SIEGEN: Das Landgericht Siegen ist das jüngste Gericht im Bezirk des OLG Hamm

Ort der Gerechtigkeit

  • Das Landgericht Siegen wurde vor 87 Jahren gegründet. Seit 1976 sind das Amts- und Landgericht sowie die Staatsanwaltschaft im Hochhaus an der Berliner Straße untergebracht. Das Gebäude wird gerne auch als „Kachelofen“ von Siegen bezeichnet. Fotos: Michael Wetter

Das Landgericht Siegen ist das jüngste Gericht im Bezirk des Oberlandesgerichts Hamm. Es wurde nach langen Bemühungen des Magistrats der Stadt, der Anwaltschaft, aber auch der Bevölkerung durch Gesetz vom 23. Juni 1933 am 1. Oktober 1933 gegründet, heißt es seitens des Justizportals NRW. Von den 19 Amtsgerichten des Arnsberger Landgerichtsbezirkes wurden die inzwischen aufgelösten Amtsgerichte Attendorn, Burbach, Grevenbrück, Hilchenbach, Kirchhundem und Laasphe sowie die noch bestehenden Amtsgerichte Bad Berleburg, Olpe und Siegen dem neuen Landgerichtsbezirk Siegen zugeteilt. Die Amtsgerichte Grevenbrück und Kirchhundem hat man im Zuge der kommunalen Neugliederung gerichtsorganisatorisch zum Amtsgericht Lennestadt zusammengefasst.


Justizgebäude sticht auch architektonisch hervor.


Als Sitz des Landgerichts wurde das Untere Schloss ausgewählt. Dieses diente bereits seit 1864 als Logis des damaligen Kreisgerichts Siegen. Durch heftige Luftangriffe auf die Stadt wurde das Gebäude des Gerichts und der Staatsanwaltschaft im Zweiten Weltkrieg total zerstört. Nahezu alle Akten waren verbrannt. Nachdem am 9. August 1945 das Landgericht Siegen wieder eröffnet wurde, nahm auch die Siegener Justiz ihre Tätigkeit erneut auf.
     

Dem Landgerichtsbezirk Siegen gehören aktuell insgesamt vier Amtsgerichte an. Sie befinden sich in Olpe, Lennestadt, Siegen und Bad Berleburg (im Bild).
Dem Landgerichtsbezirk Siegen gehören aktuell insgesamt vier Amtsgerichte an. Sie befinden sich in Olpe, Lennestadt, Siegen und Bad Berleburg (im Bild).

Der Geschäftsanfall und der Mangel an Sitzungssälen führten dazu, dass Land- und Amtsgericht, aber auch die Staatsanwaltschaft zunehmend unter Raummangel litten, so dass die Pläne für einen Neubau des Gerichtsgebäudes reiften.

Seit Mai 1976 gehen Amts- und Landgericht sowie die Staatsanwaltschaft ihren Aufgaben im Hochhaus an der Berliner Straße nach, das mit einem Augenzwinkern auch als der „Kachelofen“ von Siegen bezeichnet wird. Das Justizgebäude galt seinerzeit als modernstes des Landes, heißt es auch in einem Beitrag zur Festschrift 200 Jahre OLG Hamm. „Architektonisch besticht es durch den Hochhausturm. Eine Besonderheit ist die integrierte Brücke – die fußläufige Verbindung zu dem Flachbau auf der gegenüberliegenden Straßenseite – vom Volksmund liebevoll als ,Beamtenlaufbahn‘ bezeichnet. Der Baustil der 70er Jahre war gekennzeichnet von Klarheit, Funktionalität und Sachlichkeit. Hinsichtlich deren Wir kung kommt es jedoch entscheidend auf den Betrachter an. Unvergessen ist die Amtseinführungsrede des früheren Landgerichtspräsidenten Dr. Helling, in der er seinen ersten Eindruck von dem Gebäude beschrieb: Die zahlreichen getönten Fensterscheiben reflektierten das Sonnenlicht nicht, sondern sie sammelten es und hielten es fest, als strahle etwas von innen – wie ein Kachelofen, dessen Wärme nach außen dringe. Die Siegener Bürger würden spüren, dass von einem Ort der Gerechtigkeit auch wohltuende Wärme ausgehen könne.“

Heute sind beim Landgericht Siegen sechs Strafkammern, zwei Strafvollstreckungskammern und sieben Zivilkammern gebildet. Rund 100 Mitarbeiter sind in in den einzelnen Dienstzweigen beschäftigt. sz

Auf einen Blick

- Das Landgericht Siegen ist für insgesamt rund 411 000 Menschen zuständig.
- Amtsgericht Siegen: rund 237 000 Menschen
- Amtsgericht Bad Berleburg: rund 40 000 Menschen
- Amtsgericht Olpe: rund 80 000 Menschen
- Amtsgericht Lennestadt: rund 54 000 Menschen

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Dr. Schon
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