HAMM: Das Oberlandesgericht weitete sich mit den stets steigenden Ansprüchen und Herausforderungen aus

In Jahrzehnten gewachsen

  • Das Oberlandesgericht Hamm blickt jetzt auf eine spannende Geschichte zurück: In diesem Jahr feiert die Institution ihr 200-jähriges Bestehen. Anfangs diente ein Geschäftsgebäude am Markt als Gerichtsgebäude. Foto: OLG Hamm

Das Oberlandesgericht Hamm blickt auf eine vielseitige 200-jährige Geschichte zurück. Der Blick in die Chronik zeigt dies eindrucksvoll: „Aufgrund der Kabinettsorder des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. wird das Oberlandesgericht 1820 von Kleve nach Hamm verlegt“, heißt es auf der Homepage des OLG Hamm. „Als Gerichtsgebäude dient ein dem preußischen Staat gehörendes Geschäftsgebäude am Markt, in dem bis zur französischen Besetzung die preußische Kriegs- und Domänenkammer untergebracht war.

Am 7. Januar 1864 zerstört ein Brand den westlichen Anbau des Gerichtsgebäudes, der in den Jahren 1865/1866 wieder aufgebaut wird. Ein weiterer Anbau an der Brüderstraße wird 1874/1875 errichtet. In diesem Anbau hält das Hammer Kreisgericht seine Sitzungen ab.


Das Justizgebäude umfasst heute rund 35 000 Quadratmeter.


Nach vierjähriger Bauzeit beziehen das Oberlandesgericht Hamm und mit ihm das Amtsgericht sowie die Staatsanwaltschaft im Jahre 1894 ein neues Geschäftsgebäude am damaligen Friedrichsplatz (heute Theodor-Heuss-Platz) in Hamm.

Von unmittelbaren kriegerischen Ereignissen bleiben die Stadt Hamm und mit ihr das Oberlandesgericht im Ersten Weltkrieg verschont. Allerdings fallen 27 Beamte der Justizbehörden und Rechtsanwälte des Hammer Bezirks. Zu ihrem Gedenken wird 1932 ein – im damaligen Oberlandesgerichtsgebäude am Friedrichsplatz feierlich enthülltes – Ehrenmal geschaffen.

Ab 1943 erschweren die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges die Arbeit im Oberlandesgerichtsgebäude. Heizung und Licht funktionieren nicht mehr, Fenster und Türen sind so gut wie nicht mehr vorhanden, immer wieder zwingen Luftangriffe zum Aufsuchen der Luftschutzräume. Anfang des Jahres 1945 kommt der Dienstbetrieb völlig zum Erliegen. Das Oberlandesgerichtsgebäude wird bis zum Ende der Kämpfe um Hamm am 5. April 1945 von 68 Stabbrandbomben, zwei Phosphorkanistern, fünf großen Sprengbomben und fünf Brandgranaten getroffen.

Das alliierte Kontrollratsgesetz Nr. 2 schließt die deutschen Gerichte und verbietet ihre Tätigkeit bis zu einer anderslautenden Anordnung der Militärregierung. Den Plänen der Besatzungsmächte folgend nimmt zunächst die Verwaltung des Oberlandesgerichts Ende Mai/Anfang Juni 1945 die Geschäfte wieder auf. Sie bereitet die Wiedereröffnung der Rechtsprechung bei den Amts- und Landgerichten des Bezirks vor, von denen die große Mehrzahl in der zweiten Hälfte des Jahres 1945 wieder tätig wird. Die Rechtsprechung des Oberlandesgerichts wird am 1. Dezember 1945 in einer kleinen Feierstunde mit fünf Zivilsenaten und einem Strafsenat wieder eröffnet.

Der Neubau des Oberlandesgerichts Hamm an der Heßlerstraße gelangt 1955 nach einem Entwurf des Architekten Karl Schuck zur Ausführung. Gebaut werden ein Hochhaus mit elf, ein Bürohaus mit sieben und ein Saaltrakt mit vier Obergeschossen. Der Ende 1958 abgeschlossene Innenausbau ermöglicht den Einzug der Generalstaatsanwaltschaft und des Oberlandesgerichts. Am 5. Mai 1959 wird das Gebäude feierlich eingeweiht.

