken uns ja, weil Gott uns in seinem Sohn Jesus Christus beschenkt hat. Geschenke und gutes Essen gehören zum Fest, aber der eigentliche Grund soll nicht vergessen werden. Es gehört dazu, an diesem Fest auch die Gottesdienste am Heiligen Abend oder an den beiden Weihnachtstagen zu besuchen. Das tun heute nur noch weniger als die Hälfte aller Christen.

THEMENWECHSEL. WAS GIBT ES DENN WEIHNACHTEN BEI IHNEN ZU ESSEN? WIE VERBRINGEN SIE DAS FEST?

Traditionell bin ich am Heiligen Abend zum Essen bei unserem Diakon und seiner Frau eingeladen. Am 1. Weihnachts tag fahre ich zu meiner Mutter und den Geschwistern, dort gibt es jedes Jahr Westfälischen Sauerbraten. Richtig Weihnachten feier ich erst nach Neujahr. Ich bin dann immer für ein paar Tage im Gästehaus eines Klosters und kann mich dort richtig besinnen, zur Ruhe kommen und die Weihnachtzeit genießen.

WAS FASZINIERT SIE DENN AM WEIHNACHTSFEST?

Dass Gott uns immer neu mit seinem Sohn an Weihnachten beschenkt. Dieses Geschenk sollten wir immer wieder neu annehmen. Privat würde ich mir wünschen, dass das Weihnachtfest für uns alle eine gesegnete Zeit ist trotz all der Hektik.

NIKOLAUS, WEIHNACHTSMANN ODER CHRISTKIND: WEN WÜRDEN SIE GERNE MAL TREFFEN UND SPRECHEN – UND WORÜBER?

Ich würde gerne mal das Christkind, das heißt Jesus Christus treffen und ihn fragen, was er von seiner Kirche hier auf Erden hält. Ich denke, er würde uns Einiges hinter die Ohren schreiben!

MÖCHTEN SIE UNSEREN LESERN ABSCHLIESSEND NOCH ETWAS MIT AUF DEN WEG GEBEN?

Ich wünsche allen Lesern eine eher besinnliche Adventszeit und dann ein frohes und segenreiches Weihnachtsfest!
    

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