Grußwort vom Präsidenten des OLG Hamm, Johannes Keders

Jahre der Veränderung

  • Das OLG Hamm, das größte Oberlandesgericht in Deutschland, blickt in diesen Tagen auf seine 200-jährige Geschichte zurück. Foto: OLG Hamm

Am 20. April 1820 entschied König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, das Oberlandesgericht zum 1. Juli 1820 von Kleve nach Hamm zu verlegen. Zum damaligen Zeitpunkt wird niemand auch nur eine vage Vorstellung davon gehabt haben, welche Entwicklung das Gericht in den folgenden 200 Jahren nehmen würde.

Residierend in einer Stadt, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts gerade einmal etwa 4900 Menschen beheimatete, wuchsen die Geschäfte des Gerichts durch die rasante Industrialisierung des Ruhrgebiets und die damit verbundene enorme Zunahme der Bevölkerung stark an.


Aufbau der Rechtsprechung

Folgerichtig wurden im Zuge der Reichsjustizreformen die zuvor vier westfälischen Obergerichte in Münster, Hamm, Paderborn und Arnsberg im Jahr 1879 in dem Oberlandesgericht Hamm vereinigt. Aus der Geschichte des Oberlandesgerichts in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bleibt das Unrecht der nationalsozialistischen Diktatur in Erinnerung, welches auch von Teilen der Justiz des Oberlandesgerichtsbezirks Hamm willfährig umgesetzt wurde.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte die Rechtsstaatlichkeit, auch in die Säle des Oberlandesgerichts, zurück. Heute, nach genau 200 Jahren, bietet sich die Gelegenheit, auf eine ereignisreiche Zeit zurückzublicken. Verändert haben sich nicht nur die Rahmenbedingungen. So zählt die Stadt Hamm ca. 180 000 Einwohner und das Oberlandesgericht ist – mit etwa 9 Mio. Einwohnern in seinem Bezirk – das größte Oberlandesgericht der Bundesrepublik Deutschland.
    

Johannes Keders, Präsident des OLG Hamm. Foto: Fotografie Golz
Johannes Keders, Präsident des OLG Hamm. Foto: Fotografie Golz

Dieser fast 22 000 km² große Bezirk umfasst mit dem Münsterland, Ostwestfalen/ Lippe, dem Sauer- und Siegerland und dem Ruhrgebiet fast zwei Drittel der Fläche Nordrhein-Westfalens. In ihm gewährleisten neben dem Oberlandesgericht zehn Landgerichte und 77 Amtsgerichte die Rechtsprechung der ordentlichen Gerichtsbarkeit.

Das für das Siegerland zuständige Landgericht Siegen wurde 1933 eingerichtet. Das übergeordnete Oberlandesgericht Hamm mit seinen etwa 950 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter über 200 Richterinnen und Richtern, nimmt vorwiegend zweitinstanzliche Aufgaben der Rechtsprechung im Zivil-, Familien- und Strafrecht sowie umfangreiche Aufgaben der Gerichtsverwaltung wahr.

Ein Justizprüfungsamt für die erste juristische Staatsprüfung sowie der Dienstgerichtshof für Richter und der Anwaltsgerichtshof des Landes Nordrhein-Westfalen sind dem Oberlandesgericht angegliedert. Die Generalstaatsanwaltschaft Hamm ist in demselben Gebäude untergebracht. Ich bin überzeugt, dass das Oberlandesgericht Hamm auch in Zukunft wirkungsvoll Recht sprechen und seine vielfältigen Aufgaben im Gefüge unseres Rechtsstaats zuverlässig erfüllen wird. Allen Leserinnen und Lesern der Siegener Zeitung wünsche ich eine angenehme Lektüre.

Johannes Keders (Präsident des OLG Hamm)
    

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