1960 und 1961 erhält das noch junge Oberlandesgerichtsgebäude zwei Kunstwerke. Der für monumentale und plastische Skulpturen bekannte Bildhauer Prof. Paul Dierkes aus Berlin erschafft die monumentale Granitkugel „Gespaltene Erde“, die seit 1960 auf der südlichen Rasenfläche vor dem Gerichtsgebäude aufgestellt ist. Prof. Hubert Berke, ein Schüler Paul Klees, gestaltet 1961 gemeinsam mit seinen Schülern, Studenten der TH Aachen, ein Wandbild aus Mosaiksteinen, das sich mit einer Höhe von 20 Metern über fünf Stockwerke im Treppenhaus des Oberlandesgerichts erstreckt. Die gegenstandsfreie Darstellung hat der Künstler selbst in einem Gespräch als „Säule der Gerechtigkeit“ bezeichnet, ein Begriff, der sich bis heute eingeprägt hat.

Da das Gerichtsgebäude an der Heßlerstraße nicht über genügend Räumlichkeiten verfügt, werden ab 1977 zunehmend Einheiten der Gerichtsverwaltung in im Stadtgebiet angemietete Büroräume ausgelagert. Diese Entwicklung wird sich bis zur Erweiterung des Gebäudes an der Heßlerstraße nicht ändern.

1999 beginnen die Bauarbeiten zur Erweiterung und Modernisierung des Oberlandesgerichtsgebäudes. Ihnen liegt der – aus dem zuvor durchgeführten Architektenwettbewerb als Sieger hervorgegangene – Entwurf des staatlichen Bauamtes Düren zugrunde. Von Ende 1999 bis Ende 2001 werden im ersten Bauabschnitt die Eingangshalle und das Hochhaus fertiggestellt. Außerdem wird der Heßlerstraße nicht ändern.

1999 beginnen die Bauarbeiten zur Erweiterung und Modernisierung des Oberlandesgerichtsgebäudes. Ihnen liegt der – aus dem zuvor durchgeführten Architektenwettbewerb als Sieger hervorgegangene – Entwurf des staatlichen Bauamtes Düren zugrunde. Von Ende 1999 bis Ende 2001 werden im ersten Bauabschnitt die Eingangshalle und das Hochhaus fertiggestellt. Außerdem wird der Saaltrakt erweitert und saniert. Die umfangreiche Sanierung des Altbaus, der zweite Bauabschnitt, beginnt im Frühjahr 2002. Sie ist Ende 2003 soweit abgeschlossen, dass die Gebäudeteile wieder von der Justiz genutzt werden können. Über das gesamte Stadtgebiet verstreute Nebenstellen des Oberlandesgerichts werden in der Folge aufgelöst und die dort Beschäftigten im sanierten Gebäude untergebracht. Oberlandesgericht und Generalstaatsanwaltschaft stehen jetzt in einem modernen Justizgebäude an der Heßlerstraße etwa 35 000 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Mit der Einweihung des grundsanierten Altbaus am 16. Juli 2004 finden die Baumaßnahmen ihren Abschluss. Neu gestaltete Sitzungssäle, eine beeindruckende Eingangshalle, eine moderne Bücherei und ansprechende Räume für die Betreuung von an familiengerichtlichen Verfahren beteiligten Kindern und Jugendlichen sind nur einige Beispiele des gelungenen Umbaus.“

Eine wichtige Einrichtung am Oberlandesgerichts Hamm ist unter anderem auch die Zentrale Zahlstelle der Justiz (ZZJ) mit derzeit 230 Mitarbeitern. Als größte Zahlstelle der Justiz des Landes nimmt sie in verschiedenen Sachgebieten zentrale Aufgaben wahr. sz

Festakt fällt aus

Zum 200. Jahrestag des Oberlandesgerichts Hamm sollen nicht nur die Größe, sondern auch das beträchtliche Alter der Einrichtung gewürdigt werden. Deswegen erscheinen zum 1. Juli dieses Jahres zwei Festschriften, die noch einmal die vergangenen Jahrzehnte Revue passieren lassen, die die aktuelle Situation in Wort und Bild auf den Punkt bringen und die einen Ausblick auf künftige Ereignisse wagen.

Die derzeitige Corona-Pandemie und die sehr unterschiedlichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch die verschiedenen Regelungen und Maßnahmen der Landesregierungen und Kommunen lassen es auf absehbare Zeit nicht zu, Großveranstaltungen durchzuführen.

Deswegen hat sich der Präsident des Oberlandesgerichts Hamm dazu entschlossen, den Festakt zum 200. Jubiläum, der für den 1. Juli 2020 geplant war, sowie den Tag der offenen Tür, den man ursprünglich für den 4. Juli vorgesehen hatte, abzusagen.

Ob und gegebenenfalls wann die Veranstaltungen nachgeholt werden, soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

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